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Nach Druck aus Russland

Youtube droht schwulem Video-Blogger mit Löschung von "Homo-Propaganda"-Video

Ein Blogger soll wegen des russischen Gesetzes gegen "Homo-Propaganda" ein Video löschen, in dem er davon erzählt, wie er als Jugendlicher seine Homosexualität entdeckte. Dabei lebt er schon seit Jahren in den USA.


Dieses harmlose Video will Google löschen, weil Gespräche über sexuelle Orientierung der russischen Staatsmacht ein Dorn im Auge sind (Bild: Screenshot Youtube / Felix Glyukman)

Filmemacher Felix Glyukman hat am Dienstag auf Facebook erklärt, er sei vom Internetriesen Google zur Löschung eines seiner Youtube-Videos aufgefordert worden, weil dies gegen das russische Gesetz gegen "Homo-Propaganda" verstoße. Das russischsprachige Video trägt den Titel "Wie habe ich bemerkt, dass ich schwul bin?" und ist bislang noch online.

Wörtlich hieß es nach Angaben von Glyukman in einer E-Mail des Videodienstes: "Wenn Sie den Inhalt nicht löschen, ist Google möglicherweise gezwungen, den Inhalt zu blockieren." Youtube bezieht sich dabei auf einen von russischen Behörden gemeldeten angeblichen Gesetzesverstoß. Das Portal gehört bereits seit 2006 zum Google-Konzern.

"Ich lebe seit Februar 2017 nicht mehr in Russland"

Glyukman versteht nicht, warum er das Video löschen soll: "Ich lebe seit Februar 2017 nicht mehr in Russland. Ich zahlen Steuern in den Vereinigten Staaten und das Video ist in Miami aufgenommen worden. Da stellt sich eine faire Frage – warum zum Teufel sollte ich mir Sorgen um das russische Recht machen?"

For my English-speaking friends: this post is about an attempt of the moronic Russian government to block my video on...

Posted by Felix Glyukman on Monday, January 3, 2022
Facebook / Felix Glyukman
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Das bereits im Juni 2019 hochgeladene Video ist nach Angaben des russischen Oppositionsportals "Meduza" am 26. November des vergangenen Jahres auf Betreiben der russischen Medienzensurbehörde Roskomnadsor von einem Gericht auf die sogenannte Schwarze Liste von Webseiten gesetzt worden, zu denen Provider den Zugang sperren müssen. Google hat sich gegenüber russischen Medien bislang nicht zu der Löschaufforderung geäußert.

Glyukman protestierte vor seinem Umzug in die USA gegen LGBTI-Feindlichkeit in seinem Heimatland Russland. Laut BuzzFeedNews sind er und sein Partner 2016 festgenommen worden, als sie bei der US-Botschaft in Moskau Blumen für die Opfer des Anschlags auf einen queeren Club in Orlando niederlegten. Inzwischen lebt Glyukman in New York City und arbeitet als Regisseur, Cutter und Kameramann.

Russland ist in letzter Zeit vermehrt gegen die Sichtbarkeit von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten vorgegangen. Im November wurde etwa ein TV-Sender wegen "Homo-Propaganda" verurteilt, weil im Nachmittagsprogramm der extravagante Auftritt eines Musikers gezeigt wurde (queer.de berichtete). Zuletzt drohte die Staatsmacht auch Netflix wegen queerer Inhalte eine Sperrung an (queer.de berichtete). In der Duma gibt es auch Bestrebungen, die Darstellung von queeren Menschen künftig wie Pornografie einzustufen (queer.de berichtete). (dk)



#1 DQ24Anonym
  • 05.01.2022, 16:51h
  • Der Blogger lebt in den USA, ist vermutlich US-Bürger. YouTube ist KEINE russische Firma, warum beugt sie sich also Putin? Wegen Geld!
    Shame on you, YouTube. And first of all, shame on you, russia for your pressure.
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#2 dellbronx51069Anonym
  • 05.01.2022, 18:01h
  • Gut wäre es wenn sich Youtube in Putintube umbenennen würde.
    Besser wäre es wenn wir als LGBTI diesen Kriecher laden boykottieren würden.
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#3 Google ebenAnonym
  • 05.01.2022, 20:11h
  • Und wieder mal zeigt die Google-Tochter YouTube, dass ihnen freie Rede und andere Grundrechte scheißegal sind und es nur um eigene Interessen geht.
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#4 mackixAnonym
  • 05.01.2022, 21:02h
  • Antwort auf #1 von DQ24
  • Wenn man irgendwelche Vermutungen anstellt, die auf haltlosen Annahmen basieren, und dann alles in einen Topf schmeißt, kommt nur so was seichtes raus. Das Thema Meinungs- und Redefreiheit ist viel zu wichtig, um es auf diese billige Weise mit der üblichen kapitalistischen Argumentation so oberflächlich abzuhandeln.

