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Ungarn

Orbán bringt Homosexualität und Kindesmissbrauch in Zusammenhang

Der ungarische Regierungschef verteidigt sein queerfeindliches Referendum im April: Schwule und Lesben könnten eine pauschale Gefahr für Kinder darstellen.


Viktor Orbán holt den alten konservativen Gassenhauer vom schwulen Kinderschänder wieder hervor (Bild: European People's Party / wikipedia)

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat das von seiner Regierung für Anfang April angesetzte LGBTI-feindliche Referendum damit verteidigt, dass Homosexualität und sexueller Missbrauch von Kindern möglicherweise in Zusammenhang stehen würden. Im staatlichen Hörfunksender Kossuth Rádió sagte der 58-Jährige am Freitag, es gebe eine "große Debatte" darüber, ob Homosexualität zu Pädophilie führe.

Weiter erklärte der Fidesz-Politiker laut ungarischen Medienberichten, dass Eltern entscheiden müssten, wie ihre Kinder "in die komplexe Welt der Sexualität" eingeführt werden würden. Moderatorin Katalin Nagy behauptete, dass "Propaganda schon viele Schulen infiltriert" habe – so habe ein "Transvestit" unterrichtet. Darauf reagierte Orbán mit den Worten, dass die deutschen Behörden "ein Pädophilennetzwerk mit hunderten Menschen" zu Fall gebracht hätten – offenbar bezog er sich dabei auf den Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach. Es sei gut, dass es auch vermehrt Tendenzen gebe, Kinder zu schützen, so Orbán.

Das Referendum soll am 3. April parallel zu den Parlamentswahlen stattfinden. Darin werden auch vier Fragen zu LGBTI gestellt, die als Suggestivfragen kritisiert worden waren. Eine davon lautet etwa: "Unterstützen sie, dass minderjährige Kinder uneingeschränkt eindeutig sexuellen Medieninhalten ausgesetzt sind, die ihre Entwicklung beeinflussen?" Mit dem Referendum will sich Orbán unter anderem sein im letzten Juni beschlossenes "Homo-Propaganda"-Gesetz nachträglich absgegnen lassen, das Darstellung von queeren Menschen in den Medien und der Öffentlichkeit stark einschränkt und teilweise untersagt.

Wahltaktisches Manöver

Politikwissenschaftler*innen glauben zudem, dass er mit dem Referendum mehr seiner Anhänger*innen an die Wahlurnen locken will. Die Wahl könnte dieses Mal recht knapp werden, da sich die Opposition unter Spitzenkandidat Péter Márki-Zay gegen Orbán vereinigt hat. Ein historisches Vorbild für eine auf Homophobie setzende Taktik ist George W. Bushs Wahlkampf im Jahr 2004: Damals organisierten die Republikaner in rund einem Dutzend Bundesstaaten Volksentscheide gegen die Ehe für alle, um homophobe Wähler*innen an die Urnen zu locken. Bush konnte die Präsidentschaftswahl damals gegen seinen demokratischen Kontrahenten John Kerry mit 51 zu 48 Prozent gewinnen.

Hungary, Real PR 93 poll: Fidesz/KDNP-NI|EPP: 54% (-1) EM-S&D|RE|G/EFA|NI: 45% (+1) +/- vs. 9-11 November 2021 Fieldwork: 21-23 December 2021 Sample size: 1,000 ? https://europeelects.eu/hungary

Posted by Europe Elects on Tuesday, January 4, 2022
Facebook / Europe Elects | Umfragen zufolge hat Orbán, der auch die Berichterstattung der staatlichen und vieler privater Medien kontrolliert, die Nase vorn
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Aus der Opposition gab es Kritik an den neuen LGBTI-feindlichen Äußerungen Orbáns. Der Parlamentsabgeordnete Péter Ungár von den Grünen kritisierte den "gehässigen und verlogenen Satz" des langjährigen Regierungschefs. Er rief Orbán auf, endlich zuzugeben, dass es bei dem Referendum nicht um "Kinderschutz", sondern um Homophobie gehe.

Orbán Viktor ma a Kossuth Rádióban a következ?t mondta: ?a homoszexualitás is jelen van a világban aztán, hogy ez...

