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"Keine einfache Sachbeschädigung"

Queerfeindlicher Vandalismus auch in Köln

Nicht nur die Mainzer Stele gegen Queerfeindlichkeit wurde verschandelt. Betroffen ist auch das Kölner Mahnmal für die queeren Opfer des Nationalsozialismus.


Das Kölner Mahnmal für die queeren Opfer des Nationalsozialismus mit Parolen und Symbolen beschmiert und verschandelt (Bild: Zauberflöten)

Unbekannte Personen haben das Kölner Mahnmal für die queeren Opfer des Nationalsozialismus mit Parolen und Symbolen beschmiert und verschandelt. Darüber informierten am Freitagabend das Queere Netzwerk NRW und der schwule Chor Zauberflöten. Erst am Donnerstag war die Mainzer Stele gegen Queerfeindlichkeit mit zwei Hakenkreuzen verunstaltet worden (queer.de berichtete).

Das Kölner Mahnmal besteht seit 1995 in Form eines rosa Winkels, das in unmittelbarer Nähe zur Hohenzollernbrücke an diejenigen Mitglieder der queeren Communitys erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus kriminalisiert, verfolgt und getötet wurden. Gleichzeitig steht das Mahnmal in seiner Wiederaneignung des Symbols für Stärke und Überlebenskraft queerer Menschen. Aufgrund der Schmierereien am Mahnmal wurde bereits Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Die Stadtverwaltung ist über den Vandalismus informiert und sagte eine zeitnahe Reinigung des Gedenksteins zu.

"Das ist ein Zeichen von Queerfeindlichkeit"

"Wir sind schockiert über die Schändung", erklärte Thiemo Burghof-Parkin, erster Vorsitzender der Zauberflöten. In ihrer Rolle als Paten sorgen die Mitglieder des schwulen Chors für Pflege und würdevollen Umgang mit dem Gedenkstein und dokumentierten die Beschädigung. Einen Ort mit so hoher emotionaler Bedeutung zu verschandeln, sei "mehr als bloße Sachbeschädigung", so Burghof-Parkin. "Das ist ein Zeichen von Queerfeindlichkeit. Es zeugt von einer menschenfeindlichen Haltung, in der Minderheiten und vermeintlichen Randgruppen der Respekt abgesprochen und ihre historische Verfolgung verharmlost wird."


Das Mahnmal 2017 bei einer Kundgebung zur Rehabilitierung verfolgter Personen nach §175 (Bild: nb)

Gemeinsam mit den Paten des Mahnmals fordert das Queere Netzwerk NRW eine klare Haltung gegen derartige Einstellungen. "Diskriminierung und Hass dürfen in unserer Gesellschaft nirgends akzeptabel sein. Nicht als sprachliche Anfeindung, nicht als Sachbeschädigung und nicht in Form von körperlicher Gewalt", bekräftigte Lilith Raza, Vorstandsmitglied des Queeren Netzwerks. Stattdessen sei es wichtig, sich mit den Opfern von Diskriminierung und Gewalt solidarisch zu zeigen, ihre Communitys zu stärken und aktiv gegen Diskriminierung einzutreten.

Konsequente Antidiskriminierungspolitik gefordert

Der Vorfall zeige auch, wie wichtig es sei, an die Verfolgung und Kriminalisierung queerer Menschen zu erinnern, ergänzte Neo Argiropoulos, ebenfalls Mitglied im Vorstand des Queeren Netzwerks. "Diese Geschichte wirkt fort, und queerfeindliches Gedankengut ist alles andere als ein Relikt der Vergangenheit. Wir fordern darum konsequente Antidiskriminierungspolitik auf allen Ebenen, auch und insbesondere im Grundgesetz, in dem der Schutz queerer Menschen noch immer nicht verankert ist."


(Bild: Zauberflöten)

In einer Pressemitteilung zeigte sich auch die NRWSPDqueer entsetzt über den Vorfall. "Wer zum feigen Vandalismus greift, der greift unsere offene und vielfältige Gesellschaft an", erklärte der Landesvorsitzende Fabian Spies. "Die Schmierereien und Beschädigungen stehen für geschichtsvergessene Verharmlosung queerfeindlicher Verfolgung und für eine menschenfeindliche Ideologie."

Gedenkveranstaltung am 27. Januar

Um das Andenken an die queeren Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten, findet am Kölner Mahnmal jährlich anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar eine Gedenkveranstaltung statt. Gastgeber*innen sind die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW, der Lesben- und Schwulenverband NRW, das Netzwerk Geschlechtliche Vielfalt Trans* NRW und das Queere Netzwerk NRW sowie die Arcus-Stiftung. Um den Pandemie-Bedingungen gerecht zu werden, wird kurzfristig bekannt gegeben, ob die Veranstaltung in diesem Jahr um 17 Uhr online, hybrid oder in Präsenz stattfinden kann. (cw)



#1 AtreusProfil
  • 15.01.2022, 08:02hSÜW
  • Der Polemiker in mir würde schreiben, wie soll sich die Polizei auch damit befassen und um Aufklärung und Prävention kümmern, wenn sie seit zwei Jahren ihre ganz Kraft aufwendet, um den Demonstrationen aus Antisemiten, Neonazis, Verschwörungsmystikern, Holocausrelativieren und Imofsternträgern einen unbehelligten Hasszug durch die deutschen Innenstädte zu ermöglichen und dieselben neuerlich als Spaziergänger zu verharmlosen?

