Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?41054

Kommentar

"Liebe wen Du willst" muss sofort seine Arbeit einstellen!

Trotz immer neuer Vorwürfe und offensichtlicher Uneignung bietet sich der Verein weiter als Anlaufstelle für junge queere Menschen in Krisensituationen an. Damit muss Schluss sein, meint Norbert Blech.


Die aktuelle Webseite des Vereins wirkt professionell

Nach wochenlanger Kritik mit immer neuen Vorwürfen hat der Gründer und Vorstand des Vereins "Liebe wen Du willst", Steve Hildebrandt, am Montag als Reaktion ein weiteres Video-"Statement" veröffentlicht. Es ist zunächst sein Recht, sich gegen Beschuldigungen und Mutmaßungen zu wehren und seine Sicht der Dinge darzustellen.

Wenn er aber auf Beschuldigungen im teils privaten Bereich den offiziellen TikTok- und Instagram-Kanal des Vereins nutzt, dabei nur ansatzweise reflektiert auf den "Shitstorm" antwortet und dazu noch Beschuldigungen gegen ehemalige Ehrenamtliche und Personen aus seinem privaten Umfeld aufstellt, zeigt er abermal, dass er den Verein nicht führen kann. Erst recht nicht einen Verein, der sich unter anderem als Anlaufstelle für Opfer von "Sexual-/ Gewaltdelikten" anpreist.


"Liebe wen Du willst" verkauft sich als Anlaufstelle für queere Menschen in Krisensituationen und bei Gewalterfahrungen und ist vor allem in den sozialen Netzwerken TikTok und Instagram aktiv

Schließlich fehlt am Ende des Videos vor allem ein Rücktritt – der längst völlig unabhängig der Sachlage hätte erfolgen müssen, um weiteren Schaden vom ohnehin schon schwer beschädigten Verein und seinem eigentlichen Anliegen abzuwenden. Queere Betroffene von Gewalt und Ausgrenzung, in der Vereinspraxis wohl vor allem Jugendliche, stehen in dessen Mittelpunkt, nicht Ehre und Persönlichkeitsrechte eines Vorstands.

Vorwürfe und Bedenken ohne Ende

Grund des neuesten "Statement"-Videos sind möglicherweise von Hacker*innen veröffentlichte, aus unklaren Quellen stammende Materialien. Die zwei wichtigsten gehören eigentlich aus mehreren Gründen zunächst nicht in die Öffentlichkeit und sind unter Wahrung von Presserecht und Persönlichkeitsrechten aller Beteiligten schwer aufgreifbar. Obwohl beides, ein rund 20 Jahre altes, ausländisches Gerichtsurteil gegen Hildebrandt und ein recht aktuelles Video aus einer Privatwohnung, das Gewaltanwendung durch ihn gegen eine junge Person zeigt, nur in selektiven Ausschnitten veröffentlicht wurden, nutzten das einige Menschen in sozialen Netzwerken für einen sehr gewagten Indizienprozess gegen ihn, bei dem ein unendliches Gemenge an Gerüchten und Beschuldigungen als Fakten dargestellt wurden – ohne Verteidigung, aber mit öffentlicher Verurteilung. Ein Hacker führt sich als Kinderschützer auf, dem jedes Mittel Recht ist und der viele Grenzen überschreitet.

Diese Materialien hätten an Behörden und an Medien mit ausreichend Recherchekompetenz und -möglichkeiten gehen müssen, zwecks einer gründlichen und seriösen Überprüfung des Vereins und ihres Gründers. Abseits der Frage, wie man sie wo mit welchen Folgen artikulieren kann und sollte, wecken die Materialien zugleich sehr ernste und sehr berechtigt wirkende zusätzliche Bedenken über den Verein und seinen offensichtlich im Mittelpunkt stehenden und nicht weichen wollenden Boss – der für diese Arbeit aus diversen Gründen gänzlich ungeeignet erscheint. Sein "Statement" löst alle diese Bedenken nicht auf.