    Erstens, ist es völlig egal, welche Staatsangehörigkeit der Blogger besitzt, entscheidend ist der Ort an dem er von seinem Recht auf Redefreiheit und Veröffentlichung Gebrauch macht bzw. Schutz vor Zensur genießt. Insoweit steht Youtube wiederholt auch mit diesem Fall zu Recht in der Kritik, weil es regelmäßig zu solchen Einschüchterungsversuchen bzw. Androhung der Zensur (Löschen) oder gar Aussperren von Nutzerprofilen kommt.

    Nun zum konkreten Fall - erstens ist es interessant, dass dieses Video schon über zwei Jahre alt ist und sehr wenige Klicks für so eine breite Zielgruppe hatte (das Video ist in russischer Sprache). Dadurch, dass das Video auf Russisch verfasst ist und sich vorwiegend an Jugendliche in russischsprachigen Ländern wendet, die Unterstützung bei ihrem Coming-out suchen oder damit hadern, könnte man es ja in Russland auch so auslegen, dass man aus dem Ausland "Propaganda" in Russland betreibt - so absurd wie das natürlich ist. So etwas ist in Russland eben ein ernstes politisches Problem. Russland könnte also auf der Grundlage der dort geltenden, diskriminierenden Gesetze versuchen, den Zugang zu diesen Inhalten im eigenen Land zu sperren, weil eben Zensur angewandt wird. Ähnlich wie es auch beim Jugendschutz läuft - wo sich Gesetze von Land zu Land unterscheiden.

    Allerdings darf Youtube das Video nicht löschen, entfernen oder den Blogger deswegen gar aussperren - vor allem, weil es in den USA aufgenommen und veröffentlicht wurde. Das müsste auch so bleiben und ist der Grund dafür, dass das Video auch in Deutschland weiterhin erreichbar ist.

    Um die Tiefe der ganzen Problematik und die Schwierigkeiten auf der persönlichen Ebene besser zu verstehen, sollte man noch Folgendes bedenken:
    der Felix erzählt in seinen Videos (vor ca. zwei Jahren), dass er 2017 in die USA gekommen und bereits drei Jahre lang zum Zeitpunkt der Aufnahme auf das Ergebnis seines politischen Asylverfahrens wartet und dass er deshalb das Land nicht verlassen darf. Die Auswirkungen solcher Zustände auf der persönlichen Ebene sind also viel zu ernst, um einfach nur das Argument "Geld" auf der Interessenseite von Youtube in dieser Diskussion zu bemühen. Es geht hier um weiteren Druck, den man auf ihn ausübt und viel mehr. Gerade in der Community sollten Geschichten wie von Felix tiefgründiger reflektiert werden. Postings wie "Youtube schäme dich" sind nichts wert.
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#5 LarsAnonym
  • 05.01.2022, 21:48h
  • Die Rechtsverletzung findet regelmäßig am Ort des Abrufs des Inhalts statt, der Ort des Hochladens ist für die Strafbarkeit / Sittenwidrigkeit etc. des Abrufs irrelevant. YouTube wäre klug beraten das Video einfach in Russland zu blockieren, statt es generell löschen zu wollen.

    An den Beispiel sieht man aber, wie sehr Rechte von Schwulen hier egal sind. In Ländern wie D oder USA schön auf Gay-Pride machen und gendern, aber sobald es an den Geldbeutel geht, werden die angeblich so wichtigen Leitbilder aufgegeben.
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#6 Lucas3898Anonym
#7 AndyAnonym
#8 Uwe MehringerAnonym
  • 06.01.2022, 00:10h
  • Ich habe versucht das Video auf Youtube zu finden.
    Es ist nicht möglich. Wie asozial ist das denn bitte?
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#9 qwertzuiopüAnonym
  • 06.01.2022, 00:15h
  • Antwort auf #7 von Andy
  • google bigotterie vorzuwerfen, würde ja voraussetzen, dass sie ihr handeln an überzeugungen messen.
    wer das ernsthaft glaubt, glaubt womöglich auch, dass internetkonzerne unser leben besser machen wollen.
    die sollen steuern zahlen, mehr erwarte ich nicht von ihnen.
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#10 MandyAnonym