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Ex-Fußballstar packt aus

Patrice Evra: "Pro Verein gibt es mindestens zwei Spieler, die schwul sind"

Der langjährige Fußballprofi berichtet von der homophoben Atmosphäre in der Premier League, die ein Coming-out schwuler Spieler verhindere. Dabei fiel er in der Vergangenheit selbst durch Homophobie auf.


Patrice Evra spielte acht Jahre lang für den englischen Spitzenverein Manchester United

  • 13. Januar 2022, 14:37h, noch kein Kommentar

Der 81-fache französische Nationalspieler Patrice Evra hat am Dienstag in einem Interview mit "Le Parisien" erklärt, dass er viele schwule Spieler im Profifußball getroffen habe. "Pro Verein gibt es mindestens zwei Spieler, die schwul sind", erklärte der 41-jährige ehemalige Außenverteidiger. Die schwulen Profis hätten sich aber nicht getraut, sich zu outen, denn: "Wenn du in der Welt des Fußballs sagst, dass du schwul bist, ist Schluss." Anlass für das Interview ist die Veröffentlichung seiner Autobiografie "I Love This Game" als französischsprachiges Taschenbuch.

Evra erklärte außerdem, ihm hätten sich immer wieder Mitspieler anvertraut, die ihre sexuelle Orientierung dem Rest des Teams lieber verheimlichen wollten. Viele Fußballer seien nämlich homophob. Als Beispiel nannte er ein Vorkommnis in seiner Zeit bei einem englischen Verein: "Damals hat einer im Club mit der Mannschaft über Homosexualität gesprochen", erinnerte sich Evra. "Einige meiner Kollegen sagten: 'Das ist gegen meine Religion. Wenn ein Homosexueller in der Umkleidekabine ist, verlasse ich den Verein.'" Evra habe seinen Ohren nicht trauen können: "Da habe ich gesagt: 'Haltet die Klappe'", erinnerte er sich.


Evras Autobiografie ist bislang auf Französisch und Englisch erschienen

Von 2006 bis 2014 spielte Evra für den englischen Spitzenverein Manchester United und 2018 für West Ham United. Dazwischen war er unter anderem auch für OGC Nizza, den AS Monaco, Juventus Turin und Olympique Marseille aktiv. Er lief außerdem 81 Mal für die französische Nationalmannschaft auf, auch bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014. Vor knapp drei Jahren beendete er seine Profkarriere.

Evra selbst hat in der Vergangenheit auch mit Homophobie gespielt: 2018 war er kritisiert worden, weil er in einem Video die Spieler des französischen Spitzenvereins Paris Saint-Germain als "pédé" beschimpft hatte – das Wort ist eine Abkürzung für Päderast, was in Frankreich in den meisten Fällen als abwertender Begriff für schwule Männer genutzt wird (queer.de berichtete). Nach Kritik erklärte Evra, dass er nicht homophob sei, nur weil er das meist gegen Schwule gerichtete Schimpfwort verwende. Er fügte damals aber auch an: "Falls ich irgendjemanden beleidigt habe, entschuldige ich mich" (queer.de berichtete).

In der englischen Premier League hat sich mit Justin Fashanu bislang nur ein einziger Profi als schwul geoutet – das ist bereits mehr als 30 Jahre her. Für Fashanu hatte das Coming-out schlimme Konsequenzen: Er musste sich ständig homophobe Sprechchöre anhören und wurde von der Boulevardpresse niedergeschrieben. 1998 nahm er sich das Leben, nachdem er beschuldigt worden war, sich in den USA an einem 17-jährigen Jugendlichen vergangenen zu haben – die Vorwürfe konnten nie bewiesen werden.

Derzeit ist der Australier Josh Cavallo von Adelaide United der einzige offen schwule Spieler in einer ersten Profi-Liga. Der 22-Jährige hatte sich erst im Oktober geoutet (queer.de berichtete). Er erhielt zwar viel Unterstützung, auch von seinem Verein, musste aber auch viel Homophobie über sich ergehen lassen. Zuletzt leitete sein Verein rechtliche Schritte ein, nachdem Morddrohungen gegen den Spieler eingegangen waren (queer.de berichtete). (dk)

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