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Homophobe Polizeimeldung

Für die bayerische Polizei ist das Wort "schwul" eine Beleidigung

Im oberfränkischen Naila stritten sich zwei Männer in einem Wirtshaus, dabei fiel das Wort "schwul". Die Polizei zeigt indirekt Verständnis für die gewaltsame Reaktion des "Opfers".


Symbolbild: BMW der bayerischen Polizei (Bild: Christian Allinger / flickr)

Naila ist eine Stadt in Oberfranken mit rund 7.600 Einwohner*innen, heute habe ich zum ersten Mal von ihr gehört. Denn die Polizei vermeldete eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern in einem Nailaer Wirtshaus, dabei fiel das Wort "schwul". Gegen beide nun wegen Körperverletzung und Beleidigung ermittelt.

Das vermutlich bierselige Gerangel im Frankenwald ist nicht wirklich einen eigenen Bericht auf queer.de wert. Sehr wohl aber die offizielle Polizeimeldung zum Vorfall, die vor Homofeindlichkeit strotzt.

Im Wortlaut heißt es darin:

Am Samstagabend kam es in einer Gaststätte in Naila zu einer verbalen Auseinandersetzung mit Beleidigungen zwischen zwei männlichen Gästen im Alter von 51 und 36 Jahren. Unter anderem fiel eine Beleidung, dass der andre Gast "schwul" sei. Dies missfiel dem Kontrahenten natürlich. Daraufhin packte er sein Gegenüber am Jackenkragen, brachte diesen zu Boden und hier erfolgte ein leichtes Gerangel. Nun wird wegen Körperverletzung und Beleidigung gegen die beiden Herren aus Naila und Hof ermittelt.

Es mag ja sein, dass es noch immer hetero Männer gibt, für die Schwulsein eine ganz schlimme Beleidigung ist, die dann "natürlich" sauer werden und einige sogar handgreiflich. Meinetwegen können die sich gerne im Wirtshaus prügeln und anschließend wegen Körperverletzung verknackt werden, nüchtern im Polizeidienst haben sie aber nichts zu suchen. Welches Opfer homofeindlicher Gewalt erstattet schon gerne Anzeige bei einem Beamten, der beim Wort "schwul" in Panik gerät und beim Verfassen einer Pressemeldung überreagiert wie die Dumpfbacken in der Kneipe?

Bereits 2012 urteilte das Landgericht Tübingen, dass die Bezeichnung als "homosexuell" nicht ehrverletzend ist und als wertneutrale Äußerung keine Beleidigung darstellt – auch dann nicht, wenn die aussprechende Person sie beleidigend meint (queer.de berichtete).

Zehn Jahre später sollte sich das auch auf dem Polizeirevier in Naila herumgesprochen haben.



#1 qwertzuiopüAnonym
  • 30.01.2022, 14:36h
  • ps: wenn mich jemand in homophober absicht als "schwul" bezeichnet, empfinde ich das übrigens schon als beleidigung.
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#2 dellbronx51069Anonym
  • 30.01.2022, 17:23h
  • Es kommt ja immer auf den Kontext, die Absicht und die Situation an.
    Es ist halt Franken !
    Ich erinnere mich als ich mit meinem Mann mal vor Jahren durch die Gegend fuhr. Am Ortseingang eines Kaffs wurden wir von einem WK II Stahlhelm begrüßt den dort jemand mit einem Schild " Unseren Helden" befestigt hatte. Auf der Suche nach einem Mittagessen entschlossen wir uns dann doch zur Weiterfahrt.
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#3 MarcAnonym
  • 30.01.2022, 18:20h
  • Hinterwäldler in Uniform - an den typisch bayrischen Klischees ist eben leider doch nach wie vor was dran. Oans, zwoa, hirnlos. Und auch wenn einen das schon lange nicht mehr überrascht, ist es trotzdem ärgerlich und erschütternd rückständig. Jedes Mal wieder.
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#4 ddddAnonym
  • 30.01.2022, 18:38h
  • Wir brauchen dringend einen Tatort mit zwei schwulen Kriminalkomissaren, die sich ineinander verlieben und offen eine Liebesbeziehung miteinander haben. Vielleicht klappt es dann auch bei der bayerischen Polizei mit der Akzeptanz queerer Menschen.
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#5 HanseatAnonym
  • 30.01.2022, 20:25h
  • 1. Der Text ist leider weeeeeit unter dem Niveau, was ich von Queer.de gewohnt bin. Statt einer Diskussion, ob und wie weit "schwul" noch eine Beleidigung darstellt/darstellen sollte/ darstellen kann, oder eben halt gerade nicht, werden hier Mitarbeiter*innen der Polizei pauschal als homophobe Dumpfbacken bezeichnet.

    2. Ich schließe mich dem 1. Kommentar an, "schwul" kann sehr wohl als Schimpfwort gebraucht werden. Was ja gerade das Problem auf vielen Schulhöfen lange war und wahrscheinlich noch immer ist.

    3. Die Pressemitteilung ist unglücklich formuliert. Warum ist es "natürlich" ehrenrührig, wenn jemand schwul genannt wird? Gab es in dem Kontext noch mehr Informationen, die der/die Verfasser*in zwar hatte aber bewusst nicht in die PM eingearbeitet hat?
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#6 WayneAnonym
  • 30.01.2022, 22:08h
  • Verstehe den Artikel auch nicht. Selbstverständlich kann der Begriff als Beleidigung benutzt werden. Es kommt immer darauf an, wer es aus welchem Grund zu wem sagt.

    Ein einfacher Merksatz hilft vielleicht:
    Wenn du zum Galgen gehst und Witze machst, ist es Galgenhumor. Wenn jemand anders zum Galgen geht und du Witze machst, bist du Teil der Hinrichtung.

    Mir hätte das Wort vielleicht auch missfallen. Es kommt aber genau darauf an, wer das zu mir sagt und mit welcher Absicht. Von daher habe ich am Polizeibericht pauschal auch nichts auszusetzen.
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#7 SWATklinNZProfil
  • 30.01.2022, 23:40hAhipara
  • Anstatt wegen jeder ähnlichen Kleinigkeit auf der Polizei rumzuhacken, könnte man auch froh darum sein, wenn die bei solchen Vorkommnissen überhaupt reagieren. Okay, das müssen sie, wenn sowas zur Anzeige kommt. Der Text, ob nun Jener, der in dieser Meldung festgehalten wurde, oder Jener, der darüber berichtet, könnten auf der Rückseite eines Bierdeckels festgehalten worden sein. Wohl wurden sie seither nicht vervollständigt. Sonst hätte da gestanden, dass eine Beleidigung fiel, in deren Inhalt der Ausdruck "schwul" abwertend verwendet wurde. Das hätte uns vermutlich verraten, was in etwa gemeint gewesen sein könnte.

    Deutsch ist eine Sprache, die viel Punktgenauigkeit ermöglicht. Woran liegt es denn eigentlich, dass gefühlt nur wenige Einheimische sie wirklich gut sprechen?
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#8 ButenbremerAnonym
  • 31.01.2022, 08:29h
  • Für mich macht es immer noch einen Unterschied, ob ich mich schwul bezeichne oder jemand anderes sagt, der ist schwul. Das Wort homosexuell ist eine korrekte Bezeichnung und kann sicher nicht als Beleidigung bezeichnet werden, aber "schwul" wird weiterhin als Schimpfwort und zur Beleidigung genutzt. Das hat sogar die Polizei im Frankenland richtig erkannt.
    Natürlich... Beleidigung!
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