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Generalaudienz

Papst: Homosexuelle Kinder nicht verurteilen

Franziskus äußerte sich bei einer Generalaudienz im Vatikan überraschend wie kurz zu schwulen oder lesbischen Kindern und ihren Eltern.


Der Papst am Mittwoch bei der Audienz (Bild: vatican.va)

Papst Franziskus hat am Mittwoch überraschend an Eltern appelliert, schwule und lesbische Kinder nicht zu verurteilen. Die dennoch insgesamt nur bedingt aussagekräftige Passage erfolgte im Rahmen mehrerer Sätze, in denen der Papst Eltern Bestärkung geben wollte.

"Ich denke in diesem Moment an die vielen Menschen, die von der Last des Lebens erdrückt werden und nicht mehr hoffen, nicht mehr beten können", sagte der Papst im Rahmen der Generalaudienz in einer deutschen Simultanübersetzung. "Ich denke auch an die Eltern, die Probleme mit ihren Kindern haben; Kinder, die krank sind, die unheilbare Krankheiten haben. Was für ein Schmerz ist das für die Eltern! Manche erleben, dass ihre Kinder eine andere sexuelle Orientierung haben, und fragen sich, wie sie ihre Kinder begleiten können. Da sollte man keine verurteilende Haltung einnehmen."

Weitere Gedanken des Papstes richten sich an Eltern, "deren Kinder von Krankheiten dahingerafft werden", vom rechten Weg abkommen oder einen Unfall hätten. "Es gibt so viele Probleme, mit denen Eltern konfrontiert sind. Denken wir darüber nach, wie wir ihnen helfen können. Und ich sage diesen Eltern: lasst euch nicht erschrecken; es gibt viele Probleme, aber denkt immer an den Herrn. (…) Verurteilt eure Kinder nie!" Eltern sollten "beten, arbeiten und lieben".

Wie andere Religionsgemeinschaften steckt die katholische Kirche in einer weltweit sehr unterschiedlich geführten Debatte zum Umgang mit LGBTI. Der offizielle Katechismus spricht von homosexuellen Handlungen weiter als Sünde und fordert Schwule und Lesben unter anderem zu Enthaltsamkeit auf. In vielen Ländern befördert die Kirche Ausgrenzung und unterstützt Politik gegen gleichgeschlechtlich liebende und trans Personen. In Deutschland unterstützten in diesen Tagen einige Bischöfe zaghaft ein Massen-Coming-out von Angestellten der Kirche (queer.de berichtete). Der Vatikan hat auf diese Initiative, die auch Forderungen an die Kirche stellte, bislang nicht reagiert.

Die italienische LGBTI-Organisation Arcigay kommentierte die Worte des Papstes in einer Stellungnahme entsprechend zurückhaltend: "Wir würdigen die Offenheit des Papstes, aber LGBTI-Menschen brauchen keine Bevormundung oder Mitleid: Sie fordern Rechte, volle Gleichberechtigung, gleiche Würde. Es ist der Weg, auf dem uns die Kirche immer finden wird. Dort erwarten wir sie."

? "Apprezziamo l'apertura del Papa ma le persone lgbti non hanno bisogno di paternalismo o commiserazione: chiedono...

Posted by Arcigay on Wednesday, January 26, 2022
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Der aktuelle Papst, obwohl kein obsessiver queerfeindlicher Fundamentalist wie sein deutscher Vorgänger, hatte sich in den letzten Jahren sehr widersprüchlich zu LGBTI-Fragen geäußert. Bereits 2018 hatte er vor Journalisten in Bezug auf "Kinder mit homosexuellen Neigungen" nichts direkt an diese selbst gesagt, aber Eltern geraten, sie nicht zu "verdammen" und den Dialog zu suchen. Die Kinder hätten ein Recht, nicht aus der Familie gejagt zu werden. Zugleich betonte er zu homosexuellen Kindern im Vergleich zu Erwachsenen: "Es gibt viele Dinge, die man mit der Psychiatrie machen kann, um zu sehen, wie die Dinge sind" (queer.de berichtete). Nach einiger Empörung ruderte der Vatikan teilweise zurück, ohne die Passage komplett klarzustellen (queer.de berichtete). (nb)



