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Kommentare zu:
Dr. Sommer und die verboten geile "Bravo"


#1 ZeitungsmannAnonym
  • 02.02.2022, 09:26h
  • Als Jugendlicher, der in dieser Zeit mit der "Bravo" konfrontiert wurde, war diese Zeitung für mich uninteressant. Meine Klassenkameraden dagegen haben sicherlich auf die Bildchen mehrmals onaniert. Denn Jungen wurde zu der Zeit noch nicht so freizügig dargestellt.

    Was allerdings der Autor nicht erwähnt, das ist das gesellschaftliche Umfeld. Da kursierten die Alois-Brummer Filme wie "Schulmädchenreport 17. Teil", "Liebesgrüße aus der Lederhose"," das gelbe Haus am Pinnasberg". Diese lächerlichen Filmchen trieben dem bundesdeutschen Spießer die Schweißperlen auf die Stirn. An dieser "Sex-Welle" wurde kräftig verdient.

    Für schwule Jugendliche jedoch war es die Hölle. Von wegen sexueller Befreiung, die galt nämlich nur der Enttabuisierung von heterosexueller Aktivität. Die Homosexualität wurde dagegen als "abartig" klassifiziert, weil das ja nur Typen waren, die noch keine richtige Frau gefunden hätten, die es ihnen mal so richtig besorgt. An der Schule war nur von Heterosex die Rede, "schwul" war ekelhaft und wer da mal etwas mit einem Kumpel ausprobierte wurde geächtet, wenn es herauskam.

    Das ist für nachfolgende Generationen nicht mehr nachvollziehbar. Es ist aber eine historische Tatsache. Insofern war die "Bravo" absolut kontraproduktiv und wird heute nostalgisch verklärt. Die vermeintliche "homosexuelle" Phase galt nur als entschuldigenswerte Abweichung vom "normalen und richtigen" Sex. Toleranz sieht anders aus. Im Gegenteil, es war Unterdrückung im linksmodischen Gewand.

    Heute jedoch frage ich mich, was denn wohl passieren würde, wenn ein nackter Junge oder ein nacktes Mädchen in der damaligen Form präsentiert würde? Das Geschrei der Berufskinderschützer nach Verbot und Staatsanwalt wäre ohrenbetäubend.

    Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, wir würden heute in einer toleranteren Gesellschaft leben?
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#2 AyidaProfil
  • 02.02.2022, 10:12hHessen
  • Antwort auf #1 von Zeitungsmann
  • Die Bravo hat "zu meiner Zeit" vor 6-9 Jahren nach wie vor Naktmodels gehabt. Das waren immer ein Junge und ein Mädchen so zwischen 18-21. Wie das heute ist weiß ich nicht. Aber Zeitschriften sind ja sowieso nicht mehr relevant für junge Leute. Ich gehöre wahrscheinlich zur letzten Generation, die als 12-14 Jährige noch Bravo (und die Konkurrenz Popcorn) gelesen hat. Ich erinnere mich noch an Artikel wie man sich als Mädchen anziehen sollte um Jungs zu gefallen oder ähnliches. Auch in den 2000ern richtete sich diese Zeitschrift fast ausschließlich an Heterosexuelle. Daher haben mich die meisten Artikel nicht interessiert. Immerhin hatte ich diverse Poster von Emma Watson und anderen weiblichen Stars aus der Bravo über meinem Bett hängen.
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#3 LothiAnonym
  • 02.02.2022, 10:55h
  • Für mich war die Bravo eher ein unbedeutendes Blatt. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Film Christiane F darin wie ein Film mit Bildfolgen und Sprechblasen darin abgebildet wurde. Ich sah mich auf den Photos wieder. Meine kleine aber doch wichtige Rolle im Film war die des Rolf. Ein Freund von Detlef.
    Kaum waren diese Filmbilder in der Bravo draußen, wurde ich tatsächlich von zwei jungen Teenagerinnen zuhause angerufen. Sie wollten von mir unbedingt ein Autogramm haben. Ich lehnte dankend ab. Diese Ausschnitte habe ich immernoch zusammen mit den Filmvertrag sorgfältig aufbewahrt.
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#4 DreddAnonym
#5 HanseatAnonym
#6 Lucas3898Anonym
#7 PetterAnonym
  • 02.02.2022, 14:00h
  • Antwort auf #2 von Ayida
  • >>>Die Bravo hat "zu meiner Zeit" vor 6-9 Jahren nach wie vor Naktmodels gehabt.<<<

    Das ist leider ein weiterer trauriger Beleg, dass es wieder einen konservaten Rollback gibt.

