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Transphobes Gesetz

South Dakota verbannt trans Mädchen aus dem Sport

Seit der Abwahl Donald Trumps setzen die Republikaner in den Bundesstaaten vermehrt auf Ausgrenzung von Trans. Nun folgte South Dakota als zehnter Staat mit einem "Sports Ban". Eine Toilettenregel soll folgen.


Nur noch mit überprüften Hormonlevels und Chromosomen: Fußball ist unter US-Mädchen und -Frauen eine besonders beliebte Sportart (Bild: josephsavella / pixabay)

South Dakota ist der zehnte Staat in den USA mit einer Regel, die es trans­geschlechtlichen Mädchen und jungen Frauen verbietet, am Schulsport ihres Geschlechts teilzunehmen. Gouverneurin Kristi Noem von den Republikanern unterschrieb das Gesetz vergangene Woche. Damit tritt es wie vorgesehen zum 1. Juli in Kraft.

Das Gesetz unter dem Titel "Fairness im Frauensport" verbannt trans­geschlechtliche Schüler*­innen und Student*­innen aus den Mädchen- und Frauensport-Teams von Schulen und Colleges. Von Bildungseinrichtungen unabhängige Sportvereine und -veranstaltungen sind von der Regel nicht beeinträchtigt.

Im Gesetz heißt es nun, dass "nur weibliche Student*­innen, auf Grundlage des biologischen Geschlechts, in einem Team, Sport oder athletischen Event teilnehmen dürfen, das dazu festgelegt ist, für 'females', Frauen oder Mädchen zu sein". Das Wort "females" lässt sich zum einen als "Frauen", zum anderen jedoch auch als "Weibchen" übersetzen.

Im vergangenen Jahr hatten die Staaten Arkansas, Alabama, Texas (queer.de berichtete), Idaho, Mississippi, Montana, West Virginia, und Tennessee bereits ähnliche Regelungen verabschiedet. Seit der Abwahl Donald Trumps greift die republikanische Partei verstärkt darauf zurück, den Kulturkampf im Bereich der Entrechtung trans­geschlechtlicher US-Amerikaner*­innen auf Ebene der Bundesstaaten zu führen (queer.de berichtete).

Verzerrte Realität, entgleiste Vergleiche

Bei der Unterzeichnung des Gesetzes, live in einer Pressekonferenz, sagte Noem unter anderem, sie stelle damit sicher, dass "Mädchen immer die Möglichkeit haben werden, in South Dakota im Mädchensport zu spielen, und dass sie die Möglichkeit haben werden, das unter gleichen Bedingungen, unter Fairness, zu tun, die ihnen die Chance einräumt, Erfolg zu erleben." Das klang, als könne kaum ein cisgeschlechtliches Mädchen im Bundesstaat noch am Sport teilnehmen, weil alle Plätze durch transgeschlechtliche, leistungsstärkere Mädchen besetzt seien.

Ein Stabschef der Gourverneurin, Mark Miller, verglich die Teilnahme von trans Athlet*innen beim Sport in seiner Begründungsrede mit Terrorismus. Dadurch, dass man das Gesetz einführe, stelle man sicher, dass das, was man in den gesamten USA sehen könne, in South Dakota nicht passiere. Es sei, führte er fort, ein wenig wie beim Terrorismus: Man wolle ihn "da drüben" behalten, damit es nicht "hier her komme". Der Hintergrund dieser Äußerung dürfte sein, dass South Dakota ein schmal besiedelter Flächenstaat im nördlichen Zentrum der USA ist.

Eine ähnliche gesetzliche Regelung hatte Noem im März vergangenen Jahres noch durch ihr Vetorecht als Gouverneurin verhindert. Der Grund jedoch: Ihre Einschätzung, dass das Gesetz einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten würde. Die selbe Regelung setzte sie dann kurz darauf mit zwei eigenhändigen Erlassen zum Schul- und Collegesport durch. Das nun eingeführte Gesetz überführt also nur schon per Erlass geltende Regeln in den Gesetzescorpus des Staates.

Schulen und Colleges müssen seitdem bei ihren Mädchen und jungen Frauen vor der Teilnahme am Sport die Geburtsurkunden überprüfen oder ärztliche Belege von Chromosomen, Hormonlevels oder auch den äußeren Genitalien einholen.

Vor der neuen Regelung sah eine Sonderregel vor, dass transgeschlechtliche Schüler*innen per Antrag auf Teilnahme am Sport eine Überprüfung über sich ergehen lassen mussten, zu der auch eine ärztliche Bescheinigung hinsichtlich körperlicher Vorteile gehören sollte. Seit 2013 ist nur einem einzigen Mädchen über diesen Weg die Teilnahme am Mädchensport erlaubt worden.