Posted by Ungár Péter on Friday, January 14, 2022
Facebook / Ungár Péter
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Kritik kommt auch von der Bürgerrechtsorganisation NTRTEA: Gleichgeschlechtliche Liebe sei keine Einstiegsdroge für Pädophilie, argumentierte die Organisation auf Facebook. "Es gibt keine solche Debatte", hieß es weiter. "Außer vielleicht in Kneipen oder weil in letzter Zeit Mythen durch politische Propaganda erschaffen worden sind."

Sajnálatos, ha ez bárhol felmerül, mint vita tárgya. Az azonos nem?ek közötti vonzalom ugyanis nem "vezet el" a...

Posted by Nem tehetsz róla, tehetsz ellene on Friday, January 14, 2022
Facebook / Nem tehetsz róla, tehetsz ellene
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In der deutschen Politik gibt es auch teilweise Unterstützung für die Linie Ungarns. So preist die AfD die ungarische Politik gegenüber queeren Menschen als vorbildlich an. Auf Facebook verbreitete die Partei auf Facebook etwa den Slogan: "Vorbild Ungarn: Heimatliebe statt Pimmel-Puppen in Kindergärten". Unterstützung für das queerfeindliche Referendum kommt auch vom FDP-Politiker Gerhard Papke (queer.de berichtete). (dk)



#1 ElimAnonym
  • 17.01.2022, 12:37h
  • Da war er wieder, der erfolgversprechende Ansatz, unter dem Deckmantel des Kinder- und Jugendschutzes die Kinder- und Jugendsuizidrate in die Höhe zu treiben, skrupelloser geht's nimmer.

    Und wenn man versucht, dem cis-hetero-Umfeld diesen Zusammenhang zu erklären, wird man angeguckt, als käme man vom Mars...

    Frustrierend.
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#2 LotiAnonym
  • 17.01.2022, 12:59h
  • Antwort auf #1 von Elim
  • Stimmt. Aber seien wir doch mal ehrlich. Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich samt und sonders schon längst aus solch einem Land weggezogen. Schon der Kinder wegen. Ob Ungarn, Polen oder Russland all diese Ostblockstaaten wollen uns nicht. Na dann eben nicht.
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#3 SebiAnonym
  • 17.01.2022, 14:02h
  • Immer dieselben alten Tricks aus der propagandistischen Mottenkiste, auf die aber offenbar immer noch genug Leute reinfallen...

    Trick 1:
    Willst Du die Leute auf Linie bringen, präsentiere ihnen einen gemeinsamen Feind.

    Trick 2:
    Emotionalisiere sie. Das geht am besten mit Kindern und Tieren.

    Trick 3:
    Wecke diffuse Ängste und ein "ungutes Gefühl". Wenn Ängste erzeugt wurden, braucht man keine Fakten und Argumente mehr.

    Trick 4:
    Spalte die Gesellschaft.

    Trick 5:
    Ignoriere wissenschaftliche Erkenntnisse.
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#4 JHJHAnonym
  • 17.01.2022, 14:30h
  • Nachdem es keine Lebensparnterschaften mit Kindern in Ungarn gibt, nehme ich mal verstärkt an, dass der Kindesmissbrauch in Ungarn in den ach so orthodox-christlichen Hetero-Ehen passiert.
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#5 PlapperlieschenAnonym
  • 17.01.2022, 14:31h
  • Antwort auf #2 von Loti
  • "Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich samt und sonders schon längst aus solch einem Land weggezogen."

    Das plappert sich natürlich leicht daher am relativ gut gedeckten deutschen Sozialstaatskaffeetisch, aber "die Wahl" hat man* ja nicht so ohne Weiteres. Ohne feste und einträgliche Jobzusage kann keiner mal so eben Tausende Kilometer in ein fremdes Land umziehen - und mit Kindern schon gar nicht.
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#6 Julian 80Anonym
  • 17.01.2022, 14:52h
  • Es ist kein Zufall, dass Referendum und Wahl gleichzeitig stattfinden.

    Und alleine schon, wie die Fragen formuliert sind. Natürlich ist jeder für den Schutz von Kindern, wir auch. Aber die Fragen sind so formuliert, als ginge es um ein entweder-oder. Entweder LGBTI-Rechte und -Aufklärung oder Schutz von Kindern. Dabei bedingt das eine das andere.

    So eine Operetten-Abstimmung kann man sich genauso auch sparen. Da kommt genau das raus, was rauskommen soll. Das soll nur eine Schein-Legitimation für menschenverachtende Politik sein.