    Ich kann mich auch noch gut an die Jugendlichen/jungen Erwachsenen erinnern, die komplett nackt zu sehen waren und über ihre sexuellen Erfahrungen interviewt wurden.

    Das fand und find ich unglaublich wichtig, denn im Internet sehen interessierte Pubertierende ja nur irgendwelche Models und Pornostars und keine normalen Körper. Da auch mal Leute zu sehen, die ein paar Kilo zu viel auf den Rippen haben, die eine Narbe haben, etc. ist unglaublich wichtig, damit man sieht, dass normale Körper eben auch mal nicht perfekt sind. Und gerade bei Jungs, die sich ständig Sorgen machen, ihr Penis sei zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, oder was auch immer (und bei Mädchen vermutlich analog mit den Brüsten) ist es für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls enorm wichtig, dass sie sehen, dass es eben nicht den einen perfekten Penis gibt, sondern eine große Varianz und dass all das normal ist. Oder auch mal zu lesen, dass beim Sex vielleicht auch mal was schiefgelaufen ist, etc.

    Aber obwohl diese Rubrik so wichtig war, gibt es sie nicht mehr in der Bravo. Und heutzutage würden wohl gleich irgendwelche "besorgten Bürger", "Fundi-Religiöse" o.ä. einen Aufschrei starten.

    Der beste Beleg, dass der Rollback in vollem Gange ist.
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#8 WanndererAnonym
  • 02.02.2022, 14:22h
  • Antwort auf #7 von Petter
  • Kann mich auch noch daran erinnern. Vor einem der Bilder hatte ich fast "Angst", weil der so einen großen hatte.^^
    Ich glaube, sie haben generell die Zeitschrift sehr zurückgefahren, weil sie auch nur noch einmal im Monat erscheint. Und ich nehme an, weil sie sich auch dachten, dass Nackte nichts ungewöhnliches mehr sind.

    Zu meiner Zeit (00er) gab es aber auch immer mal Fragen zur Homosexualität in der Bravo. Wenige, aber es gab sie.

    Seltsam war nur die Berichterstattung, als es darum ging, ob einer von den Jungs von US 5 schwul sein könnte.
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#9 StaffelbergblickAnonym
  • 02.02.2022, 14:49h
  • ja ja ... die BRAVO, ich habe mir die nie gekauft, aber wenn sie auslag so einiges gelesen:
    Interessant finde ich in diesem Inzidierungsbescheid "... gemeinsam onaniert ... noch nicht geschlechtsreif..". Die Äusserung sollte wir uns mal auf der Zunge zergehen lassen .. wer hat denn wann angefangen zu onanieren, wie haben wir dabei unseren Penis empfunden. Ich kann jedenfalls für mich sagen ... das da frühmorgens immer so ein dickes fettes Ding war, welches mich beim Aufstehen störte. Und immer "furchtbar juckte". Schlimmer wurde es, als ich mal mit einem Mitschüler auf einer Schultoilette "daran rieben" und der Mitschüler ausrief "... oh Deiner spuckt..." und plötzlich die Hand voll hatte. Worauf ich hinaus will: in dem Moment eines prall erigierten Penis ist die Geschlechtsreife definitiv ausgeprägt.
    Das im Artikel gezeigte Foto mit den beiden jungen Frauen ist ein typisches Foto der damaligen Zeit. David Hamilton war für seine "Softfotos" sehr junger Mädchen bekannt. Das Problem heute ... im worst case werden diese teilweise als Kinderpornografie interpretiert.

