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Deutsche Erstausgabe

Schwarz, lesbisch, ehrgeizig – und plötzlich verheiratet

Morgan Rogers' Debütroman "Honey Girl" erzählt die Folgen einer alkoholreichen Nacht in Las Vegas. Eine Doktorin der Astronomie stellt sich die Frage nach dem Sinn des Lebens.


Morgan Rogers stammt aus Baltimore und schreibt am liebsten über lesbische Frauen und ihre verrückten Leben (Bild: Elizabeth Graham)

Grace Porter: Ende 20, gerade ihren Doktortitel in Astronomie in der Tasche, große Ambitionen und frisch verheiratet – alles, was man braucht, um glücklich zu sein, nicht wahr? Aber was ist, wenn das alles nicht so einfach ist wie gedacht?

Morgan Rogers' Roman "Honey Girl" (Amazon-Affiliate-Link ) behandelt große Themen. Dabei geht es nicht nur um eine schwarze und lesbische Protagonistin, sondern um weit mehr. Gerahmt wird der Roman von einer intuitiven und sehr alkoholreichen Nacht in Las Vegas, in der Grace eine Unbekannte heiratet. Dieser "Ausrutscher" mit Yuki ist Ausgangspunkt und gleichzeitig Zentrum der Handlung.

Willensstärke und Durchhaltevermögen


Die deutsche Erstausgabe von "Honey Girl" ist im Januar 2022 bei dtv erschienen

Der Roman behandelt auf einfühlsame und sympathische Weise die großen Fragen: Welchen Sinn gebe ich meinem Leben? Was tue ich hier? Wo ist mein Platz in dieser Welt? Und: Wer bin ich? Was will ich?

Die ab und an komplexe Satzstruktur und Detailverliebtheit der Zwischenhandlungen wird in "Honey Girl" wett gemacht durch die Komplexität der Lebensrealität der Protagonistin. Aufgewachsen auf der Orangenplantage ihrer Mutter, muss sich Grace in der von der Militärdoktrin ihres Vaters, den sie nur Colonel nennt, geprägten Welt als schwarze und lesbische Frau beweisen. Und das tut sie nicht nur mit Willensstärke, sondern ebenfalls Durchhaltevermögen. Sie studiert Astronomie, gehört zu den Besten ihres Jahrgangs und promoviert. Als Doktorin sieht sie sich neuen Herausforderungen gegenüber: Wie finde ich einen Platz in einer heteronormativen und von Weißen geprägten Welt?

Was will ich von meinem Leben?

Um ihre Dissertation gehörig zu feiern, landet Grace mit zwei Freundinnen in Las Vegas, lernt Yuki kennen und heiratet diese im Rausch der Gefühle und des Alkohols. Es folgt eine lange Episode der Eingeständnisse. Eines davon ist, dass egal wie sehr man gewisse Dinge will und plant, dass es manchmal anders laufen kann. Dass man nicht immer bekommt, was man will. Und es kommt die Frage auf, was man aus seinem Leben macht, wenn man denkt alles erreicht und geschafft zu haben, um endlich durchatmen zu können.

Aber das Leben lässt Grace nicht durchatmen. Das Leben zeigt ihr immer wieder, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe zu einer Minderheit gehört, die es schwerer hat als andere, die mehr kämpfen muss als andere, die sich mehr beweisen muss als andere. Die Konsequenz ist, dass Grace zusammenbricht. Alle ihre Träume und Pläne in Frage stellt und sich der wichtigsten Frage überhaupt annimmt, nämlich: Wer bin ich wirklich, und was will ich von meinem Leben?

Wer sich auf "Honey Girl" einlässt, sollte sich gefasst machen auf kleine und große Beziehungsdramen, eine einfühlsam erzählte Liebesgeschichte, auf Freundschaftskonstellationen, familiäre Beziehungsproblematiken, Diskurse über Einsamkeit und Identitätskrisen. Morgan Rogers' bewegender Debütroman zeigt dabei, was im Leben wirklich zählt. Lesenswert!

Infos zum Buch

Morgan Rogers: Honey Girl. Roman. Aus dem Amerikanischen von Beate Schäfer. Deutsche Erstausgabe, 336 Seiten. dtv premium. München 2022. Taschenbuch: 15 € (ISBN 978-3-423-26304-7). E-Book: 12,99 €

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