Eine eventuelle Klärung durch Behörden und Gerichte wird Zeit in Anspruch nehmen, während immer neue berechtigte oder unberechtigte Vorwürfe aufgestellt werden. Das ist für den Verein nicht tragbar. Er kann derzeit nicht als Anlaufstelle dienen, er kann als solche nicht empfohlen werden. Das galt bereits vor den "Hacks": Die ursprünglichen Vorwürfe – darunter die Vortäuschung von Kooperationen, das Übertragen von "Notfall- und Krisenmanagement" an Jugendliche und ein öffentliches Lächerlichmachen von Personen, für die der Verein da sein will, und ihrer Anliegen zur Nutzung von Pronomen – hätten in einem seriös handelnden Verein eine umfassende Reflektion der Führung und eine Pausierung, Neuorientierung und Professionalisierung der Arbeit zur Folge gehabt. Eigentlich hätte auch der geschlossene Rückzug der bereits damals unverantwortlich Handelnden folgen müssen.

Verein und Vorstand wollen weiter machen

Die Berechtigkeit dieser Kritik, zuerst neben weiteren Mutmaßungen erhoben von einigen einflussreichen Personen in sozialen Netzwerken und dann unter anderem aufgegriffen vom Queerbeauftragten der Bundesregierung, war dabei für praktisch jeden Menschen außerhalb des Vereins offensichtlich. Der Verein reagierte hingegen mit absurd trotzigen Reaktionen, Pseudo-Reue und -Verständnis, Whataboutism und Androhungen von Strafanzeigen. Offenbar gab es niemand im Vorstand, im Team und im Verein, der dieses Verhalten und diesen weiteren Beweis von Unprofessionalität stoppen konnte – und offenbar bleibt das so: Das neuste Video zeigt, dass nichts besser wurde.

Hildebrandt hat es selbst im Namen des Vereins aufgenommen. Dabei hätte eigentlich eine andere Person das Ruder übernehmen müssen, während er pausiert, bis die Vorwürfe geklärt sind. Offenbar lassen sich weder in der Arbeit noch in der Kritik Verein und Gründer voneinander trennen. Sein Team stehe geschlossen hinter ihm, behauptet Hildebrandt im aktuellen "Statement", man bleibe am Ball, will also weitermachen wie bisher.

Ohne jemanden damit persönlich vorverurteilen (oder entlasten) zu wollen: Dazu kann es nur ein klares Nein geben. Der Verein kann einfach nicht mehr weiterarbeiten, hat seinen Namen und jedes Vertrauen verspielt und verdient keines mehr. An seiner Führung und Arbeit darf es angesichts der sensiblen Aufgaben keinerlei Zweifel geben. Stattdessen verrät aktuell noch die Berliner Polizei gegenüber "Volksverpetzer", dass es wegen "Strafermittlungsverfahren gegen den Verein selbst und Mitglieder" keine Zusammenarbeit mehr gebe. Der Gedanke, junge Menschen in Krisensituationen würden sich weiter an "Liebe wen Du willst" wenden, lässt erschaudern.

Instagram / frauloewenherz.official | Leonie Löwenherz, die als erste ausführliche Kritik an "Liebe wen Du willst" äußerte, und Lars Tönsfeuerborn, der diese reichweitenstark aufgriff, wollen in Kürze nach Gesprächen unter anderem mit ehemaligen Teammitgliedern des Vereins und von ihm betreuten Personen neue Recherchen veröffentlichen, die zugleich "rechtssicher" und unter dem Schutz der Betroffenen geschehen sollen
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Es gibt andere Anlaufstellen virtuell und in der realen Welt für queere Menschen, und manche ehrenamtliche Person aus "Liebe wen Du willst" – um die sich der Vorstand im "Statement" angeblich sorgt, die er aber in der Praxis beschädigt – könnte dort eine neue Heimat finden. Aber für "Liebe wen Du willst" muss Schluss sein, der angeblich gemeinnützige Verein muss aus dem Vereinsregister ebenso fliegen wie aus sozialen Netzwerken, wo er sich weiter als Anlaufstelle präsentiert. Es stünde der Vereinsführung gut an, diesen Schritt selbst zu entscheiden. Sofort.



#1 Gnurfel42Anonym
  • 01.02.2022, 13:24h
  • »Eine eventuelle Klärung durch Behörden und Gerichte wird Zeit in Anspruch nehmen, während immer neue berechtigte oder unberechtigte Vorwürfe aufgestellt werden. Das ist für den Verein nicht tragbar. Er kann derzeit nicht als Anlaufstelle dienen, er kann als solche nicht empfohlen werden.«

    Sorry, aber DAS ist KEIN gutes Argument gegen den Verein, sondern das ist das Prinzip »Schuldig bei Anklage«. Solche Formulierungen sind ganz schlechter Journalismus und reine Vorverurteilung, bevor die Fakten da sind. Eine gefährliche Unlogik.
    Transfeinde regen sich auch immer über Stonewall auf; nach der Logik wäre Stonewall ebenfalls automatich böse, weil irgendjemand sich darüber aufregte.

