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26. Januar

Bayerischer Landtag gedenkt homosexueller NS-Opfer

Bei der live im Fernsehen übertragenen Veranstaltung wird eine entsprechende neue Stele im ehemaligen Konzentrationslager Flossenbürg eingeweiht.


Diese von der Nürberger Szene initiierte Gedenkstele wird bei der Veranstaltung eingeweiht (Bild: Bayerischer Landtag, Rolf Poss, Siegsdorf)

Der jährliche Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten steht in diesem Jahr im Zeichen der homosexuellen NS-Opfer. Im Rahmen der Veranstaltung in der Gedenkstätte Flossenbürg am 26. Januar wird die neue Stele zum Gedenken an die homosexuellen Opfer in dem ehemaligen Konzentrationslager durch einen Kranzzug und Kranzniederlegung eingeweiht.

Das Denkmal, eine von Steinmetz Bastian Brauwer gestaltete dreieckige Säule, die nach oben hin zu einem Winkel wird, sollte bereits im Oktober 2020 durch die damalige Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth und Landtagsabgeordnete eingeweiht werden (queer.de berichtete). Die Veranstaltung musste aber aufgrund von Corona abgesagt werden. Auch bei dem Gedenken am 26. Januar sind aufgrund der Pandemie nur geladene Gäste anwesend, sie wird allerdings ab 10.30 Uhr live im BR-Fernsehen übertragen.


Essensausgabe im Steinbruch des KZ Flossenbürg, das vor allem zur Zwangsarbeit von Inhaftierten (unter anderem politische Häftlinge, Kriegsgefangene) genutzt wurde. Durch die Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Gewalt starben mindestens 30.000 der rund 100.000 Gefangenen (Bild: SS-Foto 1942 © Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation)

Im Konzentrationslager Flossenbürg, das circa auf halber Strecke zwischen Nürnberg und Prag lag und fast 90 Außenlager umfasste, wurden zwischen 1938 und 1945 mindestens 379 Männer von der SS als "Homosexuelle" registriert. Nachweislich 95 von ihnen starben im Lager. Sie waren nicht nur gewalttätigen Übergriffen durch die SS ausgesetzt, sondern wurden auch durch andere Insassen bedroht.

Das Denkmal, das im sogenannten "Tal des Todes" errichtet wird, ist bereits seit vielen Jahren ein aktives Anliegen des queeren Zentrums Fliederlich e.V. aus Nürnberg und der LGBTI-Community der Stadt. Der Verein hatte in den letzten Jahren zahlreiche Spenden für die Realisierung gesammelt sowie den Entwurf und die Gestaltung des Denkmals in Auftrag gegeben.

Bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Denkmal für die Männer, die als Homosexuelle im KZ Flossenbürg...

Posted by gaycon.de on Friday, February 28, 2020
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Bastian Brauwer, der Bildhauer und Vorsitzende des CSD Nürnberg, wird bei der Gedenkveranstaltung eine Ansprache halten, unter anderem Michael Glas vom Fliederlich und Uschi Unsinn fungieren als Kranzträger. Eröffnet und abgeschlossen wird das Gedenken musikalisch vom Hornensemble des Symphonieorchesters der Universität Regensburg, zwischendrin singt Luca Fabièn Dotzler "Das lila Lied", die erste Hymne der Homosexuellen-Bewegung aus dem Jahre 1920.

Weitere Gedenkansprachen sind geplant von Karl Freller, dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und als CSU-Politiker erster Vizepräsident des Bayerischen Landtags, sowie von Ilse Aigner (CSU), der Präsidentin des Landtags. Den BR-Kommentar übernimmt Andreas Bachmann.

Der Fliederlich e.V. hatte 2020 bereits mit der Ausstellung "Schwules Leiden im KZ Flossenbürg" den Männern gedacht. Am Nürnberger Magnus-Hirschfeld-Platz erinnert ein steinerner Winkel an die schwulen Opfer und eine Steinkugel an die lesbischen Opfer der NS-Zeit, während eine Tafel die Verfolgung auch in der Nachkriegszeit thematisiert (queer.de berichtete).


Die Ausstellung "Schwules Leiden im KZ Flossenbürg" zeigte unter anderem Grafiken von Richard Grune und Hugo Walleitner, die dort wegen ihrer Homosexualität inhaftiert waren

Im Rahmen der jährlichen Gedenkveranstaltungen von deutschen Parlamenten an NS-Opfer, zeitlich angelehnt an die Befreiung vom KZ Auschwitz am 27. Januar 1945, hatten zuletzt mehrere Landtag schwerpunktmäßig an homosexuelle NS-Opfer gedacht, darunter Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Ein entsprechendes Gedenken im Bundestag steht noch aus (queer.de berichtete). An Mahnmalen zu homosexuellen NS-Opfern finden dieses Jahr Gedenkveranstaltungen unter anderem in Berlin, Köln (online) und Mainz statt. (cw)



#1 KaiJAnonym
#2 AtreusProfil
  • 19.01.2022, 11:40hSÜW
  • Ein großer Dank an die Verantwortlichen in Nürnberg, die diese Stele geplant und realisiert haben und an den Bayerischen Landtag, der im Gegensatz zum Bundestag, die viel zu lange mutwillig übergangene und verschwiegene Opfergruppe der Homosexuellen ins Zentrum der diesjährigen Gedenkveranstaltung stellt.

    Ein längst überfälliger Schritt, der aber für viele KZ-Überlebende leider viel zu spät kommt, da die allermeisten Rosa-Winkel-Häftlinge längst verstorben sind: eine weitere Schuld des Staates gegenüber queerem deutschen Leben.
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#3 KaiJAnonym
#4 JohannbAnonym
  • 19.01.2022, 22:48h
  • Unglaublich!
    Danke an die Organisatoren, Künstler, Hostoriker...
    Gesunde Skepsis treibt mich dazu, dem Landtag erst dankbar sein zu können, wenn es so stattgefunden hat, wie jetzt geplant...
    Ein schöner Gedanke....
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