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Polen

Katholische Kirche: Macht es einem schwulen Kind Spaß, vergewaltigt zu werden?

In polnischen Gerichtsverfahren offenbart die katholische Kirche, wie sehr sie sexuelle Minderheiten verachtet. Nach Kritik rudern die Bischöfe ein wenig zurück.


Roman Pindel, der Bischof von Bielsko-Żywiec, glaubt wohl, dass Schwule als Kinder gerne Gewalt erfahren (Bild: Diecezja Bielsko-Żywiecka / wikipedia)

Das südpolnische Bistum Bielsko-Żywiec hat in einem Gerichtsverfahren darüber spekuliert, ob einem zwölfjährigen Jungen sexueller Missbrauch "Befriedigung" bringe, wenn dieser Junge schwul sei. Nachdem Medien über ein entsprechendes Dokument berichtet hatten, entschuldigte sich das Bistum für die Aussage und erklärte, man werde diese Theorie im Prozess nicht weiterverfolgen.

Konkret ging es um die Klage des 48-jährigen Janusz Szymik, der angab, im Alter von zwölf Jahren von einem Priester mehrfach vergewaltigt worden zu sein. Der Täter wurde 2015 vom Vatikan für schuldig erklärt. Szymik strengte danach eine Zivilklage gegen die Kirche an und beantragte ein Schmerzensgeld in Höhe von drei Millionen Zloty (660.000 Euro).

Die Kirche reagierte mit einem Gegenangriff: Sie verlangte vom Gericht festzustellen, ob der Kläger schwul sei und ob er deshalb durch den Missbrauch sexuelle Befriedigung empfunden habe. Zudem mutmaßte das Bistum, der Kläger habe wohl "freiwillig" an den sexuellen Handlungen teilgenommen.

Twitter / sz_piegza | Mehrere Medien berichteten über die schockierende Argumentationslinie der Kirche
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Anwalt Artur Nowak kritisierte die Strategie der Kirche scharf: "Auf die sexuelle Orientierung von Janusz anzuspielen hat nur ein Ziel: ihn zu blamieren." Er frage sich, was in den Köpfen mancher Kirchenleute vorgehe, wenn sie einen traumatisierten Menschen erneut traumatisierten.

Auch der Kläger zeigte sich überrascht über die Strategie von Bischof Roman Pindel: "Vorher hatte er Schmerz und Bedauern geäußert und mich um Vergebung gebeten, jetzt will er beweisen, dass ich homosexuell bin", so Szymik gegenüber dem Nachrichtensender TVN24.

Nach Kritik, auch von anderen Bischöfen, erklärte das Bistum in einer Stellungnahme am Mittwoch, dass es nicht mehr die sexuelle Orientierung des Klägers zum Thema machen werde. "Es muss klar sein, dass ein Kind nie Verantwortung für Gewalt, das gegen es verübt wird, trägt", so ein Sprecher des Bistums.

"Verletzung der Gefühle von Gläubigen"

Die katholische Kirche in Polen gehört zu den LGBTI-feindlichsten Kirchen in Europa. Sie zeigt sich auch lautstark bei anderen Gerichtsverfahren. So verurteilte Bischof Piotr Libera etwa am Donnerstag die Entscheidung eines Bezirksgerichts der Stadt Plock, weil es im Prozess um die Regenbogen-Madonna eine Berufung gegen ein Urteil aus dem März 2021 zurückgewiesen hatte. Das Gericht hatte drei LGBTI-Aktivistinnen vom Vorwurf freigesprochen, mit einem Regenbogen-Madonna-Bild religiöse Gefühle verletzt zu haben. Libera erklärte nun: "Das ist für mich unverständlich. Meiner Meinung nach bedeutet es die Zustimmung zur Entweihung religiöser Symbole und zur Verletzung der Gefühle von Gläubigen."

Schwulen und Lesben spricht die polnische Kirche sogar die Daseinsberechtigung ab: So erklärte die nationale Bischofskonferenz 2020 Homosexualität für "schädlich" und erklärte, Schwule und Lesben sollten "geheilt" werden (queer.de berichtete). (dk)



#1 JSHHAnonym
  • 14.01.2022, 11:25h
  • Da zeigt sich wieder die Menschenverachtung der Katholischen Kirche - insbesondere in Polen.