    Der Verein, um den es geht, ist trotzdem Scheiße, aber aus anderen Gründen. Man muss sich nur die absurden Statements und Videos zum Thema Pronomen und Enbies ansehen, das reicht vollkommen aus, um zu wissen, dass man Abstand nehmen sollte, und das sind ja auch handfeste Fakten und keine Spekulationen.

    Vielleicht stellen sich die neuen Vorwürfe als wahr heraus, vielleicht aber auch nicht. Wir wissen es halt noch nicht.
    Also bleiben wir doch bitte bei den Fakten, OK?

    Und wie gesagt, die Fakten, die wir jetzt schon haben, sprechen bereits eindeutig GEGEN den Verein, es braucht da keine Vermutungen noch obendrauf.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Lucas3898Anonym
  • 01.02.2022, 14:04h
  • Da wird doch normalerweise das Führungszeugnis geprüft wenn jemand mit Kindern und Jugendlichen arbeitet?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PhoebeEulenbaerAnonym
#4 koernchenAnonym
  • 01.02.2022, 19:36h
  • Antwort auf #1 von Gnurfel42
  • "Sorry, aber DAS ist KEIN gutes Argument gegen den Verein, sondern das ist das Prinzip »Schuldig bei Anklage«. Solche Formulierungen sind ganz schlechter Journalismus und reine Vorverurteilung, bevor die Fakten da sind. Eine gefährliche Unlogik"

    Ich denke dass die Schlussfolgerung dass der Verein keine Anlaufstelle ist sich auf ALLES bisher passierte bezieht und nicht "nur" auf die laufenden Ermittlungen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 koernchenAnonym
#6 Maik34Anonym
#7 femme banaleAnonym
  • 03.02.2022, 20:52h
  • Antwort auf #6 von Maik34
  • wobei auch angemerkt werden muss, dass er selbst beim einräumen der vorwürfe gleich wieder versucht, alles kleinzureden und zu relativieren. so geht es im mutmasslichen urteil um mehrere geschädigte, während es sh als eine einzelne person betreffend darstellt. wie seine wiederholt geäusserte aussage, er habe ja selbst damals sehr jung ausgesehen, einzuordnen ist, dürfte jedem halbwegs ethisch denkenden menschen selbst klar sein.

    ein mensch mit dieser vorgeschichte, der aktuell erneut mit einem sehr jungen partner zusammenlebt, den er wohl auch über den verein kennengelernt hat und mit dem er zusammenkam, bevor dieser volljährig wurde, sollte keinen verein für queere jugendliche in krisensituationen leiten. jede halbwegs professionelle und die pädagogische verantwortung ernstnehmende organisation hätte sich schon längst von so jemandem wie sh losgesagt. dass dies nicht geschehen ist, offenbart erneut wie ungeignet dieser verein für die von ihm ausgeübte aufgabe ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 thommy_thomsenAnonym
  • 18.04.2022, 12:48h
  • Ich habe es damals für gut empfunden als ich von LWDW gehört habe bzw gesehen habe.

    AAABER nachdem ich gewisse Sachen gehört und gesehen habe bin ich der Meinung dass dieser Verein aufhören muss vor allem mit Steve als Gründer/Vorstand

    Ich finde es sehr fragwürdig dass ein Steve der wegen sexuellen Übergriffe an wesentlich jüngeren angeklagt wurde jetzt so ein Verein hat gründen dürfen.

    Er macht sich in gewissen Videos lustig über queere jugendlichen verspottet sie und ihre Einstellung und denen ihre Probleme dieser Verein soll doch eine Anlaufstelle sein für genau sowas und wenn man selbst da verspottet und/oder nicht ernst genommen wird ist dieser Verein einfach nur ein Trauerspiel

    Selbst dass sie sagen dass die mit der Kriminalpolizei Berlin und so weiter zusammenarbeiten aber diese dies widerlegen ist echt schon krass.

    Und vor allem wird mir schlecht bei dem Gedanken dass Steve nur ne halbe Stunde von mir entfernt wohnt oder gewohnt hat
  • Antworten » | Direktlink »