    In meinem Berliner Stammlokal "Flip-Flop" lag auch die BRAVO aus ... Das war die primäre Lektüre bevor wieder zu politischen Themen lautstark diskutiert wurde.
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#10 DreddAnonym
#11 PetterAnonym
  • 02.02.2022, 15:36h
  • Antwort auf #10 von Dredd
  • Und wer sagt Dir, dass das so ist?

    Fakt ist doch, dass gerade in Zeiten, wo man darüber diskutiert, dass Instagram-Posts mit zig Filtern Jugendlichen falsche Schönheitsideale näherbringen, solche unbearbeiteten Fotos gerade wegen ihrer fehlenden Spektakularität wichtiger denn je wären.

    Jemand der behauptet, solche Bilder seien im Internetzeitalter nicht mehr notwendig, versteht nicht, dass es dabei eben nicht um Pornographie ging, im Gegensatz zu den meisten Fundstücken im Internet.
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#12 DreddAnonym
  • 02.02.2022, 16:08h
  • Antwort auf #11 von Petter
  • War zwar auch nicht meine Aussage da ich schlicht darauf hingewiesen habe das es sich nicht lohnt zu produzieren was nicht angenommen wird, aber ok, das beiseite bleibt:

    Das zeigt eher auf wie du das Internet nutzt!

    Selbstredend ist es auch voller Pornografie, aber im Jahr 2022 zu behaupten man müsse auf Fotografien in Printmedien rückgreifen um ein gesundes Körperbild zu entwickeln zeigt doch eher eine völlige Dissonanz gegenüberstehen der Lebensrealität derer die davon angesprochen werden sollen !

    Und wo ist egtl dieses gesunde Körperbild abgeblieben ? Immerhin sind die Leser von damals die Erwachsenen von heute ?? Ich mein, "gesundes Körperbild" äußert sich heute das 40jährige Kerle mit Bierbauch sich beschweren das der 19jährige Leistungssportler sie "diskriminiert" weil er selbst entscheidet mit wem er Sex haben möchte !

