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ARD-Produktion

Lesbische Miniserie "Eldorado KaDeWe" ist kleiner Mediathek-Hit

Wenige TV-Produktionen polarisierten zuletzt wie die Kaufhaus-Serie "Eldorado KaDeWe" von Julia von Heinz. Nach drei Wochen in der ARD-Mediathek kann der experimentelle Mehrteiler als Erfolg bezeichnet werden.


Verkäuferin Hedi (Valerie Stoll, links) und Fritzi (Lia von Blarer), Tochter des KaDeWe-Besitzers Jandorf, sind ein Paar (Bild: ARD Degeto / ​RBB / ​Constantin Film / ​UFA Fiction / ​Dávid Lukács)

Innerhalb von drei Wochen in der ARD-Mediathek ist die 20er-Jahre-Miniserie "Eldorado KaDeWe" 5,1 Millionen Mal abgerufen worden. "Durchschnittlich hatte die Serie 850.000 Streamviews pro Folge", teilte eine Sprecherin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) für den Zeitraum 20. Dezember bis einschließlich 8. Januar mit. Nach derzeitigem Stand ist die Serie mit Valerie Stoll in der Hauptrolle noch bis Ende März (27.3.) in der Mediathek verfügbar. Die ARD hatte die sechs Folgen von je etwa 45 Minuten Dauer am 20. Dezember online gestellt. Am 27. Dezember zeigte das Erste – sehr ungewöhnlich – alle sechs Folgen an einem einzigen Abend hintereinander weg im TV (Serienkritik von Patrick Heidmann).

Dem Medienmagazin DWDL.de zufolge sahen dabei laut den endgültig gewichteten Werten der Fernsehforschung jede Episode im Schnitt 2,6 Millionen Zuschauer*innen. Am Morgen nach einer linearen Fernsehausstrahlung liegen zunächst immer nur "vorläufig gewichtete Daten" vor. Drei Tage später werden diese durch "endgültig gewichtete" aktualisiert. Sie sind die für die TV-Branche maßgeblichen Zahlen, öffentlich werden sie aber kaum noch wahrgenommen. In ihnen steckt zum Beispiel das zeitversetzte Schauen des selben Abends, jedoch noch nichts von der Mediatheken-Nutzung.

Lesbische Liebesgeschichte steht im Zentrum

Die Miniserie "Eldorado KaDeWe" dreht sich in weiten Teilen um eine lesbische Liebesgeschichte und auch um die Geschichte des Berliner Kaufhaus des Westens. Sie polarisiert das Publikum vor allem aus technischen Gründen, über wenige Fernsehproduktionen gingen die Meinungen in den letzten Jahren derart auseinander: Viele zeigten sich verwirrt oder sogar verärgert, weil die in den 1920er Jahren angesiedelte Serie im Hintergrund auch vieles aus den 2020ern durchgehen lässt – also heutige Autos, Baukräne, Graffiti, Werbung, modern gekleidete Leute.

Die Regisseurin Julia von Heinz ("Und morgen die ganze Welt", "Ich bin dann mal weg") erläuterte, das sei keine schlampige Arbeit, sondern Absicht. Zu Beschwerden über den zu DDR-Zeiten gebauten Berliner Fernsehturm schrieb sie zum Beispiel bei Facebook, der Turm sei sogar extra ins Bild digital eingesetzt worden, denn in der Szene stünden die vier Protagonisten eigentlich auf einem Dach in Budapest.