#1 AtreusProfil
  • 26.01.2022, 17:05hSÜW
  • Das ist ganz sicher nur ein Zufall und meinem Hang zum Missverständnis geschuldet, dass er queere Kinder direkt im Anschluss an unheilbare kranke Kinder erwähnt. Immerhin ist er ja auch nur bösartig missverstanden worden, als er vor einiger Zeit im Privatflieger dem versammelten Pressecorps erklärte, man könne bei frühzeitiger Erkennung von Homosexualität noch mit einen Psychiater gegensteuern. Ich konstruiere hier mutwillig eine Stringenz in sein Denken und seine Aussagen und gelobe Besserung.
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#2 RuntAnonym
  • 26.01.2022, 17:32h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Ich finde, da bist Du in Deiner Kritik unfair und päpstlicher als der Papst.

    Der Papst spricht ja zu katholischen Eltern und darüber, was man vielleicht empfindet, wenn die Kinder nicht den Erwartungen entsprechen. Über solche Konflikte soll und muss man sprechen. Und natürlich ist es ein politisches Zeichen, wenn er die sexuelle Orientierung hier doch wertfrei nennt, denn an einer unheilbaren Krankheit oder einem Unfall ist ein Kind auch nicht Schuld.

    Natürlich sollte es so sein, dass Eltern sich nichts daraus machen, ob ihr Kind krank ist, einen Unfall hat oder homosexuell ist (und dadurch auch ohne direkte absichtliche Diskriminierung vermutlich durch sein Anderssein Ausgrenzungerfahrungen machen wird). Das ist auch bei Eltern wie ein kleiner Coming-out-Prozess, sich von Erwartungen zu verabschieden, wie das Leben laufen sollte.

    Insofern finde ich die Worte des Papstes vorsichtig, aber menschlich klug gewählt.

    Es zeigt sich aber, dass Franziskus die Sache pragmatisch, aber nicht dogmatisch oder theologisch anpackt oder ein Machtwort spricht. Ob seine Vorgehensweise in seinem Amt ausreicht, oder ob diese sehr vorsichtigen, vernünftigen Appelle an das Kirchenvolk wirklich ausreichen, kann man aber durchaus bezweifeln oder in Frage stellen.
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#3 daVinci6667
  • 26.01.2022, 17:46h
  • "Manche erleben, dass ihre Kinder eine andere sexuelle Orientierung haben, und fragen sich, wie sie ihre Kinder begleiten können. Da sollte man keine verurteilende Haltung einnehmen."

    Tönt absolut nicht nach Akzeptanz! Ganz im Gegenteil! Er meint katholische Eltern sollen ihre Kinder zu Konversionstherapie begleiten! Begleiten tönt doch schöner als zwingen und foltern, nicht wahr?

    religion.orf.at/m/v3/stories/2932363/
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#4 AtreusProfil
  • 26.01.2022, 18:01hSÜW
  • Antwort auf #2 von Runt
  • Ich befinde mich in der glücklichen Situation, von Menschen umgeben zu sein, die keinerlei Aufklärung bedürfen, dass ihr oder ein anderes Kind auf dieser unseren schönen Erde unschuldig daran ist, unheilbar erkrankt oder homosexuell zu sein und ich lege zudem meine Hand ins Feuer, dass niemand meiner Freunde, auch bei größter Hirnverrenkung, jemals auf den Gedanken käme, dass das anders sein könnte oder protokolliert werden müsste. Dieser Bedarf an Information scheint mir kirchenexklusiv zu sein und spricht weder für die Eltern, noch für die Religion, der sie angehören.
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#5 RuntAnonym
  • 26.01.2022, 18:12h
  • Antwort auf #3 von daVinci6667
  • "Er meint katholische Eltern sollen ihre Kinder zu Konversionstherapie begleiten!"

    Klar sind seine Aussagen absichtlich sehr vage und auch nicht wirklich queer-positiv (eine abweichende sexuelle Orientierung wird schon eher in den Bereich der Defekte eingeordnet), aber wenn Deine Interpretation stimmte, dann hätte er nicht den Vergleich mit UN-heilbaren Krankheiten gewählt.
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#6 RuntAnonym
  • 26.01.2022, 18:48h
  • Antwort auf #4 von Atreus
  • Ich verstehe ja, dass es Dir um die politische Dimension und den größeren Kontext geht und das ich mehr den engeren Kontext betrachte, weil Franziskus queerpolitisch eigentlich immer diese Form der scheinbar persönlichen, aber beispielhaften Kommunikation wählt.

