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Homophobie

Hamburger Rapperin rechtfertigt Gebrauch von "schwul" als Schimpfwort

Haiyti will "schwul" als Synonym für "scheiße" benutzen – und wirft Schwulen vor, zu sensibel zu sein. Das führt zu scharfer Kritik.


Haiyti bei Rock im Park 2017 in Nürnberg (Bild: Stefan Brending / wikipedia)

Zu Update springen: Haiyti entschuldigt sich (11.1., 13.30 Uhr)

Ein mehr als ein Jahr altes Podcast-Interview der 29-jährige Rapperin Haiyti, in dem sie sich homophob äußert, hat in den letzten Tagen zu scharfer Kritik geführt: Haiyti hatte in dem bislang weitgehend unbeachteten Podcast mit Tim Mälzer im September 2020 verteidigt, dass sie das Wort "schwul" in ihren Songs als Schimpfwort verwendet. Viele Nutzer*innen in sozialen Medien und Kolleginnen kritisierten am Wochenende die Künstlerin für diese Aussage.

Wörtlich hatte die Hamburgerin erklärt: "Ich sage ja auch im Text: 'Ich find euer Geld schwul, bis es meins ist.' Da meine ich auch nicht die Schwulen. Da meine ich: 'Ich find's scheiße.'" Als Mälzer sie fragte, warum sie dann nicht einfach "scheiße" anstatt "schwul" sagt, antwortete die Rapperin: "Weil es provozierend ist und darum geht's ja. Ich weiß auch nicht, warum ich es sage. Ich finde es provokanter, weil sich alle drüber aufregen: 'Scheiße, sie sagt schwul.'" Weiter griff sie Homosexuelle an, die sie für ihre Aussagen kritisieren: "Und ich kann's ja auch nicht wissen, dass manche Schwule so sensibel sind", so Haiyti. Sie spreche schließlich Schwule nicht damit an, sondern mache Kunst.

In dem Podcast kritisierte Mälzer diese Äußerung. Er habe sich in der Vergangenheit auch homophobe Sprache verwendet, sei jetzt aber klüger. Denn: "Weil ich nicht schwul bin und ein weißer Mann, ich bin knapp über 40, gehöre ich einer finanziellen Grundschicht an. Mir obliegt es nicht, solche Sachen zu sagen und mich einer Beurteilung nicht auszusetzen, wenn ich selber davon überhaupt nicht betroffen bin."

"Weil du dumm bist!"

Am Samstag teilte die aus der Vox-Show "Sing meinen Song" bekannte Rapperin Nura einen Teil des Gesprächs auf TikTok und kritisierte ihre Kollegin scharf. "Sängerin Haiyti am Bullshit labern. Tim Mälzer am Belehren", erklärte sie. Außerdem sagte sie im Video, warum Haiyti ihre Aussagen zu "schwul" und "scheiße" getätigt habe: "Weil du dumm bist!"

Auch Rapperin und Sängerin Katja Krasavice, eine ehemalige "Promi Big Brother"-Kandidatin mit zwei Nummer-eins-Alben in Deutschland, zeigte sich empört über die Äußerungen von Haiyti. Diese sollte auf einem Track ihres neuen Albums, das Anfang Februar erscheinen soll, auftauchen. Doch jetzt erklärte sie: "Ich hab um 16 Uhr meine Tracklist gepostet und wurde in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass ich jemanden aufs Album geholt habe, die was Homophobes gesagt haben soll. Ich werde das sofort prüfen und wenn das der Wahrheit entspricht, fliegt die Person natürlich von meinem Album. Sowas hat in meiner Welt nichts verloren!"

Hayiti hatte sich bislang nur kurz zu der Kontroverse geäußert. Auf Twitter schrieb sie am Sonntag in Anführungszeichen: "ich werd mich bessern an die Kritiker!"

Twitter / RobberyHaiyti
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LGBTI-Aktivist*innen in Deutschland und anderen Ländern kritisieren seit Jahren, dass Worte wie "schwul" als Schimpfworte verwendet werden. Es bestehe die Gefahr, dass dadurch eine aggressive homosexuellenfeindliche Atmosphäre geschaffen wird, die es gerade jungen Schwulen und Lesben erschwert, offen zu leben. Laut Umfragen ist insbesondere in Schulen die homophobe Wortwahl weit verbreitet. Eine Berliner Umfrage aus dem Jahr 2012 kam etwa zum Ergebnis, dass fast zwei Drittel der Grundschüler*innen "schwul" oder "Schwuchtel" als Schimpfwort verwenden (queer.de berichtete). (cw)

 Update  11.1., 13.30 Uhr: Haiyti entschuldigt sich

Haiyti hat sich nach Angaben von "Watson" in einer Instagram-Story für ihre Äußerungen entschuldigt. Demnach erklärte sie: "Hi Leute, ich bin nicht schwulen- und queerfeindlich, aber ich habe mich in der Vergangenheit blöd ausgedrückt und wollte damit niemanden verletzten uns das tut mir sehr Leid. Ich werde mich in Zukunft besser ausdrücken, I promise."



