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Heimkino

Eine queere Hommage an den Punk

In der witzigen SciFi-Komödie "How to Talk to Girls at Parties" von "Shortbus"-Regisseur John Cameron Mitchell entdeckt ein Vorstadt-Teenager mit Hilfe von Außerirdischen die Freuden der Prostata-Stimulation.


"How to Talk to Girls at Parties" strotzt vor Energie, Witz und guten Einfällen (Bild: Studiocanal)

Wenn es um die wichtigsten queeren Filmemacher*innen der letzten 20 Jahre geht, fällt der Name John Cameron Mitchell viel zu selten. Seltsam eigentlich, schließlich zeichnet der Amerikaner mit dem genderqueeren Musical "Hedwig and the Angry Inch" sowie der Tragikomödie "Shortbus", die auf leichtfüßig-unvoyeuristische Weise explizite Sexszenen in die Handlung integrierte, für gleich zwei Meilensteine des jüngeren Queer Cinema verantwortlich.

Nach diesen ersten beiden Regiearbeiten 2001 und 2006 folgten allerdings nur noch zwei weitere: das reichlich unqueere Ehe- und Trauerdrama "Rabbit Hole", für das Nicole Kidman 2011 eine Oscar-Nominierung erhielt, und schließlich die Neil-Gaiman-Adaption "How to Talk to Girls at Parties".

Seine Weltpremiere feierte der Film bereits 2017


EuroVideo hat "How to Talk to Girls at Parties" am 20. Januar 2022 fürs Heimkino veröffentlicht

Viereinhalb Jahre ist es her, dass Mitchells bislang letzter Kinofilm seine Weltpremiere beim Filmfestival in Cannes feierte – und erst jetzt erreicht der Film das deutsche Publikum, auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand. Eine solche Wartezeit macht selten Hoffnung, was die Qualität eines Films angeht. Doch siehe da: Auch wenn "How to Talk to Girls at Parties" weder in Sachen Qualität noch hinsichtlich der Queerness in der gleichen Liga spielt wie "Hedwig" oder "Shortbus", ist der Film auf jeden Fall zu reizvoll, als dass man ihn ignorieren sollte.

Die Story – bei Gaiman nicht ohne Grund eine Kurzgeschichte und die größte Schwäche des Films – ist im Grundgerüst einigermaßen schlicht und kaum mehr als die klassische Phantasie pubertierender Jungmänner von der unerreichbaren Traumfrau, bei der man letztlich doch landen kann. Im wenig aufregenden Londoner Stadtrandbezirk Croydon träumt Comic-Nerd Enn (Alex Sharp) davon, ein echt cooler Punk zu sein – und natürlich davon, tolle Mädchen kennen und lieben zu lernen. Als er mit seinen beiden besten Freunden Vic und John nach einem Konzert im von Alt-Punk Queen Boadicea (Nicole Kidman) gemanagten Rock-Club die Afterparty sucht, landen die drei mitten in einem schrägen Happening, das wahlweise kalifornische Performance Art oder ein deutsches Krautrock-Experiment sein könnte. Dort trifft er auf die entzückende, aber auch einigermaßen undurchschaubare Zan (Elle Fanning), die ihn prompt mit nach Hause begleitet. Dass die junge Frau und ihre zahlreichenden Mitreisenden nicht bloß Tourist*innen aus den USA sind, sondern vielmehr aus einer fernen Galaxie stammen, dämmert ihm allerdings erst reichlich spät.

Knallige Alien-Kostüme und Nicole Kidman mit Punk-Frisur


Mitchells Inszenierung driftet dezent Richtung Camp (Bild: Studiocanal)

Als Coming-of-Age-Geschichte geht "How to Talk to Girls at Parties" schon vor der Halbzeit ein bisschen die Luft aus, und nicht immer ist die Mischung aus jugendlicher Unschuld, einer optimistisch-rebellischen Punk-Attitüde und dem Thema Sex stimmig. Aber blickt man eher auf die Einzelteile als aufs große Ganze, lässt sich hier sehr viel Spaßiges und Originelles entdecken. Mitchells Inszenierung driftet dezent Richtung Camp und bringt visuellen Flair ins grau-braune Einerlei Südlondons, auch der Soundtrack hat es in sich: Neben Bekanntem von The Damned oder The Silvertones gründete der Regisseur zusammen mit Martin Tomlinson (ein "queerer Iggy Pop", O-Ton Mitchell) extra für den Film die Band The Dischords und schrieb Songs mit Jamie Stewart von Xiu Xiu.

Ebenfalls wunderbar sind die knalligen Alien-Kostüme von Oscar-Gewinnerin Sandy Powell, Nicole Kidman mit Punk-Frisur, die sich über die Kommerzialisierung ihrer Ideologie beschwert und über Vivienne Westwood lästert, oder die Szene, in der Vic dank der Außeririschen im Sling die Freuden der Prostata-Stimulation und letztlich seine Bisexualität entdeckt. Und Matt Lucas ("Little Britian", "The Great British Bake Off") in einer Nebenrolle gibt's noch obendrauf.

Lange Rede, kurzer Sinn: Fehlerlos ist "How to Talk to Girls at Parties" keinesfalls, strotzt aber doch vor Energie, Witz und guten Einfällen. Weswegen wir es umso mehr bedauern, dass Mitchell seither keinen weiteren Film gedreht hat. Auch wenn wir uns natürlich darüber freuen, dass er stattdessen in Serien wie "The Good Fight" (als fiktionalisierte Version von Milo Yiannopoulos) oder "Shrill" vor der Kamera stand und demnächst in der Miniserie "Joe vs. Carole" neben Kate McKinnon niemand geringeren als Joe "Tiger King" Exotic spielt.

Infos zum Film

How to Talk to Girls at Parties. Komödie. Großbritannien, USA 2017. Regie: John Cameron Mitchell. Darsteller*innen: Elarica Johnson, Elle Fanning, Simon Amstell, Joanna Scanlan, Edward Petherbridge, Alex Sharp, Joey Ansah, Eloise Smyth, Ethan Lawrence, Matt Lucas, Stephen Campbell Moore, James Puddephatt, Chris Clark, Rory Nolan, Nicole Kidman, Jumayn Hunter, Cohen Day, Ruth Wilson, Tom Brooke, Clare Crowther, Mikko Makela. Laufzeit: 98 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. EuroVideo

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