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Deutschland ist dabei

Bierhoff zur WM in Katar: "Ein Boykott ist für uns keine Option"

Der DFB-Direktor schließt einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Verfolgerstaat Katar aus.


Oliver Bierhoff, der Fußball-Europameister von 1996, ist seit 2004 DFB-Funktionär (Bild: © Olaf Kosinsky / wikipedia)

Oliver Bierhoff hat sich in einem Interview mit dem "Stern" (Bezahlartikel) gegen einen Boykott der Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Katar ausgesprochen. Dies sei für den Deutschen Fußball-Bund keine Option: "Wir glauben an die Kraft des Sports, die Menschen verbindet, Vorurteile abbaut, für Begegnungen und Freundschaften über die Dauer einer Weltmeisterschaft hinaus sorgt", erklärte der Direktor der DFB-Nationalteams. "Der Sport hat die Kraft, Brücken zu bauen, im Dialog zu bleiben und Veränderungen anzustoßen, das hat er schon oft bewiesen."

Am Gastgeberland Katar entzündet sich seit längerem Kritik. So steht dort auf Homosexualität eine siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. Auch andere Menschenrechtsverletzungen – etwa gegen Frauen oder Gastarbeitende – sind an der Tagesordnung. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland forderte angesichts dieser Tatsachen vergangenen Herbst einen WM-Boykott (queer.de berichtete).

Jüngst hatte Amnesty International gemeldet, dass seit der WM-Vergabe 15.000 Gastarbeitende ums Leben gekommen sein sollen, der Großteil unter ungeklärten Umständen. Bierhoff sagte dazu: "Wenn diese Zahlen stimmen, sind sie natürlich erschreckend. Hier ist nun die FIFA als Ausrichterin und Organisatorin des Turniers gefordert, für Aufklärung zu sorgen."

Bei der Europameisterschaft im vergangenen Sommer hatte sich die deutsche Nationalmannschaft mit Statements gegen Diskriminierung positioniert. So setzte das Team mit dem Kniefall ein Zeichen gegen Rassismus, außerdem trug Kapitän Manuel Neuer eine Regenbogenbinde, was zu Ermittlungen der UEFA führte (queer.de berichtete).

Regenbogenaktionen bei der WM?

Ob für die WM in Katar ähnliche Aktionen geplant sind, ließ Bierhoff offen: "Das kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen, denn der Impuls für solche Aktionen kommt direkt aus der Mannschaft selbst. Wir als DFB diktieren nichts von oben herab, was auch falsch wäre. Wir begleiten solche Prozesse und sorgen für Information und Aufklärung. Ich bin froh, dass wir mündige Spieler haben. Eine sensible Mannschaft, die weiß, dass Fußball mehr ist als nur Sport, und diese Bühne nutzt, um offensiv für Menschenrechte einzutreten."

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Sportlich sieht Bierhoff die Nationalmannschaft auf einem guten Weg, seit Hansi Flick im August 2021 das Bundestraineramt übernommen hat. "Wir spüren alle eine Aufbruchstimmung und eine Begeisterung für den neuen Weg, den Hansi eingeschlagen hat – auf den Rängen, aber auch auf dem Feld." Trotz des frühen Ausscheidens des DFB-Teams bei der EM 2021 (0:2 gegen England im Achtelfinale) kann Bierhoff keinen großen Abstand der Hansi-Jungs zur Weltspitze erkennen.

Bierhoff war in der Vergangenheit beim Thema Homosexualität und Fußball eher unentspannt. So erhielt er 2011 die Homo-Gurke von queer.de, weil er eine fiktive Aussage in der ARD-Krimiserie "Tatort" über Schwule im Profifußball als "Angriff" auf die Nationalelf bewertete. (pm/cw)



#1 War klarAnonym
  • 05.01.2022, 12:53h
  • "Ein Boykott ist für uns keine Option"

    Selbstverständlich.

    Denn Geld war im Fußball immer schon wichtiger als Fairness, Menschenrechte und sportliche Ideale.
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#2 AtreusProfil
  • 05.01.2022, 13:19hSÜW
  • "Der Sport hat die Kraft, Brücken zu bauen, im Dialog zu bleiben und Veränderungen anzustoßen, das hat er schon oft bewiesen."

    Wer weis das schließlich besser als ein Deutscher Sportfunktionär, welch überwältigender Demokratiersierungsprozess in Gang kam, nach der Olympiade '36 oder der WM '18 und Olympiade '14 im russischen Sotschi. Die Hongkonger können es sicher kaum noch abwarten, dass die Pekinger Winterspiele dieses Jahr ihre Demokratie wieder herstellen.

