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Synodaler Weg

Katholik*­innen planen Reformen – erste Beschlüsse bis Samstag

Die katholische Kirche in Deutschland steht aktuell unter so großem Reformdruck wie wohl noch nie zuvor. Kommen jetzt Segnungen für homosexuelle Paare und eine Lockerung des Zölibats?


Auch Mitglieder von #OutInChurch zeigten am Donnerstag Flagge bei der Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt (Bild: Markus Gutfleisch)
  • Von Christoph Driessen u. Eva Krafczyk, dpa
    4. Februar 2022, 04:23h 2 4 Min.

Unter deutlich gestiegenem Erwartungsdruck hat am Donnerstag in Frankfurt am Main die dritte Synodalversammlung zur Reform der katholischen Kirche begonnen. Bis Samstag könnten dabei bereits erste konkrete Beschlüsse gefasst werden, betonte das Präsidium. Diskutiert werden zum Beispiel Segnungen für homosexuelle Paare, Mitsprache von Gläubigen bei der Bischofswahl und eine Lockerung des Zölibats. Den Reformbeschlüssen müssen allerdings immer auch zwei Drittel der Bischöfe zustimmen.

Die Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens und die damit verbundene Falschaussage von Papst Benedikt haben in der Kirche eine Atmosphäre der Dringlichkeit erzeugt. "München hat die Situation nochmal ernster gemacht, als sie es längst schon ist", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Donnerstag. Unabhängige Gutachter*innen hatten aufeinander folgenden Münchner Erzbischöfen und anderen Verantwortlichen Versagen beim Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch vorgeworfen.

Bischöfe für Abschaffung des Pflichtzölibats

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sprach sich kurz vor Beginn der Synodalversammlung für die Abschaffung des Pflichtzölibats aus . "Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen", sagte Marx der "Süddeutschen Zeitung". "Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären."

Bätzing schloss sich dem am Donnerstag an. Er sei nicht gegen den Zölibat, betonte er, aber er sei dafür, dass es den Priestern freigestellt werde, ob sie ehelos leben wollten. "Das war immer meine Überzeugung: Ich kann nicht sehen, dass nicht die Ehe und das Priesteramt eine gemeinsame Bereicherung für diesen Dienst und für das gemeinsame Leben von Eheleuten geben könnte", sagte Bätzing.

Auch der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz sagte in Berlin, er habe das Interview von Marx "mit großer Zustimmung" gelesen. "Ich begrüße das sehr, dass es diesen Prozess gibt." Eine Abschaffung der Kirchensteuer lehnte sowohl er als auch CSU-Chef Markus Söder ab. Solche Überlegungen seien "sehr, sehr zurückhaltend zu bewerten", sagte der bayerische Ministerpräsident.

Reformorientierten Kräfte in der Mehrheit

Die Abschaffung des Pflichtzölibats wäre nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller im Grunde gar keine so große Sache. "Das ist überhaupt nicht ketzerisch oder revolutionär", sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur. "Der Pflichtzölibat ist kein Glaubenssatz, sondern eine disziplinäre Norm und kann geändert werden, ohne in den Glaubensschatz der katholischen Kirche einzugreifen." Marx beschreibe nur, was in der Geschichte der katholischen Kirche viele Jahrhunderte gängige Praxis gewesen sei.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, wies darauf hin, dass die reformorientierten Kräfte in der Synodalversammlung deutlich in der Mehrheit seien. Sie zeigte sich optimistisch, dass das auch für die Bischöfe gelte: "Wir als ZdK sind dankbar, dass wir schon jetzt klar sehen, dass eine größere Zahl reformwilliger Bischöfe entschlossen sind, wirkliche Veränderungen voranzutreiben."

Der derzeit laufende Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland wird als Synodaler Weg bezeichnet. Ausgelöst worden ist das Bemühen um Erneuerung durch den Missbrauchsskandal. Der Synodale Weg umfasst vier Punkte: die katholische Sexualmoral, die Position der Frau in der Kirche, den Umgang mit Macht und den Zölibat, die priesterliche Ehelosigkeit. Die Synodalversammlung ist das zentrale Beschlussgremium des Prozesses.

Bischof Voderholzer sorgt für Eklat

Empörung erregte im weiteren Verlauf der Versammlung der erzkonservative Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Voderholzer verwies darauf, dass eine Strafrechtsreform von 1973 Kindesmissbrauch nicht mehr als Verbrechen gewertet habe, "und zwar auf der Basis von sexualwissenschaftlichen Urteilen, die davon ausgehen, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen die Vernehmungen wesentlich schlimmer sind als die im Grunde harmlosen Missbrauchsfälle". Dies müsse berücksichtigt werden, wenn heute über das Verhalten der Kirche in den 1970er und 80er Jahre geurteilt werde, sagte Voderholzer.

Mehrere Delegierte verurteilten Voderholzers Äußerung scharf. So sagte der Bochumer Theologe Matthias Sellmann: "Ich bin Vater von drei Kindern, und ich bin entsetzt, wenn ein Bischof der katholischen Kirche in Deutschland hier in dieser Öffentlichkeit sagt, die aufklärenden Gespräche mit Kindern seien schlimmer als der an sich harmlose sexuelle Missbrauch."

Voderholzer meldete sich daraufhin noch einmal zu Wort und versicherte, er sei missverstanden worden. "Ich halte die Verharmlosung des sexuellen Missbrauchs für verheerend", beteuerte er. Stetter-Karp sagte als Vorsitzende der Versammlung, sie sei froh, dass Voderholzer wenigstens versucht habe, seine Absicht zu erklären. Andernfalls wäre seine Wortmeldung eine "Grenzverletzung dessen, was wir inhaltlich tolerieren wollen", sagte Stetter-Karp.

-w-

#1 ViolaAnonym
  • 04.02.2022, 21:01h
  • Es mir völlig unverständlich, warum die katholischen Reformer solche Anstrengungen unternehmen. Einfach in die andere christliche Kirche wechseln. Bei den evangelischen gibt es alles, was man sich wünscht. Deswegen sind die auch um ein vielfaches erfolreicher als die rückwärtsgewanden Katholiken.
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#2 RRuntEhemaliges Profil
  • 04.02.2022, 22:07h
  • Antwort auf #1 von Viola
  • Ich vermute, es kommt viel weniger auf die religiösen Inhalte und Dogmen an, als man so denkt, als auf sehr persönliche Erfahrungen und Prägungen. Dass ist vielleicht so, als ob man statt Kölsch jetzt Sächsisch sprechen soll, oder statt Hamburgisch Schwäbisch - oder, noch schlimmer, hochdeutsch. Es geht natürlich und man kann sich verständlich machen, aber es fühlt sich "irgendwie anders" an.
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