    Dazu kommt: ich hab die Zeiten damals auch erlebt! Wenn da einer mit Übergewicht oder kleiner Ausstattung abgebildet war wurde nicht über "positives Körperbild" gesprochen, witze und "da würd ich mich gleich umbringen" Sprüche waren Standard.... n gesundes Körperbild entwickelt man aber generell nicht wenn die Eigenakzeptanz durch Vergleich gefördert werden soll !
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#13 KopfschüttelAnonym
#14 AyidaProfil
  • 02.02.2022, 17:29hHessen
  • Antwort auf #7 von Petter
  • Mal ganz davon abgesehen, dass die Bravo nie ein Advokat für Body positivity war, gibt es auf der Internetseite der Bravo Vagina, Brüste und Penis "Galerien". Die Bravo gendert inzwischen, zumindest auf der Website, und LGBTQ wird auch thematisiert. Das sieht für mich nicht nach einem konservativen Rollback aus, sondern eher eine Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse.
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#15 LothiAnonym
  • 02.02.2022, 17:39h
  • Antwort auf #13 von Kopfschüttel
  • Ich wurde damals von Freunden, die zum Filmset gehörten gefragt, ob ich beim Dreh zu Christiane F. mitmachen wolle. Ich sagte sofort zu, ohne genau zu wissen welch Rolle ich spielen soll. Der Film war damals in aller Munde. Ich hatte das Buch gelesen und so wußte ich was da auf mich zukam. Zu meinem Leidwesen wurde mir laut Drehbuch die Rolle des Rolf so zugeschnitten, als sei ich nur ein Freier von Detlef, der am Bahnhof Zoo anschaffen ging. Diese Scene gibt es im Film. Im Buch beschreibt Christiane F. Rolf als engen Freund von Detlef. Im Film sieht man mich auch mit Detlef zusammen zuhause im Bett beim Sex. Man sieht mich nur dreimal im Film.
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#16 Bravo-FanAnonym
  • 02.02.2022, 17:46h
  • Auf dem Bravo-Titelbild Nr. 7 ist der homosexuelle Schauspieler Amadeus August (1942-1992) abgebildet. Der in Breslau geborene Adonis wurde damals hauptsächlich als Frauenheld vermarktet bzw. gefeiert; er starb in München an den Folgen einer HIV-Infektion.
    Der Schauspieler Fritz Wepper (80) ziert das Bravo-Titelblatt Nr. 6; er hat mittlerweile mit etlichen Beschwernissen des Alters zu kämpfen. Denn alles hat nun mal seine Zeit. Die 'Bravo' war damals für viele Jugendliche Hilfe und Aufklärung zugleich. Sie war ein modernes Gegenstück zu Prüderie, Engstirnigkeit und kirchlich verordneter Sexualmoral - und eröffnete einen Blick in die Welt des Films, der Schlager & Popmusik und ihrer Stars. Für mich war damals jedes neue Heft ein kleiner Ausbruch aus der einengenden, überholten Kleinbürgerlichkeit der 1960-er Jahre. Etwas anderes gab es damals auch nicht. Da könnte man fast nostalgisch werden.
    Heute leben wir in einer anderen Zeit mit ganz anderen Möglichkeiten und Angeboten. Wobei in manchen Bereichen eine neue Prüderie und Verlogenheit wieder Einzug hält - oftmals getarnt als "fürsorglicher" Jugendschutz.
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#17 SWATklinNZProfil
  • 02.02.2022, 19:49hAhipara
  • Meine Cousine hatte die Bravo, aber natürlich fein säuberlich um diese seiten reduziert, das hat ihre Mutter nämlich vorher herausgetrennt und verbrannt. Da musste man sicjh das über Umwege besorgen, wenn man was davon lesen wollte. In die Fragen, die Jugendliche stellten, habe ich so im Alter 16, 17 mal Einblicke gehabt, das waren tatsächlich lehrreiche Texte für einen, der ansonsten damit konfrontiert stand, dass bestimmte Körperregionen von Grund auf böse, tabu oder unberührbar galten. So blieb das Gefühl, Verbotenes zu lesen, lange.

    Scarlatti hörte da schon kaum einer.
    Michael Jackson war noch ganz dunkel und hatte grade "Billie Jean" rausgebracht. Einmal später stieß ich auf Chesney Hawkes in Lederjacke und dachte, der kann nicht echt sein, so gut Aussehernde gibts doch nur im Film.
    In der näheren Umgebung gabs nur Männer, die mir nicht zusagten. Bierkrug stemmende Bauernsöhne. Wampe und stinkige Gummistiefel. Regelmäßig Sport hatten die noch nicht entdeckt. Man musste mindestens 25km weg, zum Sportplatz der BePo, wenn man richtig Leckere sehen wollte. Dabei blieb es unter verstohlen heimlichen Blicken.
    Dachte mir Wunder was über diese Bravo, und dann waren da nur Nackte drin! Eine Einsteigerhilfe für Gearheads war es nicht. Von den Verbotenen las ich später mal
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#18 SommertagAnonym
  • 03.02.2022, 12:51h
  • Ich finde es wichtig, bei diesem Thema zwei Dinge auseinanderzuhalten:

    Das eine ist der aufklärerische Bedarf nach einer realitätsnahe Darstellung von Sexualität und Nacktheit in einem für die Zielgruppe angemessenen Rahmen. Dazu gehört es nach heutigen Verständnis dazu, sowohl Homosexualität als auch Nicht-normative Körper zu inkludieren.

    (Wichtig ist aber auch der Schutz der Abgebildeten, gerade wegen der nahezu unbegrenzte Möglichkeit in der digitalen Welt, Bilder zu vervielfältigen und aus dem Kontext zu reißen. )

    Ein zweiter Aspekt ist die Art der Darstellung selbst, also die Frage, inwieweit eine Darstellung aufklärerisch und informativ ist, und ab wann sie nicht altersgerecht ist. Diese Einstufung ist einem historischen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen, aber immer noch relevant.

