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Australien

Christliche Schule: Eltern müssen versichern, homophob zu sein

Eine Schule in Australien steht wegen extrem LGBTI-feindlicher Haltung in der Kritik. Laut einer Ex-Schülerin zeigte die Schule früher Kindern sogar Hinrichtungsvideos, um sie vor Homosexualität zu warnen.


1.700 Schülerinnen und Schüler gehen auf das Citipointe Christian College (Bild: Screenshot 7News)

Die Menschenrechtskommission des australischen Bundesstaates Queensland wirft der christlichen Schule Citipointe Christian College in Brisbane vor, gegen Antidiskriminierungsrichtlinien zu verstoßen. Grund ist ein am vergangenen Freitag an Eltern von Schüler*innen versandter Vertrag, den sie unterzeichnen müssen – darin müssen die Eltern unter anderem versichern, dass die gesamte Familie Homosexualität und transgeschlechtliche Menschen ablehnt.

In dem Vertrag wird unter anderem auch Homosexualität mit sexuellem Missbrauch von Kindern oder Tieren gleichgesetzt. So heißt es darin: "Wir glauben, dass jede Form von sexueller Unmoral (einschließlich, jedoch nicht begrenzt auf, Ehebruch, Unzucht, homosexuelle Akte, Sodomie, Inzest, Pädophilie und Pornografie) sündig ist, Gott beleidigt und sich zerstörerisch auf menschliche Beziehung und die Gesellschaft auswirkt." Zudem droht allen Schüler*innen, die sich nicht gemäß ihres "biologisches Geschlechtes" verhalten, der Rauswurf.

Die Privatschule, die von einer evangelikalen Pfingstkirche getragen wird, unterrichtet derzeit 1.700 Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur zwölften Klasse. Sie verlangt hohe Schulgelder – so müssen die Eltern von Oberstufenschüler*innen 12.600 Dollar (8.000 Euro) pro Jahr an die Einrichtung überweisen.

"Das ist gesetzeswidrige Diskriminierung"

Die Menschenrechtskommission Queensland erklärte, die Schule verstoße gegen die Antidiskriminierungsrichtlinien des Bundesstaates, die auch für weltanschauliche Bildungseinrichtungen gelte. Demnach dürfe niemand wegen seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert werden: "Jemanden der Schule zu verweisen, zu maßregeln oder schlecht zu behandeln wegen dieser Charakteristika ist gesetzeswidrige Diskriminierung in Queensland", teilte die Behörde mit. "Schulen können sich nicht ihrer Verpflichtungen gegenüber den Antidiskriminierungsgesetzen freikaufen, indem sie Eltern und Schüler in einem Vertragswerk auffordern, diesen diskriminierenden Regeln zuzustimmen."

Auch Landesbildungsministerin Grace Grace, selbst Mutter eines nichtbinären Kindes, zeigte sich entrüstet über die LGBTI-Feindlichkeit der Schule. In einer Pressekonferenz musste die Sozialdemokratin Tränen zurückhalten, als sie darüber sinnierte, wie ihr eigenes Kind von der Schule behandelt werden würde.

Direktlink | Bericht des Fernsehsenders ABC mit dem Statement von Ministerin Grace Grace
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Vorwurf: Kindern wurden brutale Gewaltvideos als Abschreckung gegen Homosexualität gezeigt

Unterdessen berichten mehrere ehemalige Schüler*innen über LGBTI-Feindlichkeit in der 1978 eröffneten Bildungseinrichtung. Eine Schülerin erinnerte sich gegenüber "7News" etwa daran, dass sie in den Neunzigerjahren im Unterricht als Acht- oder Neuntjährige Videos gezeigt bekam, die Hinrichtungen durch die Guillotine zeigten – damit sollten die Schüler*innen vor Homosexualität gewarnt werden. Ein Schulvertreter nahm laut "7News" auf Anfrage keine Stellung zu diesem Vorwurf.

Die Schule verteidigte ihre Haltung in einer Pressemitteilung: Grundlage seien "die Lehren der Bibel, in der es heißt, dass die Ehe von Gott als Verbindung zwischen Mann und Frau eingerichtet wurde". In der Heiligen Schrift werde auch kein Unterschied "zwischen Gender und biologischem Geschlecht" gemacht. Dieses "christliche Ethos" wolle die Schule aufrecht erhalten. In dem Papier wird ferner behauptet, dass man Schülerinnen und Schüler nicht "auf der Grundlage ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität" bewerte und dass dieser Faktor nicht über eine Anmeldung entscheide.

Unterstützung könnte Citipointe von der konservativen Bundesregierung in Canberra bekommen: Sie arbeitet derzeit an einem Gesetz, das glaubensbasierten Einrichtungen die Diskriminierung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten ausdrücklich erlauben und damit regionale Antidiskriminierungsbestimmungen aushebeln würde (queer.de berichtete).

