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Gleichstellungsminister*innenkonferenz

Senatorin Fegebank: Zwanzigerjahre müssen ein "Jahrzehnt der Gleichstellung" werden

Zur Gleichstellungs- und Frauenminister*innenkonferenz unter Hamburger Vorsitz gibt die Gleichstellungssenatorin den Weg vor: In diesem Jahrzehnt muss die Gleichstellung, auch die queerer Menschen, entscheidend vorankommen.


Senatorin Katharina Fegebank hat dieses Jahrzehnt noch viel vor (Bild: Henning Angerer / wikipedia)
  • 27. Januar 2022, 12:24h, noch kein Kommentar

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank hofft mit der neuen Ampelkoalition in Berlin auf echte Fortschritte in der Gleichstellungspolitik. "Das muss jetzt ein Jahrzehnt des Aufbruchs für die Gleichstellung werden", sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur vor der am Donnerstag beginnenden Frühjahrstagung der Gleichstellungs- und Frauenminister*innenkonferenz (GFMK) unter Hamburger Vorsitz. Die Konferenz der 14 Landesministerinnen und zwei Landesminister findet wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr nicht in Präsenz statt, sondern virtuell. "Was wir die letzten Jahre erlebt haben, war in vielen gesellschaftspolitischen Fragen eine Blockade."

Für notwendige Veränderungen hätten bislang die politischen Mehrheiten gefehlt. "Mein Eindruck ist, dass die Gesellschaft in großen Teilen schon viel weiter ist." Als Beispiele nannte sie die Ergänzung des Artikels 3 im Grundgesetz um das Merkmal "sexuelle Identität", das Thema Gleichstellung lesbischer Paare, die Verteilung der Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen und das "Generationenthema" der grundsätzlichen Gleichstellung der Frau auch in der Wirtschaft. "Das waren zehrende Debatten, wo über viele Jahre nur winzige Fortschritte und nie der große Wurf sichtbar waren. Nun bewegt sich endlich etwas."


Senatorin Fegebank (Mitte) beim CSD Hamburg 2020, der pandemiebedingt als Fahraddemo stattfinden musste (Bild: Photo Graf / flickr)

Es gehe um eine andere Kultur, um Rollenbilder und Selbstverständnis. "Das ist natürlich ein ganz dickes Brett, das schon lange gebohrt wird, aber noch lange nicht durchgebohrt ist." Gleichstellung könne man nicht verordnen. "Aber unsere Aufgabe in der Politik ist es, dafür die Rahmenbedingungen richtig zu setzen, beispielsweise die Betreuungssituation in der Kita, im Ganztag, in der Schule, bei der gerechten Verteilung von unbezahlter Familien- und Sorgearbeit." Für Frauen und Männer müsse es echte Wahlfreiheit geben: "Gehe ich in eine Vollzeitbeschäftigung, welche Art von Beruf kann ich ergreifen und kann ich das dann in Einklang mit der Familie bringen?"

Ausgangspunkt für den Hamburger Konferenzvorsitz sei immer noch die Corona-Pandemie. "Deshalb müssen wir uns im Zusammenspiel mit den anderen 15 Ländern und dem Bund die Frage stellen, wie kommen wir stärker aus der Krise heraus und wie schaffen wir eine Gleichstellungspolitik, die gegenüber künftigen Krisen widerstandsfähig ist, damit wir in Zukunft sicherstellen, dass Frauen von Anfang an in den entscheidenden Beratungsgremien mit dabei sind und ihre Anliegen und die der Familien stärker berücksichtigt und gehört werden", sagte die Senatorin. Dies sei auch Kern des Hamburger Leitantrags, der bei der Haupttagung im Sommer beschlossen werden soll.

"Rückfall in tradierte Rollenbilder" bietet Chance, "Dinge künftig anders zu machen"

"All diese Debatten werden jetzt durch die Pandemie verstärkt geführt." Die Pandemie habe Frauen durch Homeoffice, Home-Schooling und Care-Arbeit stärker belastet als Männer. "Und deshalb sehe ich schon, dass aus diesem Rückfall in tradierte Rollenbilder auch die Chance erwächst, Dinge künftig anders zu machen." Die Digitalisierung sei dabei ein wichtiger Beschleuniger und Treiber. Es gebe auch gute Lehren aus der Pandemie – "und die müssen wir beibehalten".

Die Debatten müssten jetzt geführt werden. "Wir müssen unmittelbar aus dem Erleben, aus den Erfahrungen der Pandemie heraus den Schub der Digitalisierung nutzen und die Rahmenbedingungen schaffen, damit das Thema Gleichstellung in der Arbeitswelt und dann in der Folge auch in den Familienkonstellationen wirklich gelebt werden kann", sagte Fegebank.

Der Koalitionsvertrag der Berliner Ampel formuliere die Erwartung, dass die eigenständige Existenzsicherung für Frauen auch tatsächlich ermöglicht wird. "Und das heißt, man muss die Hürde des Gender-Pay-Gaps und des Gender-Care-Gaps angehen, eine partnerschaftliche Aufteilung der Sorgearbeit ermöglichen, um darüber Frauen andere Wege in die Erwerbsarbeit zu ermöglichen und sie auch dort zu halten."

Fegebank ist seit 2015 stellvertretende Regierungschefin (Zweite Bürgermeisterin) in Hamburg, zunächst unter Olaf Scholz, seit 2018 unter Peter Tschentscher (beide SPD). Die 44-Jährige leitet auch die Hamburger Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke. (dpa/cw)