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Opfer können auch Schwule sein

40. Geburtstag von Hatun Sürücü: Maneo warnt vor "Ehrenmorden"

Heute würde Hatun Sürücü ihren 40. Geburtstag feiern. Sie war 2005 von ihrem Bruder ermordet worden, weil sie ein freies selbstbestimmtes Leben führen wollte. Auch viele Schwule seien gefährdet, so Maneo.


Hatun Sürücü musste sterben, weil ihre islamistische Familie ihre Unabhängigkeit nicht akzeptieren wollte (Bild: Twitter / Ricarda Lang)
  • 17. Januar 2022, 14:15h, noch kein Kommentar

Anlässlich des 40. Geburtstages von Hatun Sürücü am 17. Januar warnte das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo, dass auch Homosexuelle sogenannte "Ehrenmorde" fürchten müssten. Sürücü war im Februar 2005 in Berlin-Tempelhof von ihrem eigenen Bruder mit drei Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden.

Gemeinsam mit Frauenrechtlerin Seyran Ateş, der Gründerin der LGBTI-freundlichen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, und der Berlin-Neuköllner Integrationsbeauftragten Güner Balci erinnerte Maneo-Leiter Bastian Finke in einem neuen Video an Sürücü. Darin wird beklagt, dass viele Mädchen und Frauen noch immer darunter litten, dass sie kein freies selbstbestimmtes Leben führen können.

Ayman berichtet über Bedrohung in Berlin

Auch jungen queeren Menschen werde dieses Selbstbestimmungsrecht von ihren Familien verwehrt. Immer wieder wendeten sich junge Schwule deshalb an Maneo. Einer von ihnen sei Ayman, erklärte Finke. "Er war 20, als er zu uns kam. Sein Bruder hatte herausgefunden, dass er schwul ist", so der Aktivist.

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Ayman beschrieb seine Situation laut Maneo so: "Als ich spät abends nach dem Sport nach Hause kam, sprach mich meine Mutter an: 'Dein Bruder hat herausgefunden, dass du schwul bist. Er will dich töten.' Meine Mutter brach zusammen – ich ebenfalls. Ich stand unter Schock. Ich muss dazu sagen, dass ich meinem Bruder durchaus zutrauen würde, mir das anzutun. Die Familienehre ist ihm sehr wichtig. Schließlich setzte mir mein Bruder eine Frist, dass ich in sechs Monaten heiraten sollte."

Heute lebe Ayman in einer anderen Stadt. Er sei aber immer noch in Sorge, dass seine Anonymität auffliegen könnte. In einem Flyer (PDF) informiert Maneo darüber, wie sich potenzielle Opfer gegen Zwangsverheiratungen wehren können. "Ehrenmorde" werden oft nicht publik, weil sie als Suizid oder Unfall getarnt werden.

Letztes Jahr gab es den Bericht über einen brutalen "Ehrenmord" im Iran: Der 20-jährige Alireza Fazeli-Monfared soll von seinem Halbbruder und seinen Vettern wegen seiner Homosexualität getötet und laut einigen Medienberichten enthauptet worden sein (queer.de berichtete). (cw)