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"Aufnahmezusage erteilt"

Bundesregierung nimmt mehr als 80 queere Aktivist*innen aus Afghanistan auf

Der Lesben- und Schwulenverband fordert eine möglichst schnelle Umsetzung und die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren bei der Familienzusammenführung.


Einigen verfolgten queeren Aktivist*innen soll in Deutschland Schutz geboten werden, so das Außenamt (Bild: Pixabay)
  • 20. Januar 2022, 12:23h, noch kein Kommentar

Die Bundesregierung will afghanischen Vorkämpfer*innen für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten Zuflucht gewähren. Seit dem 15. August 2021 sei "mehr als 80 afghanischen LSBTI-Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern eine Aufnahmezusage erteilt" worden, heißt es in einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine schriftliche Frage der Linken-Politikerin Cornelia Möhring, die am Donnerstag bekannt wurde.

"Die Bundesregierung teilt die Sorge über die Situation lesbischer, schwuler, bisexueller, trans- und intergeschlechtlicher Menschen (LSBTI) in Afghanistan", heißt es in der Antwort weiter. "Mit der Machtübernahme der Taliban hat sich die Lage der Menschen, die sich als LSBTI identifizieren, nochmals verschlechtert. Dies kann besonders auch für diejenigen gelten, die sich offen und politisch für die Rechte von LSBTI einsetzen."

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) begrüßte die Aufnahmezusagen. "Die Bundesregierung muss diese Menschen jetzt so schnell wie möglich nach Deutschland holen", erklärte LSVD-Vorstandsmitglied Patrick Dörr.

"Es muss alles dafür getan werden, Leben zu retten"

Er betonte zugleich, dass es schwer sei, Angehörige sexueller Minderheiten in Afghanistan zu identifizieren, "da sie ungeoutet leben, oftmals nicht zu den Ortskräften gehören oder offen in Menschenrechts-NGO arbeiten". Umso wichtiger sei es, "die Hilfegesuche von Menschen, die sich uns gegenüber zu erkennen geben, ernst zu nehmen", erklärte Dörr. "Es muss alles dafür getan werden, ihre Leben zu retten."

Außerdem forderte er eine Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei der Familienzusammenführung. Hier werde bisher nur die Kernfamilie berücksichtigt, definiert als Eheleute und leibliche Kinder. "Damit werden gleichgeschlechtliche Paare dafür bestraft, dass ihre Beziehungen in Afghanistan lebensgefährlich sind und nicht rechtlich anerkannt werden", kritisierte Dörr. "Gleichgeschlechtliche Paare, die im Herkunftsland verfolgt wurden, müssen vom Auswärtigen Amt bei der Familienzusammenführung mit Ehepaaren gleichgestellt werden."

Mehrere deutsche LGBTI-Organisationen hatten vor einem Monat die neue Ampelregierung aufgefordert, queere Afghan*innen so schnell wie möglich aufzunehmen (queer.de berichtete). Bereits im Oktober hatte das britische Außenministerium erklärt, dass LGBTI-Aktivist*innen zu "am meisten gefährdeten Menschen in Afghanistan" gehörten und die Aufnahme von zunächst 29 queeren Menschen bestätigt (queer.de berichtete).

Die Taliban hatten bereits im August nach dem Rückzug der USA die Macht im knapp 39 Millionen Einwohner*innen zählenden Afghanistan übernommen. (AFP/cw)