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Ehemaliger EU-Abgeordneter

Felix Reda kommt als trans raus

Felix Reda saß für die Piraten im EU-Parlament, kämpfte gegen Uploadfilter und den Sexismus in seiner eigenen, ehemaligen Partei. Jetzt spricht er erstmals öffentlich über seine trans Identität.


Kaum out, schon in der Wikipedia: Digitalexperte Felix Reda (Bild: Volker Conradus / wikipedia)

Der Digitalexperte und ehemalige Piraten-Abgeordnete im Europäischen Parlament, Felix Reda, hat sich als trans geoutet. Obschon er im persönlichen und beruflichen Umfeld seit vergangenem Jahr offen mit seiner geschlechtlichen Identität umgegangen war, folgte jetzt die Korrektur des öffentlichen Bildes gegenüber Ippen Investigativ, wozu das Portal BuzzFeed und die "Frankfurter Rundschau" gehören.

Reda wolle sich nicht mehr verstecken und mit seinem neuen Namen angesprochen werden. Daran hielten sich auch die "Frankfurter Rundschau" und BuzzFeed in ihrer Veröffentlichung und nannte Redas Deadname nicht. Mit der weiblichen Rolle, erklärte Reda weiter, habe er bereits sein ganzes Leben gehadert. Dazu kam das in den Medien von Reda gezeichnete Bild, mit dem er sich nicht habe identifizieren können.

Auf Twitter gibt Reda die eigenen Pronomen im Englischen mit "he/they" an. Ein deutscher Eintrag wiederum sieht nur das Pronomen "er" vor. Möglicher Hintergrund: Im Englischen hat sich für viele nichtbinäre Personen das Pronomen "they" etabliert.

Twitter / Senficon
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Eine gut funktionierende, deutsche Entsprechung von "they" gibt es nicht oder noch nicht. Die Nennung des englischen Pronomens und die genaue, geschlechtliche Einordnung Redas fehlte in den Darstellungen der "Frankfurter Rundschau" und von BuzzFedd.

Protest gegen Uploadfilter

Reda ist auf Twitter unter dem Namen @Senficon bekannt und war einer der maßgeblichen Aktivist*innen, die 2019 gegen die EU-Urheberrechtsreform protestiert hatten. Reda und andere kritisierten, dass die erstmals eingeführten, obligatorischen Uploadfilter das Sperren von eigentlich legalen Inhalten ermöglichen könnten. Reda hatte das einen Angriff auf das freie Internet genannt.

Bei Uploadfiltern werden hochgeladene Inhalte automatisch zum Beispiel auf Verstöße gegen Lizenzrechte hin untersucht und gegebenenfalls sofort entfernt. Eine inhaltliche Prüfung durch Mitarbeiter*innen, etwa nach dem händischen Melden problematischer Inhalte, stellt dann nicht mehr die erste greifende Maßnahme gegen Lizenzverstöße dar. Mit der selben Technik lassen sich allerdings auch die Kontrolle und Unterdrückung freier Meinungsäußerungen im Internet realisieren.

Befürchtungen gibt es zudem, dass die Uploadfilter negative Konsequenzen für die freie Entfaltung der Netzkultur haben könnten. So lebt etwa die Memekultur von der freien Verwendung, Veränderung und Neu-Verbreitung von Grafiken, durch die etwa auch das aktuelle politische Geschehen kommentiert wird.

Von der Piratenpartei zur GFF

Im Jahr 2019 war Reda aus der Piratenpartei ausgetreten. Gegen seinen Büroleiter waren Vorwürfe der Belästigung erhoben worden. Reda hatte seinen Austritt aus der Partei, gegen die es immer wieder Vorwürfe der Untätigkeit gegenüber Belästigungen und Sexismus gegeben hatte, mit dem Aufruf verknüpft, den Piraten bei der Europawahl die Stimme zu versagen.

Seit 2020 arbeitet Reda für die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), die sich in rechtlichen Auseinandersetzungen zugunsten von Grundrechten und Menschenrechten positioniert und zum Beispiel Klageführer*innen unterstützt. Die GFF hat etwa ein lesbisches Paar darin unterstützt, nach der Geburt ihres Kindes für eine Gleichbehandlung mit Hetero-Eltern zu klagen.

Der Hintergrund: Ehemänner werden nach einer Geburt automatisch als zweiter Elternteil in der Geburtsurkunde eingetragen. Bei lesbischen Paaren – und auch bei anderen, nicht-heterosexuellen Eltern – gehen die Behörden hingegen zunächst nur von einem Elternteil aus, nämlich der Frau oder Person, die das Kind geboren hat.

