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Strafen verschärft

Frankreich: "Homoheilern" droht jetzt mindestens zwei Jahre Haft und 30.000 Euro Geldstrafe

Das französische Parlament stimmte am Dienstagabend einstimmig dafür, sogenannte "Konversionstherapien" zur Straftat zu machen.


Symboldbild: Pariser Eiffelturm in Regenbogenfarben (Bild: SETE)

Frankreich hat die Strafen für sogenannte Konversionstherapien für Schwule, Lesben, Bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen verschärft. Die Nationalversammlung in Paris stimmte am Dienstag einstimmig und endgültig für ein Gesetz, nach dem derartige Praktiken künftig mit mindestens zwei Jahren Haft und 30.000 Euro Geldstrafe bestraft werden.

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Faktisch sind solche Versuche in Frankreich bereits strafbar. Mit dem Gesetzentwurf der Mehrheitspartei LREM soll jedoch ein neues Delikt ins Strafgesetz aufgenommen werden. Die Haftstrafe soll demnach auf drei Jahre und 45.000 Euro steigen, wenn Minderjährige betroffen sind oder der Täter zur eigenen Familie zählt. Mediziner*innen droht ein bis zu zehnjähriges Berufsverbot, wenn sie "Konversiontherapien" durchführen.

"Diese unwürdigen Praktiken haben keinen Platz in der Republik"

"Wir senden ein starkes Signal, denn formell verurteilen wir alle, die eine Geschlechts- oder Identitätsänderung als Krankheit betrachten", sagte die LREM-Abgeordnete Laurence Vanceunebrock, die den Gesetzestext initiiert hatte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kommentierte auf Twitter: "Diese unwürdigen Praktiken haben keinen Platz in der Republik. Weil man selbst zu sein, kein Verbrechen ist, weil es nichts zu heilen gibt."

Twitter / EmmanuelMacron
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Das Ausmaß solcher Praktiken in Frankreich ist schwer abzuschätzen. Eine Untersuchungskommission erwähnte 2019 mehrere hundert Fälle. Die Zahl der Hinweise nehme aber zu, hieß es. Die meist kostenpflichtige "Behandlung" kann Hypnose, die Einnahme von Hormonen oder Elektroschocks beinhalten. Auch Exorzismen und Zwangsehen sind möglich.

Verbote auch in Malta und Deutschland

In der Europäischen Union haben bislang nur Malta und Deutschland Gesetze gegen die "Heilung" von Homosexualität oder Transgeschlechtlichkeit beschlossen. Laut dem deutschen Gesetz sind allerdings nur "Heilungen" von Jugendlichen ausdrücklich verboten, bei Erwachsenen muss hingegen ein "Willensmangel" vorliegen. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe von bis zu 30.000 Euro rechnen (queer.de berichtete). (cw/AFP/dpa)



#1 AtreusProfil
  • 26.01.2022, 06:27hSÜW
  • Erstaunlich, was möglich ist, wenn sich ein wirklich säkularisierter Staat dem Thema annimmt. Merci France et félicitations à nos frères et surs.
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#2 canSarahAnonym
  • 26.01.2022, 06:53h
  • Bitte das hier auch, auch für "trans Therapien mit Alltagstest und anderen Beweisen, dass man wirklich trans ist". Merci beaucoup.
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#3 hundertprozentAnonym
  • 26.01.2022, 07:27h
  • Tolle Sache. Aber Ist schon erstaunlich; ohne Gegenstimme im Parlament verabschiedet?

    Haben stramm rechte oder streng religiöse Abgeordnete an der Abstimmung nicht teilgenommen?

    Könnte das jemand mal recherchieren?
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#4 AtheistProfil
#5 SebiAnonym
  • 26.01.2022, 09:46h
  • "Diese unwürdigen Praktiken haben keinen Platz in der Republik. Weil man selbst zu sein, kein Verbrechen ist, weil es nichts zu heilen gibt."

    Vollkommen richtig.

    Ich erwarte von der Ampel-Koalition, dass sie auch in Deutschland entsprechend nachjustiert und das Verbot von Konversionstherapien auf alle Altersgruppen ausdehnt.

    Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass diese Gehirnwäsche in jedem Alter massive psychische Schäden verursacht und bis zum Suizid führen kann. Und niemand macht das wirklich freiwillig: auch Erwachsene machen das nur, wenn sie davor lange genug indoktriniert wurden. Mal ganz abgesehen davon, dass es nichts zu "heilen" gibt und man seine sexuelle Identität nicht ändern kann.
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#6 PetterAnonym
  • 26.01.2022, 12:24h
  • Antwort auf #5 von Sebi
  • Da kann ich mich nur anschließen. Und nicht nur aus den von Dir genannten Gründen, sondern auch weil die Situation für Jugendliche jetzt noch schlimmer ist als vorher.

    Denn es ist ja klar, dass genau das passiert, was alle Kritiker des Teil-Verbots vorher schon befürchtet hatten: für die Jugendlichen, die man besonders schützen wollten, ist der Druck jetzt noch größer geworden. Denn wenn die "Therapien" ab 18 Jahren erlaubt sind, bedeutet das, dass der Druck auf Jugendliche noch massiver wird, damit diese nur ja bei Erreichen des 18. Lebensjahrs "freiwillig" in die Arme solcher Quacksalber rennen.

    Deswegen MUSS es auch in Deutschland endlich ein Komplettverbot von Konversionstherapien geben. Wie in Frankreich und anderswo.

    Hier geht es um die Gesundheit und gar das Leben von Menschen!!! Daran werden SPD, FDP und Grüne sich messen lassen müssen.
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#7 AyidaProfil
  • 26.01.2022, 15:19hHessen
  • Antwort auf #3 von hundertprozent
  • In der französischen Nationalversammlung ist aktuell keine extrem gesellschaftlich konservative Partei vertreten. Es gibt liberal-konservative, aber die sind eher wirtschaftsnah und nicht konservativ genug um für Konversionstherapie zu sein. Die rechtsextreme Rassemblement National (ehemals Front National) mit Marine Le Pen ist weder in der Nationalversammlung noch im Senat vertreten.
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#8 Julian 80Anonym
  • 26.01.2022, 20:57h
  • Antwort auf #5 von Sebi
  • Volle Zustimmung.

    Und das Irre an dem Teilverbot ist ja, dass durch das Verbot nur für einen Teil der Opfer nicht nur die anderen Opfer ungeschützt bleiben, sondern dass es für die sogar explizit legal wird.

    Denn vorher waren diese ganzen Konversions-Gehirnwäschen (ich spreche bewusst nicht von Therapien) eine rechtliche Grauzone. Aber indem man sie nur für einen Teil der Opfer verboten hat, hat man sie gleichzeitig indirekt für alle anderen Gruppen erlaubt.

    So ein Teilverbot ist halber Kram und extrem gefährlich. Wir brauchen auch in Deutschland endlich ein Komplettverbot dieser Gehirnwäsche.

    Das macht Frankreich wirklich sehr richtig...

    Und es freut mich auch, dass das durch alle Parteien hinweg ohne Gegenstimme Zustimmung findet. Denn hier geht es nicht um unterschiedliche Meinungen. Sondern um Menschenleben. Da kann man nur eine Meinung haben.
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#9 Julian 80Anonym
  • 26.01.2022, 21:23h
  • Antwort auf #6 von Petter
  • "Denn wenn die "Therapien" ab 18 Jahren erlaubt sind, bedeutet das, dass der Druck auf Jugendliche noch massiver wird, damit diese nur ja bei Erreichen des 18. Lebensjahrs "freiwillig" in die Arme solcher Quacksalber rennen."

    Das kommt nochmal dazu, dass durch dieses deutsche Teilverbot und die Altersgrenze für alle Minderjährigen der Druck sogar noch steigt.

    Nicht nur, dass das deutsche Teilverbot viele Opfer im Stich lässt und das sogar indirekt für legal erklärt. Sondern selbst für die Gruppe, die eigentlich geschützt werden sollte, hat das Teilverbot es noch schlimmer gemacht.

    Deswegen muss Deutschland ein Komplettverbot bekommen. Das geht gar nicht anders, weil sonst alle Opfer darunter leiden, wenn auch je nach Alter auf unterschiedliche Art und Weise.
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#10 Miguel53deProfil
  • 26.01.2022, 23:17hOttawa
  • Antwort auf #4 von Atheist
  • In Deutschland ist Homoheiling seit Juli 2020 verboten. Leider mit einem sehr unvollkommenen Gesetz, soweit ich mich erinnere. Aber immerhin. Grundsätzlich ist es verboten.

    Bei uns hier in Kanada auch.
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