Über das Verhalten der christlichen Schule haben inzwischen Medien in vielen Ländern berichtet. Eine Petition, in der die Schule aufgefordert wird, sich an die Antidkiskriminierungsrichtlinien zu halten, ist inzwischen von mehr als 150.000 Menschen unterzeichnet worden. Darin heißt es: "Citipointe nutzt religiösen Glauben dazu, um offen queere und trans Schüler zu diskriminieren. […] Unterzeichnen Sie die Petition, um Citipointe zu zeigen, dass wir diese offensichtliche Trans- und Homophobie nicht akzeptieren."



#1 gastAnonym
  • 02.02.2022, 13:50h
  • Australien kann man seit einiger Zeit nicht mehr "einschätzen". Ich erinnere mich noch an Zeiten als das Land - mit Berechtigung - als das zweite "gelobte Land" genannt wurde.
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#2 PetterAnonym
  • 02.02.2022, 14:03h
  • "[,,,] zeigte die Schule früher Kindern sogar Hinrichtungsvideos"

    Mal ganz abgesehen davon, dass diese Einstellungen diskriminierend sind und Schülern schaden. Aber spätestens wenn dann auch noch Hinrichtungsvideos gezeigt werden, ist klar, wie verstörend das ist. DIE sind es, die Kindern schaden.

    Diese Schule sollte sofort geschlossen werden und alle Beschäftigte, die das ja offenbar mitgetragen haben, Berufsverbot bekommen und nie mehr auf Schüler losgelassen werden.
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#3 AllesEineSuppeAnonym
  • 02.02.2022, 15:05h
  • Da sieht man, was abrahamitische Religiöse machen, wenn sie denken, sie könnten.
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#4 DreddAnonym
  • 02.02.2022, 15:06h
  • Puh, ich denke so jede*r der um 2000 rum Teenie war kennt dieses Enthauptungsvideo (....die Anfänge des Internets waren schon eine spezielle Zeit)

    Das als Lehrkraft zu zeigen ist schon ziemlich durch!
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#5 SakanaAnonym
  • 02.02.2022, 15:13h
  • Antwort auf #4 von Dredd
  • jop, die Hochzeiten der gore-Seiten...brrrr....

    Mir will immer noch nicht in den Kopf, wie man als Lehrkraft so krank im Kopf sein kann und Schüler:innen solche Videos im Unterricht zu zeigen, nur um einen argumentatorischen Punkt gegen was zu machen !? Das traumatisiert doch noch alle im Raum nachhaltig.

    Ich fange ja auch keine Religionsstunde damit an, dass ich erstmal sämtliche Hexenverbrennungsbilder aus der Frühen Neuzeit zeige und dann, wenn wir bei den islamischen Strömungen im 21. Jahrhundert angekommen bin, volle Kanne IS-Videos in voller Länge ins Klassenzimmer streame.... ich bin schon fast geneigt, eine psychologische Überprüfung solcher Lehrkräfte einzufordern.
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#6 Anton21Anonym
  • 02.02.2022, 17:08h
  • Antwort auf #5 von Sakana
  • Das Verbreiten von IS Propaganda ist allerdings auch nach § 86 StGB (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger und terroristischer Organisationen) bzw. 129a/b StGB. (Unterstützung terroristischer Vereinigungen im Ausland) strafbar.
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#7 MarkimarkeAnonym
  • 02.02.2022, 17:20h
  • Das müssen wohl diese christlichen Werte sein, von denen man immer mal wieder hört. Echt sympathisch dieser Verein.

    Sarkasmus beiseite: Im Markenrecht gibt es einen Grundsatz: Wer seine Marke nicht verteidigt, der verliert sie. Hier lautet die Marke: "Christentum".

    Wenn also diese Fanatiker den Begriff "Christentum" unbehelligt verwenden dürfen und es ihnen nicht maximal schwer gemacht wird, dann werden sie über kurz oder lang die Marke zugesprochen bekommen.

    Und wenn ich mich so umschaue... vermutlich werden nicht wenige der nach außen "gemäßigten" Christen sich heimlich sogar freuen, dass endlich mal wieder jemand für ihre "Werte" eintritt.
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#8 SakanaAnonym
  • 02.02.2022, 17:27h
  • Antwort auf #6 von Anton21
  • Glücklicherweise ist die Verbreitung von IS-Propaganda hier unter Strafe gestellt. Mein Beispiel war nur ein besonders extremes, um meine absolute Unverständlichkeit auszudrücken, was das Gewaltvideo in der australischen Schule anbetraf. Dass da niemand aktiv eingegriffen und die Ausstrahlung unterbunden hat, finde ich sehr schockierend.
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#9 KopfschüttelAnonym
#10 dellbronx51069Anonym
  • 02.02.2022, 20:04h
  • Wie sagen meine australischen Freunde immer: Es gibt Australier und es gibt Queensländer. Es kommt ja nicht von ungefähr das die Mordserie an etwa 80 schwulen Männern in Queensland in den 80er Jahren stattfand und bis heute nicht aufgeklärt wurde. Es scheint wohl so zu sein daß Australien mit den extremsten Corona massnahmen unter dem Evangelikalen Sco Mo jetzt diese die Situation dazu nutzt , die Uhren zurück zu drehen, im Übrigen wohl auch i.S. White Policy.
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