Ein weiteres Feld, auf dem die GFF aktiv ist: der selbstbestimmte Geschlechtseintrag. Gemeinsam mit Lann Hornscheidt setzt sich die Gesellschaft via Klage dafür ein, dass alle Geschlechtseintragungen endlich selbstbestimmt geändert und eingetragen werden können.

Das wäre auch für Reda selbst wichtig, denn er betont, dass er die gegenwärtigen Bestimmungen des Transsexuellengesetzes gar nicht erfüllt. Diese sehen nämlich vor, dass jemand seit mindestens drei Jahren "unter dem Zwang stehen" müsse, den eigenen "Vorstellungen entsprechend zu leben". Das sei bei Reda schlicht nicht der Fall, sollte es aber auch nicht sein müssen.

Redas Transgeschlechtlichkeit mache nicht "meine ganze Persönlichkeit aus", betonte er gegenüber Ippen Investigativ zudem noch. Er hoffe auch darum, dass es "in den Augen der Medien nicht meine Expertise für andere Themen überschreibt".



#1 Gnurfel42Anonym
  • 27.01.2022, 13:56h
  • Ein bemerkenswerter Mensch. Verfolge ihn schon seit Jahren. Er ist einer der ganz wenigen Menschen, der eine sehr klare progressive Netzpolitik verfolgt UND auch nur einen Hauch von politischer Relevanz hatte UND kompetent war.

    Felix Reda hat im Bereich Netzpolitik viel getan, leider aber auch nicht viel erreicht. Ist aber nicht Redas Schuld, die Pro-Urheberrechtslobby ist leider einfach noch viel zu mächtig und schafft es immer wieder, mit ihren Lügen und ihrer Propaganda die Massen davon zu überreden, das Urheberrecht noch mal zu verschärfen, und nochmal, und nochmal. Das geht so schon seit Jahrzehnten und kotzt einfach nur an. Da kann man als Einzelperson logischerweise nicht viel reißen.
    Und der politische Diskurs ist stark ideologisch richtung Pro-Urheberrecht geprägt. Ein System außerhalb des Urheberrechtssystems darf man noch nicht mal denken. Wenn wir im Urheberrecht nur so 10-20 Jahre zurückgehen würden, wären wir ironischerweise viel freier. Am meisten profitierten von diesen Verschärfungen nicht die »armen Kreativen«, sondern vorallem Unternehmen und Konzerne.
    Doch Felix Reda setzte sich immer wieder über die ideologischen Denkverbote hinweg. Das ist gut, aber in der Politik sind Leute wie er rar. Sehr rar. Und somit ist de facto jede progressive Netzpolitik schon seit Jahrzehnten ein reines Rückzugsgefecht gewesen, es ging immer nur darum, noch größeren Schaden abzuwenden. Manchmal konnte er abgewehrt werden (ACTA), manchmal nicht (EU-Urheberrechtsreform mit Uploadfilter). Und somit wurde es Jahr für Jahr schlimmer.

    Wir sind ja schon so weit, dass es die »radikalste« Forderung im EU-Parlament war, die Urheberrechtsdauer EU-weit auf »nur« 50 Jahre nach dem Tod zu begrenzen. Aber selbst war ist nicht konsensfähig. Es ist zum Heulen.

    Auch der Austritt aus der Piratenpartei war ein klares Signal, dass es ihm ums Prinzip geht und nicht ums Parteibuch. Das macht ihn glaubwürdiger. Ich glaube mittlerweile, die Piratenpartei ist auch gerade wegen ihrem Sexismus und absurdester innerer Machtkämpfe zerbrochen, weil die Piratenpartei dank ihrer Netzpolitik ja erst viele Progressive anzog, aber dann der Sexismus und andere Diskrimierungen von Parteimitgliedern die wenigen, die die Piratenpartei wählten, abgeschreckt haben. Die Partei dachte auch nie wirklich intersektional, was schon in der Gründungszeit von vielen kritisiert wurde, aber die Kritiker stießen auf taube Ohren. Ein fataler taktischer Fehler.
    Und das ist richtig ärgerlich, weil progressive Netzpolitik super wichtig ist. Denn alle anderen Parteien sind entweder netzpolitisch regressiv unterwegs oder schlicht inkompetent oder beides.

    Somit hatte Felix Reda im Grunde nur das sinkende Piratenschiff verlassen. Eine weise Entscheidung.
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