    Ich finde auch, um die Kirche zu kritisieren, muss man selbst nicht ein besserer, perfekter und makelloser oder glücklicher Mensch sein. Gerade Eltern sollten m.E. nicht in perfekt sein wollen.

    Es ist kein kirchenexklusives Problem, dass Eltern entweder Enttäuschung fühlen oder irrationale Schuldgefühle haben, wenn ihr Kind nicht so ist, wie sie sich das vielleicht mal (auch für sich selbst) gewünscht haben. Und das anzusprechen, halte ich für wichtig, egal wo.

    Das Gefühl, die Eltern mit seiner sexuellen Orientierung zu enttäuschen zu müssen (bzw. deren vielleicht gut gemeinte Erwartungen) kennen wirklich viele queere Menschen aus meiner Generation und trotzdem spricht das noch nicht gegen die Eltern.

    Ich finde es jedenfalls noch nicht schlimm, wenn Eltern solche Gefühle haben. Es gehört zum Leben, dass Kinder nicht ganz so werden, wie man sie sich erträumt oder dass sie das haben oder bekommen, was man ihnen wünscht.

    Wichtig ist nur, dass Eltern lernen, über diese Gefühle hinwegzukommen und in der Lage sind, ihr Kind so zu sehen und zu lieben und auch zu verstehen und zu unterstützen, wie es ist.
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#7 AtreusProfil
  • 26.01.2022, 20:06hSÜW
  • Antwort auf #6 von Runt
  • Ich finde es logisch und angezeigt, "die politische Dimension und den größeren Kontext" zu betrachten, wenn der selbsternannte Stellvetreter Christi auf Erden eine Generalaudienz gibt und das Wort Gottes verkündet.
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#8 Julian 80Anonym
  • 26.01.2022, 20:45h
  • Jaja, wenn bekannt wird, dass der vorige Papst ganz tief in der Vertuschung von Kindesmissbrauch drin steckt und mindestens weggesehen hat als einen Serientäter neue Opfer zugeführt wurden, dann muss man halt Kreide fressen.

    Mal ganz abgesehen vom Lügen (ist das eigentlich keine Sünde?)...

    Momentan geht der Kirche der Arsch dermaßen auf Grundeis und die haben momentan so viel Panik, dass jetzt noch viel mehr Menschen austreten und noch mehr Einnahmen wegbrechen, dass die sich im Moment keine Hetze erlauben können.

    Aber wenn die es ernst meinen würden, würden die nicht nur labern, sondern endlich handeln und endlich einige Dinge ganz grundlegend ändern.
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#9 kuesschen11Profil
  • 26.01.2022, 21:58hFrankfurt
  • Er braucht seine seichten Ratschläge nicht an Eltern zu geben, es ist doch die katholische Kirche selbst, die Jahrzehnte lang queere Menschen diskriminiert, ausgrenzt und verachtet.

    Die Vertuschung der Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen ist schon kriminell.

    Diese Religion verdient keine Anerkennung, da sie ihre große Schuld nicht kennt oder nicht kennen will.
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#10 dieses gesülzeAnonym
  • 26.01.2022, 23:15h
  • das wording, das framing... es widert mich zutiefst an. selbst in momenten, wo aufrichtigkeit unbezahlbar ist, wird zwischen den zeilen unmissverständlich klar gemacht, was der stand der dinge ist. wobei... auch das dann in den bereich aufrichtigkeit fällt, wofür man fast schon dankbar sein müsste.

    solange die kirche bzw. religionen im allgemeinen es auch nur in einem einzigen ihrer einflussbereiche "dulden", das menschen in ihrer existenz herabgewürdigt werden, solange sind sie nichts anderes als machthungrige opportunisten. wie schon die letzten 2000 jahre.

    am siebenten tag erschuf der teufel die religionen oder so? wobei selbst das schon an üble nachrede grenzt...
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