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Transphober Feminismus

"Emma" macht Stimmung gegen trans Abgeordnete

In einem respektlosen Artikel spricht die "Emma" der trans Politikerin Tessa Ganserer ab, eine Frau zu sein.


Alice Schwarzers Feminismus hat offenbar keinen Platz für trans Frauen (Bild: Manfred Werner / wikipedia)

Ein am Mittwoch von der feministischen Zeitschrift "Emma" online veröffentlichter Text über die Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer (Grüne) hat Empörung ausgelöst. In dem nachrichtlichen Artikel wird etwa mehrfach der alte Vorname von Ganserer genannt. Außerdem wird die Nürnberger Politikerin bereits in der Einleitung als "der physische und juristische Mann" und danach verächtlich als "er/sie" beschrieben.

Ganserer war bei der letzten Bundestagswahl am 26. September 2021 neben ihrer Leverkusener Parteifreundin Nyke Slawik als erste trans Frau in den Bundestag eingezogen. Sowohl Slawik als auch Ganserer schlug wegen ihrer Geschlechtsidentität in den letzten Monaten bereits viel Hass entgegen (queer.de berichtete).


Tessa Ganserer war vor ihrer Wahl in den Bundestag acht Jahre lang Mitglied des bayerischen Landesparlaments (Bild: Grüne Bayern)

In dem Artikel berichtet "Emma" unter anderem über den Widerspruch von Feministinnen beim Wahlprüfungsausschuss gegen die Wahl von Ganserer. Schließlich sei sie als "Mann" auf einem Frauenquotenplatz der grünen Landesliste in Bayern platziert gewesen.

Vordergründig richtet sich die Kritik daran, dass Ganserer ihren Personenstand bislang nicht ändern ließ. Hintergrund ist, dass die Abgeordnete die restriktiven Regelungen des aktuellen und in großen Teilen verfassungswidrigen Transsexuellengesetzes nicht akzeptieren will und sich für ein Selbstbestimmungsgesetz engagiert, das im Koalitionsvertrag vereinbart wurde (queer.de berichtete).

"Emma" betreibt Deadnaming

"Emma" nennt dazu fünf Mal den alten, abgelegten Vornamen Ganserers. Dieses sogenannte Deadnaming wird von queerfeindlichen Aktivist*innen als Taktik benutzt, um trans Menschen lächerlich zu machen. Inzwischen wehren sich manche trans Frauen gerichtlich gegen derartige Beleidigungen.

Am "Emma"-Artikel gibt es scharfe Kritik: "Dieser verkrampfte Feminismus hat mich bei der EMMA schon immer geärgert", schrieb etwa die NRW-Landtagsabgeordnete Franziska Müller-Rech (FDP) auf Twitter. "Jetzt will sie ernsthaft Regeln anlegen, wann eine Frau 'so richtig' eine Frau ist. Dabei hilft ein reißerischer Artikel [inklusive] Deadnaming und was die Mobbingschublade sonst so zu bieten hat."

Unterstützung für die trans Abgeordnete kommt aus Ganserers eigener Partei: Bundesfraktionschefin Britta Haßelmann twitterte etwa am Freitagnachmittag: "Wir unterstützen und bestärken Tessa Ganserer in ihrer Haltung, selbstbestimmt zu leben." Die wie Ganserer ebenfalls im September erstmals ins Bundesparlament gewählt Grünenpolitikerin Lamya Kaddor ergänzt: "Transfeindlichkeit ist KEIN Feminismus!" Die Grüne Jugend urteilt hart über "Emma": "Ein feministisches Magazin, das trans Frauen und nicht das Patriarchat bekämpft, ist nicht feministisch."

Twitter / gruene_jugend
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Autorin und Podcasterin Sibel Schick erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen das von Alice Schwarzer 1977 gegründete Magazin: "Das ist Gewalt. Trans Menschen existieren und sie haben Menschenrechte." Die feministische und lesbische Journalistin Stephanie Kuhnen erklärt: "Was EMMA da geliefert hat, ist Flacherde-Feminismus ohne Feminismus. Abstoßend!"

Bereits in der Vergangenheit hatte "Emma" mit als transphob kritisierten Artikeln für Aufregung gesorgt. In der "Frankfurter Rundschau" wurde der Zeitschrift in diesem Zusammenhang vor einem halben Jahr gar attestiert: "Sie überspitzt Reizthemen, attackiert gnadenlos und buhlt um Applaus aus rechtextremen Kreisen." Tatsächlich lobte etwa der extrem homophobe AfD-Familienpolitiker Martin Reichardt am Donnerstag den "Emma"-Artikel zu Ganserer mit den Worten: "Selbst Feministen schwant mittlerweile, dass es irgendwie 'nicht ok ist' das Geschlecht aus subjektiven Gefühlen zu definieren."