    Und die EU sieht weiter zu, wie nach Medien und Justiz der demokratische Rechtsstaat und die freiheitlich-demokratische Grundordnung immer weiter ausgehölt werden. Die reden zwar immer viel, dass man dagegen etwas tun müsse, aber offenbar haben sie keine Instrumente, wirklich etwas zu tun. Ein Konstruktionsfehler der EU, den blauäugige Eurokraten verschuldet haben und der irgendwann der EU das Genick brechen könnte, wenn jetzt nichts unternommen wird.
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#7 SakanaAnonym
  • 17.01.2022, 15:06h
  • Antwort auf #6 von Julian 80
  • "Und die EU sieht weiter zu, wie nach Medien und Justiz der demokratische Rechtsstaat und die freiheitlich-demokratische Grundordnung immer weiter ausgehölt werden. Die reden zwar immer viel, dass man dagegen etwas tun müsse, aber offenbar haben sie keine Instrumente, wirklich etwas zu tun. Ein Konstruktionsfehler der EU, den blauäugige Eurokraten verschuldet haben und der irgendwann der EU das Genick brechen könnte, wenn jetzt nichts unternommen wird."

    Ungarn erhält wegen des Gesetzes keine länderspezifischen Auszahlungen aus dem europaweiten Covid Recovery Funds, was Orbán unglaublich auf die Nerven fällt [1], weil die ungarische Wirtschaft abhängig vom EU-Haushalt ist. Die EU hat gerade in der Krise genug Mittel und Wege, um Ungarn und Polen ordentliche Daumenschrauben finanzieller Natur anzulegen und anzuziehen.

    ---
    [1]:
    www.dw.com/en/hungarys-orban-accuses-eu-of-blocking-covid-re
    covery-funds-over-lgbtq-row/a-59209476
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#8 LothiAnonym
  • 17.01.2022, 16:19h
  • Antwort auf #5 von Plapperlieschen
  • Naja, Du nennst es einfach so drauflosplappern. Ich kann Dir hier nur mitteilen was ich machen würde wäre ich jung und in solch einer prekären Situation. Habe es ja selbst mal in den USA probiert. Bin mit nur 80 Dollar in der Tasche losgezogen nach Kalifornien. Im übrigen gibt es in unseren Sozialstaat noch Arbeit die unsereins einfach nicht machen will oder nicht mehr aushält. Beispiel Pflegeberufe. Hier herrscht ein gravierender Mangel an Personal.
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#9 AyidaProfil
  • 17.01.2022, 16:51hHessen
  • Antwort auf #8 von Lothi
  • Das was du beschreibst ist bittere Realität: Junge Frauen (und Männer) kommen in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland und werden schnell enttäuscht. Es ist kein Zufall, dass mehr als die Hälfte der Prostituierten aus Osteuropa stammen. Die unwürdige Situation der EU Gastarbeiter*innen in der Fleischindustrie kam 2020 mit Corona endlich auch mal in die Mainstream Presse. Aber du hast vollkommen Recht, die Drecksarbeit wird von Menschen aus diesen finanziell weniger privilegierten Ländern gemacht, deswegen hat Großbritannien ja jetzt auch so Schwierigkeiten Arbeitskräfte zu finden.
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#10 OlliAnonym
  • 17.01.2022, 17:52h
  • Warum wirft man Länder wie Polen, Ungarn, am besten gleich den ganzen ehemaligen Ostblock nicht aus der EU? Was bringen diese Länder mit, außer Hass, Ressentiments, krude Vorstellungen von Demokratie, jede Menge Korruption und den Hang zur toxischen Männlichkeit?

    Immer schön Geld aus Brüssel kassieren, was dann in dubiosen Kanälen versickert, anstatt, dass es dort hinkommt, wo man die Fördergelder auch braucht. Einfach nur widerlich, was Orban von sich gibt. Und sorry: natürlich sind nicht alle Ungarn, Polen etc. Rassisten. Aber solange die Mehrheit in diesen Ländern ihr Kreuz bei dem Pack macht, haben die mit der europäischen Idee nichts am Hut und sollen von mir aus zurück zu Putin und seinen Gulags. Sie haben es zwar in den 80ern geschafft, sich von Russland zu lösen und eine Demokratie zu etablieren, wenn das aber eben doch nicht gewollt wird: Auf Wiedersehen!
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