https://queer.de/?40916
Ungarn
Orbán bringt Homosexualität und Kindesmissbrauch in Zusammenhang
Der ungarische Regierungschef verteidigt sein queerfeindliches Referendum im April: Schwule und Lesben könnten eine pauschale Gefahr für Kinder darstellen.

Viktor Orbán holt den alten konservativen Gassenhauer vom schwulen Kinderschänder wieder hervor (Bild: European People's Party / wikipedia)
- 17. Januar 2022, 11:03h 3 Min.
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat das von seiner Regierung für Anfang April angesetzte LGBTI-feindliche Referendum damit verteidigt, dass Homosexualität und sexueller Missbrauch von Kindern möglicherweise in Zusammenhang stehen würden. Im staatlichen Hörfunksender Kossuth Rádió sagte der 58-Jährige am Freitag, es gebe eine "große Debatte" darüber, ob Homosexualität zu Pädophilie führe.
Weiter erklärte der Fidesz-Politiker laut ungarischen Medienberichten, dass Eltern entscheiden müssten, wie ihre Kinder "in die komplexe Welt der Sexualität" eingeführt werden würden. Moderatorin Katalin Nagy behauptete, dass "Propaganda schon viele Schulen infiltriert" habe – so habe ein "Transvestit" unterrichtet. Darauf reagierte Orbán mit den Worten, dass die deutschen Behörden "ein Pädophilennetzwerk mit hunderten Menschen" zu Fall gebracht hätten – offenbar bezog er sich dabei auf den Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach. Es sei gut, dass es auch vermehrt Tendenzen gebe, Kinder zu schützen, so Orbán.
Das Referendum soll am 3. April parallel zu den Parlamentswahlen stattfinden. Darin werden auch vier Fragen zu LGBTI gestellt, die als Suggestivfragen kritisiert worden waren. Eine davon lautet etwa: "Unterstützen sie, dass minderjährige Kinder uneingeschränkt eindeutig sexuellen Medieninhalten ausgesetzt sind, die ihre Entwicklung beeinflussen?" Mit dem Referendum will sich Orbán unter anderem sein im letzten Juni beschlossenes "Homo-Propaganda"-Gesetz nachträglich absgegnen lassen, das Darstellung von queeren Menschen in den Medien und der Öffentlichkeit stark einschränkt und teilweise untersagt.
Wahltaktisches Manöver
Politikwissenschaftler*innen glauben zudem, dass er mit dem Referendum mehr seiner Anhänger*innen an die Wahlurnen locken will. Die Wahl könnte dieses Mal recht knapp werden, da sich die Opposition unter Spitzenkandidat Péter Márki-Zay gegen Orbán vereinigt hat. Ein historisches Vorbild für eine auf Homophobie setzende Taktik ist George W. Bushs Wahlkampf im Jahr 2004: Damals organisierten die Republikaner in rund einem Dutzend Bundesstaaten Volksentscheide gegen die Ehe für alle, um homophobe Wähler*innen an die Urnen zu locken. Bush konnte die Präsidentschaftswahl damals gegen seinen demokratischen Kontrahenten John Kerry mit 51 zu 48 Prozent gewinnen.
Hungary, Real PR 93 poll: Fidesz/KDNP-NI|EPP: 54% (-1) EM-S&D|RE|G/EFA|NI: 45% (+1) +/- vs. 9-11 November 2021 Fieldwork: 21-23 December 2021 Sample size: 1,000 ? https://europeelects.eu/hungary
Posted by Europe Elects on Tuesday, January 4, 2022
|
Aus der Opposition gab es Kritik an den neuen LGBTI-feindlichen Äußerungen Orbáns. Der Parlamentsabgeordnete Péter Ungár von den Grünen kritisierte den "gehässigen und verlogenen Satz" des langjährigen Regierungschefs. Er rief Orbán auf, endlich zuzugeben, dass es bei dem Referendum nicht um "Kinderschutz", sondern um Homophobie gehe.
Orbán Viktor ma a Kossuth Rádióban a következ?t mondta: ?a homoszexualitás is jelen van a világban aztán, hogy ez...
Posted by Ungár Péter on Friday, January 14, 2022
|
Kritik kommt auch von der Bürgerrechtsorganisation NTRTEA: Gleichgeschlechtliche Liebe sei keine Einstiegsdroge für Pädophilie, argumentierte die Organisation auf Facebook. "Es gibt keine solche Debatte", hieß es weiter. "Außer vielleicht in Kneipen oder weil in letzter Zeit Mythen durch politische Propaganda erschaffen worden sind."
Sajnálatos, ha ez bárhol felmerül, mint vita tárgya. Az azonos nem?ek közötti vonzalom ugyanis nem "vezet el" a...
Posted by Nem tehetsz róla, tehetsz ellene on Friday, January 14, 2022
|
In der deutschen Politik gibt es auch teilweise Unterstützung für die Linie Ungarns. So preist die AfD die ungarische Politik gegenüber queeren Menschen als vorbildlich an. Auf Facebook verbreitete die Partei auf Facebook etwa den Slogan: "Vorbild Ungarn: Heimatliebe statt Pimmel-Puppen in Kindergärten". Unterstützung für das queerfeindliche Referendum kommt auch vom FDP-Politiker Gerhard Papke (queer.de berichtete). (dk)
















Und wenn man versucht, dem cis-hetero-Umfeld diesen Zusammenhang zu erklären, wird man angeguckt, als käme man vom Mars...
Frustrierend.