Twitter / taz_news | "Emma"-Gründerin Alice Schwarzer hat ein schwieriges Verhältnis zur Transidentität
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Zuletzt wurde in feministischen Kreisen die sogenannte TERF-Fraktion immer lauter – die Abkürzung steht für den englischen Begriff "trans-exclusionary radical feminists", also für radikale Feminist*innen, die trans Menschen ausschließen wollen. So gab es letztes Jahr etwa Proteste gegen das Lesbenfrühlingstreffen wegen transfeindlicher Programmpunkte (queer.de berichtete). Insbesondere "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling macht in sozialen Medien Stimmung gegen trans Menschen (queer.de berichtete). (dk)



#1 AtreusProfil
  • 21.01.2022, 16:11hSÜW
  • Es ist doch erstaunlich, dass ausgerechnet Frau Schwarzer, eine kriminelle Steuerhinterzieherin, die sich regelmäßig für Bild und BildTV prostituiert, auch schon zu Zeiten des großen Feministen Julian Reichelt, die die Öffentlichkeit bewusst mit Lügen über Herrn Kachelmann getäuscht und aufgehetzt hat, genau dann ihre Moral wiederentdeckt, wenn sie mit ihr erneut Hetze gegen unsere transgeschlechtlichen Brüder und Schwestern verbreiten kann. Der Charakter dieser Frau scheint mir das Ebenbild von Dorian Grays Gemälde zu sein, wohlgemerkt nachdem sein Geheimnis gelüftet wurde.
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#2 AlexAnonym
  • 21.01.2022, 16:29h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • "genau dann ihre Moral wiederentdeckt"

    Wo siehst du da denn Moral? Ich sehe ein Magazin, dessen Redaktion sich endgültig von jeder moralischen Hemmung verabschiedet hat und Unmenschlichkeit legitimiert.
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#3 Nesiree DickAnonym
  • 21.01.2022, 16:30h
  • Was für eine schäbige Aktion.

    Und diese ganzen Diffamierungen, weil vermeintlich einer CIS-Frau ein Platz weggeschnappt wurde?

    Es ist gut, wenn sich jetzt Vertreter ALLER Parteien dagegen aussprechen, Grüne und FDP sind natürlich schon am Start. Alle anderen ziehen hoffentlich nach.

    Dann kann sich Alice ja mit ihrer Namensvetterin und selbiger Partei verbünden.
    Gute Nacht, Emma.
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#4 Pola BocAnonym
  • 21.01.2022, 16:52h
  • Alice Schwarzer gibt mit Chantal Louis ein Buch zum Thema Transsexualität heraus - angekündigt bei KiWi für April 2022.
    Da will jemand in Talkshows eingeladen werden und vorher die Werbewelle hochschwappen lassen.
    Warum/ Darum aufregen?

    Trans sollte nicht zum Schalter werden, den man drücken kann und dann geht die Aufregung an.
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#5 kuesschen11Profil
  • 21.01.2022, 17:06hFrankfurt
  • Was sich Alice Schwarzer da in der Öffentlichkeit leistet ist pures binäres Schubladen-Denken.

    Irgendwie ist sie noch im gestern behaftet und missachtet die Rechte von Trans Menschen. Dabei fällt sie sich selbst in den Rücken als selbst ernannte Feministin, indem sie sich dem alten Patriarchat wieder anbiedert. Da hat Alice bis heute nichts dazu gelernt.
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#6 RebeccaProfil
#7 Felix-baerlinAnonym
#8 AtreusProfil
  • 21.01.2022, 18:11hSÜW
  • Antwort auf #2 von Alex
  • Ich fürchte, die Moral ist Sache des Inhabers und Standpunktes. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Meinungsmacher dieses transfeindlichen Kampfblattes genau dasselbe über "uns" sagen, wie "wir" über sie. Soll heißen, die Herrschaften sehen sich selbst moralisch im Recht und ihr Gegenüber im Unrecht. Fiele diese Komponente weg, hieße das ja, dass sie aus niederen Beweggründen gehandelt haben, etwa weil sie erkannt haben, dass Hetze mehr Menschen erreicht und Ertrag generiert.
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#9 DelfinoProfil
  • 21.01.2022, 18:26hPlaya del Ingles
  • an dem Tag, wo sich diese Frau beim Kachelmann-Prozess bei der Bild Zeitung verdungen hat, war sie fuer mich gestorben.
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#10 Sozial-liberalAnonym
  • 21.01.2022, 20:21h
  • Warum wundert mich das bei der schon seit längerem glühenden CDU-Anhängerin Alice Schwarzer nicht?
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