    Ekelhafte Selbstgerechtigkeit einer kriminellen Klique - selbstherrlich und egoistisch. Das Wohl der Institution steht über der Unversehrtheit von Menschen.

    Kindesmissbrauch passiert vornehmlich in der Katholischen Kirche - nicht in den Regenbogen-Familien !
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#2 tobiasProfil
  • 14.01.2022, 11:56hbremerhaven
  • Lieber Gott!
    Ich würd´ mal sagen, dein Bodenpersonal hat schon wieder verkackt!
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#3 Lucas3898Anonym
  • 14.01.2022, 12:09h
  • Was ist das denn bitte für eine absurde Argumentation der Kirche?

    Bei Mädchen oder Frauen kommt bei Vergewaltigung durch einen heterosexuellen Cis-Mann doch auch keiner auf die Idee so eine Frage zu stellen.

    Und selbst wenn der betroffene Schwul sein sollte, gilt auch da der Grundsatz "Nein, heißt nein" und Vergewaltigung ist strafbar.
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#4 marcocharlottenburgAnonym
  • 14.01.2022, 13:49h
  • Antwort auf #3 von Lucas3898
  • Die Argumentation der Kirche natürlich nen Satz mit X, aber zu deinem Einwand muss man leider feststellen, dass Frauen bisweilen immer noch zum Vorwurf gemacht wird, eine Vergewaltigung durch Kleidung, Auftreten provoziert zu haben.
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#5 LothiAnonym
  • 14.01.2022, 14:27h
  • Ach schon wieder solch vollkommen abstruse Meldung aus Polen. Was erwarten wir denn von dieser religiösen Missbrauch Vereinigung, die sich untereinander sogar noch decken. Erst jetzt tauchen vermehrt immer mehr schwerwiegende Vorwürfe über Missbrauch auf. Wo bleibt z.B. hier die Nachricht aktuell aus Bayern? Wo ein Pfaffe von oben gegen Kindesmissbrauch über Jahre weiterhin in Amt und Würde bleibt. Nur in andere Einrichtungen versetzt wurde und weiterhin mit Kindern in Berührung kommt. Durch Veröffentlichungen über seine Person wird jetzt endlich gegen ihn was unternommen. Mich kotzt das alles dermaßen nur noch an. An Scheinheiligkeit u.Verlogenheit einfach nicht zu überbieten.
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#6 Roman BolligerAnonym
#7 FliegenAnonym
  • 14.01.2022, 15:14h
  • ...www.kirchenaustritt.de!!! DA WACHEN DIE HEEREN ERST AUF WENN TAUSENDE AUSTRETEN!!!
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#8 TomekAnonym
  • 14.01.2022, 15:18h
  • "man werde diese Theorie im Prozess nicht weiterverfolgen"

    Hauptsache, man hat das Narrativ gestreut, denn dann wird es von den Schafen der eigenen Herde sicher nachgeblökt werden.

    Des Weiteren ist Vorsicht geboten: Diese christliche Argumentation kann u. U die Einleitung sein zu behaupten, die Vergewaltigungsopfer hätten die Priestertäter verführt.

    Da der Vatikan-Konzern global agiert, gilt natürlich auch hier:
    www.kirchenaustritt.de
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#9 SebiAnonym
  • 14.01.2022, 15:46h
  • "Die Kirche reagierte mit einem Gegenangriff: Sie verlangte vom Gericht festzustellen, ob der Kläger schwul sei und ob er deshalb durch den Missbrauch sexuelle Befriedigung empfunden habe."

    Was für ein perverser Verein.

    Die Schuld eines Priesters wurde nachgewiesen und dann fragt die Kirche ernsthaft, ob die Vergewaltigung dem Opfer vielleicht sogar Spaß gemacht haben könnte.

    Noch menschenverachtender und zynischer geht es wohl nicht...

    Die Kirche wird sich niemals ändern...
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#10 SchleicheRAnonym
  • 14.01.2022, 16:03h
  • Ich finde für diesen Vorgang einfach keine richtigen Worte. Mir blieb beim Lesen nur der Mund offen stehen und es lief mir eiskalt den Rücken runter.
    Was in diesen Köpfen da vor sich geht ist einfach unglaublich und so extrem frei von jeglicher Würde.
    ... man man man...
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