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Berlin

Urteil: Lebenslange Haft im Kannibalismus-Prozess

Höchststrafe im Berliner Mord-Prozess gegen den Lehrer Stefan R.: Er hatte sein Opfer, einen bisexuellen Monteur, zur Befriedigung des Geschlechtstriebes getötet.


Nach einem mehrmonatigen Prozess hat das Landgericht sein Urteil gefällt (Bild: Genealogist / wikipedia)

Im Prozess wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht hat das Landgericht Berlin am Freitagnachmittag den 42-jährigen Angeklagten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld von Stefan R. fest. Das bedeutet, dass er normalerweise nicht vorzeitig nach 15 Jahren entlassen werden darf. Die besondere Schwere wird festgestellt, wenn eine Tat besonders brutal, grausam oder verwerflich war.

Demnach sei erwiesen, dass der Mathematik- und Chemielehrer einen 43 Jahre alten bisexuellen Monteur getötet hatte, "um seine Kannibalismus-Fantasien auszuleben". Die beiden Männer hatten sich über das schwule Datingportal Planetromeo kennengelernt und sich in der Wohnung des Lehrers in Berlin-Pankow verabredet.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte als Mordmotiv die Befriedigung des Geschlechtstriebes genannt. In ihrer Anklageschrift ging sie von einer sadistisch-kannibalistisch geprägten sexuellen Tatmotivation aus. Es habe keine Hinweise darauf ergeben, dass das Opfer in seine Tötung "eingewilligt" hatte. Vielmehr sei der nichts ahnende Mann in eine Falle gelockt worden. R. habe das Töten und teilweise Verspeisen eines Menschen real ausleben wollen, "um sich daran sexuell zu ergötzen", sagte Staatsanwalt Martin Glage in seinem Plädoyer. "Das virtuelle Ausleben reichte ihm nicht mehr aus."

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Die Verteidigung hatte hingegen einen Freispruch gefordert. Rechtsanwältin Kristina Beulich führte aus, dass die Todesursache des Geschädigten "unklar" sei. Zudem seien Fantasien allein – auch kannibalistische – "nicht strafbar".

Die Tat hatte sich im September 2020 ereignet. Zerstückelte Leichenteile wurde danach an verschiedenen Stellen in Berlin gefunden worden. Bei den Ermittlungen kamen anschließend Personen- und Leichenspürhunde zum Einsatz, die die Polizeibeamt*innen zur Wohnung des Tatverdächtigen führten. R. wurde unmittelbar nach der Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Angeklagter stritt Tötung ab

Nach mehrwöchigem Prozess hatte der Lehrer im September sein Schweigen gebrochen und den Vorwurf einer Tötung zurückgewiesen (queer.de berichtete). Er behauptete, dass der Monteur nach einem Sex-Treffen allein im Wohnzimmer seiner Wohnung übernachtet habe. Als er ihn am Morgen gefunden habe, sei der Mann tot gewesen. In Panik sei er dann zu dem Schluss gekommen, die Leiche verschwinden zu lassen. Außerdem habe er Angst gehabt, dass seine Homosexualität ans Licht kommen könne.

Der Vorsitzende Richter Matthias Schertz ging in seiner Urteilsbegründung auf die Einlassungen des Angeklagten ein und nannte sie "von hinten bis vorn unglaubhaft". Schließlich gebe es eine ganz erhebliche Hemmschwelle, einen Menschen zu zerteilen. Zudem sei Homosexualität heutzutage völlig akzeptiert.

Das Urteil sollte bereits kurz vor Weihnachten gesprochen werden. Der Prozess war jedoch wegen eines Streits über ein erneutes rechtsmedizinisches Gutachten ins Stocken geraten. Die Verteidigung des Angeklagten stellte außerdem einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter. Dieser habe sich nach Ansicht der beiden Anwältinnen im Zusammenhang mit weiteren Beweisanträgen der Verteidigung "grob unsachlich" geäußert (queer.de berichtete).