    Wenn man einen historischen Vorgang betrachtet, kommt die Schwierigkeit hinzu, den Kontext (auch den heterosexuellen) zu rekonstruieren.

    ---

    Die Überschrift zu dem Artikel ist etwas unklar. Es heißt einerseits, die Zensur habe wegen der Darstellung von Homosexualität und Onanie stattgefunden, andererseits heißt es in der Kopfzeile, dass die Begründung eher die (reißerische?) Art der Darstellung war.

    Ganz klar ist das nicht auseinanderzudividieren. Aber ich finde es schon relevant. Denn es versteht sich m.E. von selbst, dass für die Darstellung von Homosexualität weder im positiven noch im Negativen andere Toleranzgrenzen aufgestellt werden können. Deshalb wäre ein Vergleich mit der Darstellung von heterosexuellen Inhalten in der Bravo wünschenswert gewesen.
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#19 PeerAnonym
  • 03.02.2022, 17:47h
  • Kaum zu glauben, dass noch Anfang der 1970er (also schon nach den 1968er-Umwälzungen eine Zeitschrift indiziert wurde, weil sie über Selbstbefriedigung aufklärte.

    Glaubten die wirklich, Jugendliche würden es sich nicht selbst machen, wenn man das Thema tabuisiert?

    Nicht nur, dass das jeder macht, sondern es gehört auch zur Entwicklung einer gesunden Sexualität dazu.

    Gut, dass sich die Zeiten geändert haben. Auch wenn manche das Rad am liebsten wieder zurückdrehen würden. Das muss verhindert werden. In solchen Zeiten wollen wir nie mehr leben.
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#20 PeerAnonym
  • 03.02.2022, 18:03h
  • Antwort auf #14 von Ayida
  • Ja, auf der Webpage gibt es Penis-Galerien, etc. Aber im Heft wäre das mittlerweile undenkbar.

    Im übrigen sind diese "Galerien" wirklich auf das Geschlechtsteil selbst reduziert. Es ging ja gerade darum, nicht nur einen Penis zu sehen, sondern den ganzen Körper und auch mal zu sehen, wenn irgendwo ein paar Fettpölsterchen sind, eine Narbe oder sowas. Und dass die Leute auch sehen, dass das auch Menschen wie Du und ich sind.

    Penisse sieht man massenhaft im Internet. Brüste und Vaginas auch, wenn man drauf steht. Aber das in der Bravo war aufgrund der Ganzkörper-Aufnahmen und der begleitenden Interviews eben was ganz anderes.
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#21 daVinci6667
  • 03.02.2022, 18:55h
  • Antwort auf #19 von Peer
  • Och, das ging noch länger als nur bis in die 70er!

    Ich erinnere mich noch wie ich als 11jähriger in einem Arztbuch aus den 70ern von Readers Digest das zu Hause rumlag, übers Onanieren las. Das war die einzige Aufklärung die ich damals hatte.

    Da stand was von gefährlicher Unsitte. Harte Matratzen und eine eiweissarme Ernährung würden dagegen helfen. Es stand gar, onanieren könnte zur Homosexualität führen und man würde mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Solche Meinungen waren damals wohl Allgemeingut. Sekten sagen heute teilweise immer noch wichsen mache schwul. Wenn das doch nur stimmen würde!

    Nun ja. Die harten Matratzen und eiweissarme Ernährung halfen definitiv nicht. Doch ob ich deshalb schwul geworden bin? Müssten denn mittlerweile nicht bereits alle Männer schwul geworden sein?

    Oder legen Heteros tatsächlich nie Hand an sich?
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#22 RuntAnonym
  • 03.02.2022, 19:27h
  • Antwort auf #20 von Peer
  • Zu einer guten Sexualaufklärung und zum Entwickeln eines guten Körperbewusstseins gehört nicht nur, dass man mit "nackten Tatsachen" konfrontiert wird.