    Der Rest des Hoffenden in mir würde schreiben, dass er langsam die Lust verliert, diese Attacken als Einzelfälle vor Ort und Ausdruck einer kleinen, radikalen Minderheit anzuerkennen und ihm der Glaube zunehmend abhanden kommt, dass der weltweite Backlash nur ein Hirngespinst und die Übertreibung seines Schulternachbarn, des Pessimisten ist.

    Der Pessimist in mir zitiert zur Andacht an den Hoffenden gewandt die Worte von Miss Sloane: Als zynisch bezeichnen Zwangsoptimisten die Absenz jener Naivität, die sie selbst so eifrig zur Schau stellen.
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#2 HaupstadtloverAnonym
  • 15.01.2022, 10:11h
  • Schlimm kann man da nur sagen! Und sowas im Jahr 2022. Die Menschen sind keineswegs aufgeklärt, sondern leben häufig in ihren radikalen Blasen.

    Wenn das im Osten passiert wäre, würde es sicher wieder pauschal gegen den ganzen Osten ausgeschlachtet werden und natürlich sämtliche Ossis - mal nur so nebenbei.
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#3 der korrekteAnonym
  • 15.01.2022, 10:46h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • ich stimme dir (fast) vollkommen zu,
    ausser, dass ich Verschwörungsmystiker/theoretiker*innen alle als insgesamt homophob einschätzen würde.

    paar von denen sind einfach nur naiv blöd,
    aber paar von denen sind homos gegenüber ganz freundlich gesinnt.

    hörte noch niemanden von denen sagen,
    "die homos regieren heimlich die welt"

    daher finde ich (nur bei diesem punkt) sollte man (nur ein bisschen) mehr diferenzieren.

    [:
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#4 WarnokAnonym
  • 15.01.2022, 11:52h
  • ich war zwar noch nie dort, aber das Mahnmal sieht ja aus wie ein Schreibpult.
    Diese Form ist ja geradezu eine Einladung für Schüler, darauf herumzukritzeln.
    Wenn ich in einer gelangweilten Stimmung ein leeres Blatt Papier sehe, kann ich oft auch nicht anders als darauf herumzumalen.
    Ich will die Beschädigung nicht verharmlosen, aber ich kann diese Schmierereien soweit ich auf den Bildern erkennen kann nicht unbedingt überwiegend als homofeindlich erkennen.

    Die Form des Mahnmals scheint mir nicht gerade durchdacht zu sein.
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#5 Why notAnonym
  • 15.01.2022, 13:11h
  • Antwort auf #3 von der korrekte
  • Genau diesen Vorwurf musste ich mir schon anhören - Zitat:
    "Ihr LGBTAQYFuck seit doch alle Teil der linksgrünen Corona Verschwörung..." - den Rest will ich hier nicht wiedergeben.
    Meine Erfahrung ist das genaue gegenteil da wird in weiten Teilen Ungarns Politik gefeiert - weil es ja etwas gegen die "Homopropaganda" und "Pedobewegung" sowie gegen das "Gendergaga" unternimmt.
    Alle "" sind als Zitate zu verstehen.

    Ich empfinde die Querdenker und Verschwörungsszene als eine der größten Bedrohungen für LGBTIQ* in Deutschland.
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#6 Lucas3898Anonym
#7 Carsten ACAnonym
  • 15.01.2022, 14:04h
  • Selbst in ehemaligen LGBTI-Hochburgen wie Berlin und Köln wird die Lage immer schlimmer und die Faschos trauen sich immer mehr...

    Was muss noch alles passieren, ehe die Politik endlich aufwacht und mit ganzer Macht gegensteuert.

    Solche Verbrechen müssen viel härter bestraft werden, denn sie sind die Vorstufe zu Gewalt gegen Menschen.
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#8 Why notAnonym
  • 15.01.2022, 14:05h
  • Antwort auf #6 von Lucas3898
  • Ich sehe das etwas komplexer:
    Ja natürlich sind dort rechtsextreme jene wo den Ton angeben - es beteiligen sich aber auch viele Wutbürger.
    Letzteren ist Ideologie im Sinn von Neonazimus eher egal und genau da liegt das Problem.
    Denn der Hass und der Glaube an Verschwörungen macht sie zu willigen Mitläufern.
    Der PEGIDA Vergleich ist absolut zutreffend - jedoch eher der Zeitpunkt wo Pegida zulauf im Bereich +10.000 - 20.000 Personen hatte.
    Auch damals waren viele dieser Personen schlichtweg Mitläufer welche bereit waren übelsten Rassismus und Antisemitismus zu unterstützen - bis hin zu Brandanschlägen uvm.

    Auch damals wurde der Fehler seitens der Politik begangen mit jenen zu reden - sie also anzuerkennen.
    Und weite Teile der Bevölkerung meinten schlichtweg das eine Demokratie dies eben aushalten müsse.
    Dies ist leider auch wieder zu beobachten.

    Mir ist es unverständlich wie Bürger (u. Regierung) es doch immer wieder so einfach rechtfertigen das solche Gruppierungen offen zu Straftaten aufrufen und diese gar ausführen.
    Meiner Meinung nach ist diese tolerierung nichts anderes als eine Form von Strafvereitelung bzw. absolut Demokratie schädlich.
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#9 KaiJAnonym
  • 15.01.2022, 14:54h
  • Antwort auf #8 von Why not
  • Die "Querdenker Demos" sind demokratiefeindlich. Sie missachten das oberste in der Würde und Freiheit enthaltene Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Ich verweise auch gern' auf meinen # im vorigen Forum.
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