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Reaktion auf #OutInChurch

Kardinal Marx: Schwule Priester sind okay

Mit seiner Äußerung zu offen homosexuellen Priestern lehnt sich der Kardinal gegen den Vatikan auf.


Kardinal Reinhard Marx will offenbar nicht mehr nur heterosexuelle Priester akzeptieren (Bild: Screenshot / Youtube/Münchner Kirchenfernsehen)

  • 27. Januar 2022, 13:03h 18 3 Min.

Kardinal Reinhard Marx sieht in der sexuellen Orientierung eines Menschen keine Einschränkung für das Priesteramt. "Nicht jeder ist gezwungen, seine eigene sexuelle Neigung zu nennen, ob er heterosexuell oder homo­sexuell ist", sagte der Erzbischof von München und Freising am Donnerstag in einer Pressekonferenz in der bayerischen Landeshauptstadt. "Aber wenn er es tut, dann ist das zu respektieren und dann ist das keine Einschränkung seiner Möglichkeit, etwa ein Priester zu werden", erklärte der 68-Jährige weiter.

"Das ist meine Position, und dafür muss man eintreten", sagte Marx. Bei den Priestern gehe man natürlich davon aus, dass sie zölibatär lebten. Bislang hätten manche Bischöfe gesagt, Homo­sexuelle könnten nicht zum Priester geweiht werden. "Das finde ich nicht", stellte Marx fest.

Vatikan verbietet offen schwule Priester

Mit seiner Haltung zu offen schwulen Priestern stellt sich Marx aber nicht nur gegen manche Bischöfe, sondern gegen Papst Franziskus und den Vatikan: Das Verbot vor homosexuellen Priestern entspricht den vatikanischen Richtlinien gegenüber Priesterschülern, die Ende 2016 unter Franziskus erneuert wurden. Darin wird selbst nicht ausgelebte Homosexualität als Ausschlussgrund für das Priesteramt genannt. Gleich nach den Themenbereichen "physische Gesundheit" und "psychische Gesundheit" wird das Thema "Personen mit homosexuellen Tendenzen" behandelt. Erst danach wird in dem Dokument über "Schutz der Minderjährigen" gesprochen. Priestern mit "tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen" wird darin pauschal vorgeworfen, "keine korrekte[n] Beziehungen zu Männern und Frauen" aufbauen zu können (queer.de berichtete).

In dem Papier heißt es außerdem: "Die negativen Folgen, die aus der Weihe von Personen mit tiefsitzenden homosexuellen Beziehungen erwachsen können, sind nicht zu übersehen." Einzig wenn die Homosexualität "bloß Ausdruck eines vorübergehenden Problems, wie etwa einer noch nicht abgeschlossenen Adoleszenz sei", gebe es eine Ausnahme. Wenigstens drei Jahre vor der Weihe müsse diese Homosexualität aber "eindeutig überwunden" sein.

Auch Papst Franziskus hatte das Verbot bekräftigt. So sagte er 2018 laut "La Stampa", dass Priesterseminare Männer abweisen sollten, wenn es nur "den geringsten Zweifel" an der Heterosexualität eines Bewerbers gebe (queer.de berichtete).

Marx' Bistum feuerte erst letztes Jahr einen Priesteranwärter wegen Verdachts auf Homosexualität

In der Vergangenheit hat das Bistum von Marx aber bereits Priesteranwärter ausschließlich wegen ihrer mutmaßlichen Homosexualität aus Seminaren entfernen lassen. Erst letztes Jahr wurde etwa der Fall von Henry Frömmichen bekannt, der gefeuert wurde, weil er ein Bild mit einem aus "Prince Charming" bekannten Realitystar online veröffentlichte (queer.de berichtete). Frömmichen ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten (queer.de berichtete).

In der Pressekonferenz ging es nur nebenbei um das Massen-Coming-out in der Kirche im Rahmen der #OutInChurch-Initiative. Hauptsächlich wurde das vom Erzbistum München und Freising selbst in Auftrag gegebene Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zu sexuellem Missbrauch behandelt. Dieses war zu dem Ergebnis gekommen, dass Fälle von Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren. Auch dem aktuellen Erzbischof Marx wird Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Er erklärte jedoch, er wolle vorerst im Amt bleiben, "wenn das hilfreich ist". (dpa/dk)

Direktlink | Die gesamte Pressekonferenz von Kardinal Marx
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Wöchentliche Umfrage

» Wird die katholische Kirche nach #OutInChurch endlich ihre Attacken gegen LGBTI einstellen?
    Ergebnis der Umfrage vom 24.01.2022 bis 31.01.2022
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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 27.01.2022, 15:40h
  • Ich "neige" dazu, meine Pizza mit Schinken, Salami und Pilzen zu ordern. Wozu ich nicht neige, ist schwul zu sein. Von diesem sprachlich und geistigen Totalausfall mal abgesehen, wäre das einzig glaubhafte und moralisch angezeigte Verhalten, jenes, alle Ämter aufzugeben, zur nächstgelegenen Polizei zu gehen und Selbstanzeige zu erstatten, wegen Beihilfe zur Kindervergewaltigung und Vertuschung derselben. Ich gestehe jedoch zu, dass zwei "Vater unser" nach dem Beichstuhlbesuch die deutlich bequemere Variante darstellt.
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#2 RuntAnonym
  • 27.01.2022, 16:40h
  • Schwule Priester waren früher auch "o.K.", es war nur nicht erlaubt, sich zu outen. Mit seinen Aussagen legitimiert Marx nur offiziell, was inoffiziell sowieso bekannt war - dass nämlich viele Priester eben homosexuell waren und sind.

    Eine "Auflehnung" gegen Rom kann ich bei Kardinal Marx wirklich nicht erkennen. Er tritt nur für das Minimum an Veränderung ein, dass die RKK in Deutschland braucht, um überleben zu können.

    Die "systemischen" Probleme der Kirche werden damit aber nicht behoben.

    Wenn es eine Auflehnung gibt, dann sicher eher durch die Menschen, die sich bei #outinchurch engagieren und Gesicht zeigen oder auch die, die mit den Füßen abstimmen und die Kirche verlassen.
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#3 LächerlichAnonym
  • 27.01.2022, 17:16h
  • Meint der ernsthaft, seine Meinung sei noch relevant?

    Das jüngste Gutachten hat ja gezeigt, wie viel Schuld der im Missbrauchsskandal hat. Hätte er noch ein Fünkchen Anstand, würde er zurücktreten und andere Menschen nicht mehr mit seinem Gerede belästigen.

    Stattdessen meint er, eine moralische Instanz zu sein, die entscheiden kann, was "okay" ist und was nicht. Wenn jemand keine moralische Instanz ist, dann er und sein Verein.

    Im übrigen: es genügt nicht, dass jemand "okay" ist, solange er nicht voll akzeptiert ist. Wenn ein schwuler Priester mit seinem Mann im Pfarrhaus leben darf, dann reden wir nochmal. Aber keinen Tag früher. (Und auch dann reden wir nicht mit Leuten, die so viel Schuld bei Kindesmissbrauch auf sich geladen haben und so viel Elend und Leid zu verantworten haben.)
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