    Der Sexualwissenschaftler Kurt Starke (der auch zum Thema Jugend und Pornografie geforscht hat) hat das mal in einem Interview mit der taz ganz gut auseinandergedröselt, dass Nacktheit im Osten entkrampfter und weniger sexualisiert wahrgenommen wurde. Als die Westler mit ihrem mehr sexualisierten Blick an die FFK Strände kamen, zogen sich die Frauen an. "Sie wollten sich nicht zeigen, sie wollten sein".

    taz.de/Jungen-Leuten-im-Westen-kam-das-pervers-vor/!377841/

    Es gehört also immer auch immer eine Situation dazu. Da war die Bravo natürlich auch einseitig, weil Nacktheit dann doch eher in sexuellen Kontexten als optisches Mittel eingesetzt wurde.
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#23 LothiAnonym
  • 03.02.2022, 19:41h
  • Antwort auf #21 von daVinci6667
  • Und ob. Heteromänner legen sehr wohl Hand an sich. Nur reden sie zumeist nicht so offen darüber.
    Habe erst neulich ein sehr interessantes Gespräch mit einen 15 jährigen jungen Mann geführt. Dabei kamen wir unter anderem auch auf Sexualität zu sprechen. Umso mehr erstaunte mich wie offen der Heranwachsende mir darüber berichtete, wie er sich mit seinem engsten Freund auch übers Wichsen unterhält. Für ihn ist das ganz selbstverständlich.
    Zudem gestand er mir auch, wie sehr er auf lesbische Mangas steht. Zeigte mir sogleich Bilder auf sein Handy. Auch wußte er ausführlich alles über Schwule Mangas.
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#24 daVinci6667
#25 LothiAnonym
  • 04.02.2022, 09:24h
  • Antwort auf #24 von daVinci6667
  • Nebenbei bemerkt. Der junge 15 jährige Heranwachsende ist nicht schwul. Eindeutig nicht. Er ist der Sohn vom Vietnamesen bei dem ich im Lokal Stammgast bin. Er ist ein sehr aufgeweckter, intelligenter Junge. Kennt sich gut aus auch was Transgender betrifft. Schon bemerkenswert.
    Das Reader Digest habe ich im meinem ganzen Leben nie angerührt oder gelesen. Den Zeugen Jehovas sagte mal offen ins Gesicht, als zwei von ihnen vor meiner Wohnungstür standen, dass ich schwul bin. Und nachdem ich ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte, sagte eine von ihnen: dagegen könne man doch was tun. Worauf ich die Wohnungstür wieder öffnete und diesen beiden wütend sagte: wenn ihr nicht sofort verschwindet vergesse ich mich noch und werfe Euch die Treppen runter. Ich blieb stehen und baute meinen gesamten Körper vor ihnen auf. Schnell gingen sie die 4 Etagen wieder runter.
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#26 RRuntEhemaliges Profil
  • 04.02.2022, 11:09h
  • Antwort auf #25 von Lothi
  • Es gab in den 70ern außer dem Reader´s Digest einen Bestseller, der eigentlich sehr fortschrittlich daherkam und in vielen Haushalten herumstand:
    David Reuben: "Alles was Sie schon immer über Sex wissen wolten, sich aber nicht zu fragen wagten" .

    (Der Buchtitel wurde später von Woody Allen parodiert).

    Das Verheerende war, dass das Buch, das eigentlich als Meilenstein der sexuellen Revolution angesehen wurde gegenüber Homosexualität heute völlig überkommene Vorstellungen hatte. Ich kann nur aus dem Gedächtnis zitieren, aber es wurde sinngemäß gesagt, dass, wenn man denn wolle, ein ganz glücklicher Heterosexueller werden könne. (Ansonsten verurteilte das Buch Homosexualität nicht, sah sie aber als eine ansonsten harmlose Abweichung an). Es ist ja merkwürdig, aber ich hatte damals schon meine Zweifel daran, vielleicht weil das Thema so knapp und lieblos behandelt wurde.

    In heutigen Internetzeiten kann man sich den Mangel an gut zugänglichem Wissen kaum vorstellen.
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