Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40857

Vergleich

Aktivistin erstreitet Unterkünfte für trans Obdachlose in New York

Mariah Lopez erlebte transfeindliche Gewalt in einer Obdachlosenunterkunft. Sie zog zurück auf die Straße – und verklagte die Stadt New York. Wegen ihres Einsatzes entstehen bald neue, sichere Unterkünfte.


Mariah Lopez (2017) bei einem YouTube-Auftritt (Bild: Screenshot / YouTube)
  • Von Jeja Klein
    9. Januar 2022, 13:05h, noch kein Kommentar

Die Stadt New York muss seperate Unterkünfte für transgeschlechtliche Obdachlose zur Verfügung stellen. Das erkämpfte die Trans-Aktivistin Mariah Lopez mit einer Klage.

Ein Vergleich verpflichtet die Kommune, bis zum Dezember 2022 mindestens 30 Betten für transgeschlechtliche und geschlechtlich inkonforme Menschen zur Verfügung zu stellen.

Die von sonstigen Unterkünften für Männer und Frauen getrennten Einrichtungen sollen in den vier Vierteln Brooklyn, der Bronx, Queens und Manhattan entstehen. Außerdem muss jedes Bett Zugang zu einem abschließbaren Badezimmer für eine Person sowie eine Dusche und Toilette haben. In denen sollen die Bewohner*innen ihre Privatsphäre genießen können und vor Diskriminierung und Übergriffen geschützt sein.

Aus 30 Betten könnten noch mehr werden

Die Unterkünfte können dabei Teil von bereits bestehenden Einrichtungen sein, oder an neuen Standorten entstehen. Darüber hinaus enthält der vor Gericht erzielte Vergleich die Regelung, dass die Stadt weitere entsprechende Unterkünfte bauen oder deklarieren muss, wenn mehr als die bisher verinbarten 30 Betten benötigt werden sollten.

Lopez, die Mitglied der Strategic Transgender Alliance for Radical Reform (STARR) ist, muss außerdem von der Stadt über das Fortschreiten der Pläne unterrichtet werden. Die vereinbarten Konditionen darf sie vor Ort überprüfen. Auch darüber, ob es in oder um die Einrichtungen herum zu Beschwerden der Bewohner*innen beispielsweise über transfeindliche Belästigungen kommt, soll die Aktivistin informiert werden.

Vier Jahre Rechtsstreit

Im Vorfeld des Vergleichs hatte sich Lopez eine vierjährige juristische Auseinandersetzung mit der Stadt geliefert. Die Kosten hatte Lopez genau so selber übernommen wie das Verfassen der juristischen Kommunikation ohne anwaltliche Unterstützung. Gar nicht so einfach für Lai*innen – insbesondere, wenn man wie Lopez zeitweise auf der Straße lebt.

Denn die trans Frau war im Jahr 2017 aus einer der kommunalen Unterkünfte geflohen, nachdem es dort zu hefigen Übergriffen gekommen war. In der Gruppenunterkunft, die eigentlich ebenfalls explizit auf die Bedürfnisse für LGBTI zugeschnitten sein sollte, sollen Mitarbeiter*innen die Bewohner*innen regelmäßig misgendert oder sie mit dem Pronomen "es" (it) angesprochen und queerfeindlich beschimpft haben.

Außerdem sollen Mitarbeiter*innen immer wieder ihre Machtstellung gegenüber den Bewohner*innen benutzt haben, um sexuelle Übergriffe zu begehen. So seien sie mit der Verlegung in andere Unterkünfte bedroht worden, wenn sie nicht kooperieren würden. Lopez gibt an, deshalb aus der Unterkunft, in die sie nach dem Tod ihrer Tante gekommen war, ausgezogen zu sein. Auf der Straße lebte sie dann wieder von Sexarbeit.

Inspiration von einer Ikone

Inspiration für ihren Kampf hat sich Lopez dabei, wie sie berichtet, von einer Ikone der Trans-Bewegung geholt: Sylvia Rivera. Mit der bekannten transgeschlechtlichen Wohnungsaktivistin hatte Lopez im Jahr 2002 sogar kurz im Transy House in Brooklyn zusammengewohnt.

Das Transy House ist eine von mehreren Einrichtungen in New York, die Aktivist*innen wie Rivera zur Aufnahme wohnungslos gewordener, transgeschlechtlicher Jugendlicher und junger Menschen eingerichtet hatten. Hintergrund ist die besonders hohe Rate an Wohnungslosigkeit unter transgeschlechtlichen und nichtbinären Menschen. Die kommt unter anderem dadurch zustande, dass Eltern ihre Kinder nach dem Coming-out verstoßen. Darüber hinaus erleben transgeschlechtliche Mieter*innen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt.

Rivera starb 2002. Sie hatte zusammen mit einer weiteren Bewegungsikone, Marsha P. Johnson, im Jahr 1970 die Organisation Street Transvestite Action Revolutionaries (STAR) und damit die Wohnungslosenbewegung transgeschlechtlicher New-Yorker*innen begründet.

Über den mysteriösen, von der New Yorker Polizei als Selbstmord eingestuften Tod von Marsha P. Johnson im Jahr 1992 erschien 2017 die Netflix-Doku The Death and Life of Marsha P. Johnson. Auch Rivera ist in dem Film zu sehen und zu hören. In der Netflix-Serie Pose geht es ebenfalls um die Wohnungslosigkeit von queeren und transgeschlechtlichen Menschen in New York Ende der 80er Jahre.