    Ist man erst im Bilde wer da spricht, also ein moralisch entkernter Sprechblasenkastrat und DFB-Chefprostituierter für die Geldaquise in menschenverachtenden Geberstaaten, weis man auch, weshalb derselbe im Angesicht der überwältigenden Erfolgszüge der Menschenrechte durch bisherige sportliche Großveranstaltungen folgerichtig auf die Blütezeit westlicher Werte in Katar hinweist, nachdem die WM-Scheinwerfer wieder abgebaut und die Medienteams verschwunden sind. Ich glaube keine Sekunde daran, dass Bierhoff tatsächlich so dumm ist, selbst zu glauben, was er da von sich gibt und wünschte mir, man fände gesellschaftlich insgesamt dahin zurück, wieder ehrlich miteinander zu sprechen, statt sein Diarrhö vom heimischen Abort zu entkoppeln und im Rampenlicht zu koten.

    Ich möchte strahlspeihen.
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#3 StaffelbergblickAnonym
  • 05.01.2022, 13:38h
  • Das Gejammere über irgendwelche Fußballfunktionäre werde ich mir sparen. Diese Menschen vertreten ihre Auffassungen und werden deshalb auch hemmungslos überbezahlt. Fußball auf diesen Ebenen ist nichts anderes als ein Wirtschaftszweig. Verlogenerweise steuersubventioniert auf Vereinsstrukturen. Die Macher hinter diesen Vereinen, Funktionören und damit die primären Nutzniesser sind die großen Globalplayer wie ADIDAS, PUMA, NIKE usw .... Wenn dann muß es darüber laufen ... Angefangen, dass die auf ihren Merchandising-Plunder sitzen bleiben ... aber das wird nicht passieren.
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#4 LorenProfil
  • 05.01.2022, 15:12hGreifswald
  • "In allen Bereichen ist der Einfluss von Katar und seinen Millionen gigantisch. Die Fifa pflegt unter der Führung von Gianni Infantino eine rätselhafte Nähe. In Europas Fußball zählt der katarische Funktionär Nasser Al-Khelaifi, Chef eines heimischen Staatsfonds und von Paris Saint-Germain, als Uefa-Vorstand und Vorsitzender der Klub-Vereinigung ECA zu den maßgeblichsten Akteuren. Bei der WM-Qualifikation wirkt das als Gastgeber für das Turnier schon qualifizierte Emirat als Gast im europäischen Teil des Wettbewerbe mit. Die staatliche Flugzeuglinie Qatar Airways wiederum sponsert zugleich die Fifa, die Uefa und den FC Bayern - und war zudem beim DFB im Gespräch."

    www.sueddeutsche.de/sport/katar-paris-messi-mappe-wm-1.53984
    28
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#5 SkandalösAnonym
  • 05.01.2022, 20:10h
  • Dass ausgerechnet deutsche Funktionäre bei Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen weg sehen, ist nicht nur traurig und peinlich, sondern ethisch skandalös.

    Wenn die schon kein Rückgrat und kein Gewissen haben, müssen andere eben den Boykott durchziehen: Wirtschaft, Medien, Zuschauer, etc.

    Ich hoffe, dass kein Unternehmen in diesem Umfeld werben will und Unternehmen, die dort dennoch als Sponsoren und Werbepartner auftreten, sollten von ihren Kunden boykottiert werden.
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#6 MichaKHProfil
  • 05.01.2022, 23:04hBad Kreuznach
  • Da bin ich ja mal auf die Brücken gespannt, die der Fußball baut, und auf die Veränderungen, die er anstößt Ach ja, und an den Weihnachtsmann glaube ich natürlich auch

    Nein, im Ernst: Wer hat denn tatsächlich daran geglaubt, dass der Fußball Größe und Rückgrat zeigt? Ich nicht - und durch Herrn Bierhoff fühle ich mich bestätigt. Da spielt viel zu viel Geld eine Rolle
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#7 AndyAnonym
#8 BoykottAnonym
  • 06.01.2022, 00:00h
  • Antwort auf #5 von Skandalös
  • "und Unternehmen, die dort dennoch als Sponsoren und Werbepartner auftreten, sollten von ihren Kunden boykottiert werden."
    Diese sind lt. FIFA-Homepage:

    1) FIFA-Partner:
    adidas, Coca Cola, Wanda Group (chinesischer Multikonzern), Hyundai/Kia, Qatar Airways, Visa

    2) FIFA World Cup Sponsoren:
    Budweiser, Hisense (chin. Elektronikkonzern), McDonald's, Mengniu (chin. Milchprod.konzern), vivo (chin. Smartphonehersteller).

    Soll niemand sagen, they hätte_n es nicht gewusst.
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#9 LeashProfil
  • 06.01.2022, 18:29hHamburg
  • Was für ein inhaltsloses Geschwafel.
    Mhh ja im Dialog bleiben ist voll wichtig.

    Ist denn von DFB Seite geplant irgendwas davon dort anzusprechen? Da hätte man als Journalist*In gerne einmal nachbohren können.

    Na der Sport wird's schon richten!
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