Der Fall erinnert an den von Armin Meiwes, der von der Boulevardpresse den Beinamen "Kannibale von Rotenburg" erhalten hat. Er hatte 2001 einen 43-jährigen Diplom-Ingenieur beim Geschlechtsverkehr getötet, seinen Körper zerlegt und teilweise gegessen. Laut dem Angeklagten hatte sein Opfer in die Tat eingewilligt. Meiwes wurde schließlich Anfang 2006 wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er sitzt seine Strafe derzeit in Kassel ab. (cw)



#1 janxAnonym
  • 07.01.2022, 20:59h
  • Auch noch Lehrer von Beruf. Wird der nicht eigentlich irgendwo vermisst? Du, Mathe 1. Stunde fällt morgen aus. Warum denn? Och, der Herr Meier ist lebenslang in Haft, weil er ein Kannibale ist und jemanden aufgefressen hat. Na gut, können wir länger ausschlafen. Tststs. Gibt nichts was es nicht gibt.
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#2 Lucas3898Anonym
#3 janxAnonym
  • 08.01.2022, 00:23h
  • Antwort auf #2 von Lucas3898
  • Ja das stimmt. Trotzdem finde ich den Gedanken daran dass der eigene Lehrer plötzlich in U-Haft sitzt weil er jemandem getötet und gegessen hat mehr als... skurril, seltsam, unfassbar... Mir fällt da gerade gar kein passendes Adjektiv zu ein.
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#4 SosoAnonym
  • 08.01.2022, 07:13h
  • "Zudem sei Homosexualität heute vollständig akzeptiert..."
    Naja da hat der Richter aber schöne Träume.. besonders als Lehrer kann das schwierig sein... leider..
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#5 LothiAnonym
  • 08.01.2022, 07:33h
  • Wenn ich mir vorstelle, wieviele es von dieser Sorte alleine in Deutschland gibt, die gleiches gerne mal leibhaftig ausprobieren möchten, aber nicht dürfen, wirds mir ganz schummrig zumute. Nun, zwei von denen sitzen ja jetzt lebenslänglich hinter Gittern. Das ist auch gut so.
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#6 TheoAnonym
#7 StaffelbergblickAnonym
  • 08.01.2022, 13:42h
  • Antwort auf #3 von janx
  • Vor Weihnachten wurde meine Tante beerdigt. Hinterher sassen in trauter Runde ihre vier Kinder mit Anhang zusammen ... und ich. Zwischendurch dann die Frage von meinem Cousin ... ob ich denn A. Mewes kennen würde. Ja klar ... auch den teilweisen Email-Verkehr der beiden. Dann ... das war mein Vorgesetzter bei der Bundeswehr. Nach seiner Aussage vollkommen korrektes Auftreten. Nie Probleme. So viel zum Thema ... plötzlich der eigene Lehrer. Die Welt ist manchmal kleiner, als wir uns das vorstellen.
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#8 LothiAnonym
  • 08.01.2022, 14:45h
  • Antwort auf #7 von Staffelbergblick
  • Von Armin Meiwes dem Kannibale von Rothenburg gibt es ja auch eine Verfilmung. Diese liegt schon seit Jahren als selbstgebrannte DVD bei mir herum und ich kann mich einfach nicht dazu durchringen mir soetwas anzusehen.
    Dabei bin ich ein großer Fan von Horrorfilmen.
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#9 StaffelbergblickAnonym
  • 08.01.2022, 16:15h
  • Antwort auf #8 von Lothi
  • oh ... haben "WIR" uns jetzt namensmäßig "geschmeidiger" gestaltet??? so mit einem gedehnt-gesprochenen "hiiiiii"??
    Ich hatte es hier schon einige Male erwähnt. Ich kenne Inhalte des "Rotenburg"-Prozesses aufgrund einer umfangreichen Dokumentation in einem Fachbuch. Ob ich mir einen solchen Film "antun würde" ... tendenziell nicht. Mit Horrorfilmen habe ich gewisse Schwierigkeiten. Andererseits finde ich die realen "Horror-Fälle" dokumentarisch aufgearbeitet höchst interessant. Deshalb gucke ich lieber in ZDF-Info Berichte mit dem Profiler Peter Axelmann. Dessen Ausführungen zu möglichen Ursachen, Hintergründen finde ich höchst lehrreich.
    Es ist ferner erstaunlich, wie Menschen reagieren, wenn sie plötzlich feststellen, dass der "liebe Nachbar", oder wer auch immer, noch ein fragwürdiges/kriminelles Nebenleben führte. Aber bei genauem Hinsehen, sind halt Kleinstädte diesbezüglich nicht besser als Großstädte.
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#10 StaffelbergblickAnonym
  • 08.01.2022, 16:23h
  • Antwort auf #8 von Lothi
  • Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Film gar nicht so sehr "horror-mäßig" ist. Denn die Vorbereitung der Tat verlief vollkommen unspektakulär. Inwieweit im Film entsprechende Aufnahmen gezeigt werden mit dem Abtrennen des Penis und danach verschiedene Versuche diesen gemeinsam zu "verspeisen" ... keine Ahnung. Oder der finale Stich in Halsgefäße beim scheinbar fast toten Opfer ...
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