"Ich wollte dem Berlin der 1920er visuell möglichst nah kommen", schrieb von Heinz (45). "Das war eine laute tosende Großstadt voller Verkehr, Busse und Hochbahn. Das heutige Berlin ist dem viel ähnlicher als jede Kulisse in Babelsberg. Ich wollte eine visuelle Brücke ins Jetzt schlagen, da viele Themen uns bis heute beschäftigen." Doch viele von Computersimulationen verwöhnte (oder verzogene) Zuschauer*innen zeigten sich in sozialen Medien geradezu sauer wegen dieses Ansatzes bei der Ausstattung. (cw/dpa)

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#1 JensausbAnonym
  • 12.01.2022, 08:04h
  • Hätte sie das aufgrund von den behaupteten Authensitätsgründen vor Ort gedreht ok.
    Aber: Das heutige Berlin ist dem viel ähnlicher als jede Kulisse in Babelsbergsagt sie, aber dreht in Budapest und fügt gegenwärtige Bauwerke aus Berlin künstlich hinzu.
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#2 AzraelaAnonym
  • 12.01.2022, 08:18h
  • Ich habe die erste Folge zufällig auf dem Ersten gesehen und konnte nicht fassen, dass solche Szenen im ÖR ausgestrahlt werden und noch dazu um 20:15 Uhr. Wir haben uns dann am nächsten Tag in Ruhe die gesamte Staffel angesehen. Persönlich fand ich diesen Morphismus aus Alt und Neu klasse. Eine reine 20er Jahre Serie wie bspw. Downton Abbey hätte mir hier keine Freude bereitet. Ich lebe aber auch auf dem Lande und nicht in Berlin. Vielleicht ist das auch ein Grund.
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#3 DreddAnonym
  • 12.01.2022, 09:23h
  • Antwort auf #1 von Jensausb
  • Ach, es soll ja keine historisch korrekte Nacherzählung sein, die Kulisse soll dem Zuschauer einen Rahmen geben innerhalb welchen Strukturen die Macher ihre Geschichten erzählen wollen, da seh ich im fiktionalen Bereich überhaupt kein Problem - die Serie soll ja in erster Linie unterhalten !
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#4 Lucas3898Anonym
  • 12.01.2022, 14:15h
  • Ich hatte es live im TV gesehen und war auch erst irritiert von den modernen Außen-Aufnahmen.
    Aber irgendwann war dann klar, dass es künstlerische Absicht sein musste und kein Fehler, so oft wie es vorkam.

    Die Darstellung des Antisemitismus vor der Machtergreifung der Nazis fand ich schon recht realistisch. Da wäre ich damals wohl eher abgehauen mit dem heutigen Geschichtsbewusstsein.
    Krass fand ich die Szenen mit der Konversionstherapie, die eher als Folter zu beschreiben sind.

    Wobei dann die Selbsterkenntnis von Fritzi "Ich bin nicht krank, nur lesbisch" die coolste Szene war.
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#5 RuntAnonym
  • 12.01.2022, 16:16h
  • Ich fand den Ansatz interessant, die Wurzeln des modernen Feminismus, der queeren Bewegung und die Geschichte von Minderheiten in einem Historienfilm deutlich zu machen und gleichzeitig zu zeigen, was sich daraus entwickelt hat. So überzogen und unrealistisch z.B. das Eldorado gezeigt wurde (als eine Art Berghain), war es auch wichtig, dass die Anachronismen drin waren, denn über weite Strecken ging es eher um das Lebensgefühl von heute, als um das von damals.

    Zum Schluss hat mich der Film dann aber enttäuscht, weil einfach zu viele Klischees bedient und aufeinander gehäuft wurden, wer gut und böse, sympathisch und unsympathisch sein sollte, war holzschnittartig klar, so dass die Charaktere sehr eindimensional und sehr vorhersehbar wurden. Und nach dem schwungvoll inszenierten Rausch der frühen 20er Jahre wurden die Beziehungen immer oberflächlicher und konstruierter dargestellt. Schade, denn die Schauspieler*innen waren allesamt sehr gut und waren bemüht, den Figuren Tiefe, Ecken und Kanten zu geben.

    Ich vermute, eigentlich wollte die Regisseurin eine feministisch-lesbische Geschichte aus dem Umfeld der Lasker-Schüler erzählen. Die KDW-Story erschien mir eher vorgeschoben. (War wahrscheinlich eine Vorgabe des Senders, weil die großen Häuser der 20er Jahren offensichtlich Quote bringen.
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