#1 Hannes3Anonym
#2 KinseyAnonym
  • 10.01.2022, 17:02h
  • Antwort auf #1 von Hannes3
  • Komisch, ich verwende lieber das Wort homosexuell als schwul. Ist für mich gleichwertig zu heterosexuell. Insbesondere wenn ich die Kinsey Skala berücksichtige. Die hat sich in Deutschalnd ja leider nicht durchgesetzt, da 100% Heteros Nullen sind und 100% Homos sexen äh sechsen auf der Skala. Doch wie mir mal jemand mitgteilt hat, sind beide Wörter ungünstig, da darin das Wort Sex vorkommmt. Hat anscheinend immer noch etwas anrüchiges der gute alte Sex in unserer teilweise übersexualisierten Welt!
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#3 Hannes3Anonym
  • 10.01.2022, 17:21h
  • Antwort auf #2 von Kinsey
  • Liegt vielleicht auch an vielen Berichten und Artikeln, wo "homosexuell" oder "Homosexualität" in negativen Zusammenhängen auftaucht(e).
    Sei es in der Politik oder z.B. bei HIV/AIDS.

    Ich verwende da am liebsten "gay" oder seit einiger Zeit auch einfach "queer".
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#4 Gnurfel42Anonym
  • 10.01.2022, 17:23h
  • Das Wort »schwul« darf aus dem selben Grund auf gar keinen Fall ein Schipfwort sein, wie das Wort »Jude« kein Schimpfwort sein darf. Der Sinn von Schimpfwörtern ist es, Verachtung auszudrücken, doch wenn eine Minderheit selbst zum Schimpfwort wird, erzeugt das eine böse Assoziation. Da kannst du dich winden und drehen, wie du lustig bist, die Assoziation »schwul = schlecht« wird mit so einem Schimpfwort unweigerlich im Kopf geweckt, egal, wie auch immer das »gemeint« sein soll.

    Auch das Argument, die Aufregung sei völlig übertrieben, ist falsch. Denn es sind doch gerade die vermeintlich kleinen Sticheleien im Alltag, die im Laufe der Zeit zu immer schlimmeren Hass ausufern. Je früher sie gestoppt werden, desto besser. Es ist somit eine logische Abwehrreaktion.

    Richtig absurd wird's, wo sie behauptet, Schwule seien zu sensibel (was ich ja gerade widerlegt habe). Lustig daran ist, dass sie eine Beleidigung mit einer anderen Beleidigung verteidigt hat.
    Logik ist wohl nicht gerade ihre Stärke Entweder das, oder das war nur ein ganz billiger Trick, um schnell in die Schlagzeilen zu kommen (nach dem Motto: Lieber schlechte Publicity als gar keine Publicity). :D

    Quizfrage: Wenn du denkst, dass »schwul« als Schimpfwort OK ist, »Jude« aber nicht, warum kannst du diesen offensichtlichen Doppelstandard nicht erkennen?
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#5 KinseyAnonym
  • 10.01.2022, 17:41h
  • Antwort auf #3 von Hannes3
  • Oh je bei gay und queer regen sich ja auch so viele Leute auf. Immer diese Anglizismen und in der taz unter den Leserkommenatren empörten sich einige Leute letzte Woche zu Queer, da dies ja auch die Queer-Theorie mit einbezieht und von der Definition manchen zu kompliziert ist. Ist nicht meine Meinung.
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#6 DreddAnonym
  • 10.01.2022, 18:13h
  • Antwort auf #4 von Gnurfel42
  • 1. Bin zwar egtl. bei dir, aber sie sagte explizit "manche(!) schwule", nicht verallgemeinert, daher ist das mit der "Gegenbeleidigung" egtl. nicht gegeben!

    2. Kein Doppelstandard, zumindest wären mir Aussagen wie "ziemlich jüdischer Film" oder "Krass Jude' als alltagsslang eher unbekannt!

    Und Allgemein gilt zu sagen das gerade in der deutschen Sprache so ziemliche jedes Wort je nach Kontext positiv oder negativ besetzt werden kann ( "fetter Dude" vs "Fetter dude")....
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#7 thorium222Profil
  • 10.01.2022, 18:49hMr
  • Also sollten wir alle nur noch "Hayiti" sagen, wenn wir "scheiße" meinen.
    Vielleicht gefällt es ihr dann nicht mehr ganz so gut.
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#8 JoshAnonym
#9 BaerchenProfil
  • 10.01.2022, 19:32hzuhause
  • Antwort auf #7 von thorium222
  • ..."das ist so Hayiti..." hört sich prima an, sollte man sich in Bezug auf diese "Möchtegern " Sängerin echt merken und stimmt, möglicherweise findet es dann diese Dame dann nicht mehr so toll... wie sagte meine liebe Frau Mama einmal:"...es gibt Leute denen kann man es einfach nicht durch die Blume sagen, denen muss man die Vase direkt vor den Kopp schlagen..."
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#10 GirlygirlEhemaliges Profil
  • 10.01.2022, 22:28h
  • Ich finde es gut, dass die Rapperinnen Nura und Katja Krasavice die Homophobie kritisiert haben. Schwul darf kein Schimpfwort sein. Eine Identität, die während des Nationalsozialismus und auch heute noch in anderen Ländern dermaßen erniedrigt und entmenschlicht wurde, sollte niemals mit einer Beleidigung gleichgesetzt. Leider passiert das noch viel zu häufig. An meinem Gymnasium gab es einen Lehrer, der regelmäßig das Wort schwul abwertend benutzt hat, das war noch Anfang der 2010er Jahre...In der Rapbranche ist Schwulenfeindlichkeit, Sexismus und Antisemitismus bis heute ein riesen Problem..
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