Das Gesetz regelt nun, dass Sportlerinnen, Schulen, Schuldistrikte und Institutionen höherer Bildung, die durch ein Brechen der Regelungen "eine Verletzung erleiden", ein Klagerecht gegen all jene Institutionen bekommen, die diese "Verletzung" zu verantworten hätten.

Cathryn Oakley von der LGBTI-Organisation Human Rights Campaign in South Dakota verurteilte die aufhetzende Rhetorik rund um das Gesetz. Diese zeige, wie völlig losgelöst Noem und ihre Unterstützer*innen vom Gebiet der Wissenschaft, der Evidenz und der Realität agierten. Die Gouverneurin zeichne eine Zielscheibe auf die Rücken vulnerabler Kinder, die bereits jetzt um ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen zu bangen hätten.

Das Repräsentant*innenhaus von South Dakota verabschiedete zusätzlich zum nun auch durch die Gouverneurin unterzeichneten Sport-Gesetz eine Regelung, die es transgeschlechtlichen Schüler*innen untersagt, die Toiletten und Umkleideräume ihres Geschlechts aufzusuchen. Auch dieses Gesetz kann erst in Kraft treten, wenn es durch die Gouverneurin unterzeichnet ist.

Auch Trump mischt beim Sportthema mit

Ebenfalls vergangene Woche kündigte Ex-Präsident Donald Trump an, er werde transgeschlechtliche Frauen in den gesamten USA aus dem Frauensport verbannen, wenn er wieder zum Präsidenten gewählt werde. Wörtlich sagte er: "Wir werden Männer daraus verbannen, am Frauensport teilzunehmen." Er kommentierte das Ganze noch in gewohnter Trump-Manier mit "so lächerlich!"

Danach stellte Trump auch noch Falschbehauptungen über die trans Schwimmerin Lia Thomas auf, wonach diese an der Universität von Pennsylvania einen elf Jahre alten Rekord mit 38 Sekunden Vorsprung gebrochen hätte. Dabei hatte sie ein bestimmtes Rennen mit 38 Sekunden Vorsprung vor der Zweiten gewonnen – ohne einen bisherigen Rekord zu brechen.

Rekorde hatte die Schwimmerin nur auf den wesentlich kürzeren Strecken über 200 und 500 Yards eingestellt, und zwar um wenige Sekunden. Auf anderen Strecken verlor Thomas sogar (queer.de berichtete). Während Trump die Schwimmerin ebenfalls konsequent im männlichen Pronomen ansprach, behauptete er noch, dass eine transgeschlechtliche Gewichtheberin ebenfalls einen seit 20 Jahren bestehenden Rekord in ihrer Disziplin gebrochen habe. Über einen solchen Erfolg ist allerdings öffentlich nichts bekannt.

Außerdem sagte Trump den Tod des Frauensports voraus, sollte die Teilnahme transgeschlechtlicher Sportler*innen nicht bald eingestellt werden. Er behauptete, dass junge Mädchen und Frauen aufgebracht darüber seien, mit transgeschlechtlichen Athlet*innen "konkurrieren" zu sollen. Eine Unterscheidung zwischen den Spitzenleistungen und dem Breiten- und Schulsport wird dabei in der Debatte jedoch, wie auch durch Trump, nie vorgenommen.

Weitere Staaten planen Gesetze ohne Grundlage

16 weitere Staaten sollen gegenwärtig ähnliche Gesetze in ihren Gesetzgebungsverfahren anhängig haben. Im vergangenen Jahr gab es jedoch auch Fälle, in denen eingebrachte Gesetze zur Ausgrenzung transgeschlechtlicher Sportler*innen schließlich nicht angenommen worden sind.

Die wissenschaftliche Forschung, die der politisch kontrovers diskutierten Frage nachgeht, ob transgeschlechtliche Frauen einen Vorteil gegenüber cisgeschlechtlichen hätten, kann einen solchen nirgends belegen (queer.de berichtete). Obwohl etwa transgeschlechtliche Sportler*innen, Mädchen, Frauen als auch nichtbinäre, seit vielen Jahren eine Freigabe für olympische Wettkämpfe bei den Frauen haben, sind Rekorde, Goldmedaillen oder eine sportliche Dominanz nicht zu erkennen.

Die erste und einzige Medaille ging an die nichtbinäre Person Quinn, die bei den Sommerspielen 2021 mit dem kanadischen Fußballteam Gold holte. Doch Quinn war schon vor dem Coming-out als trans stets dem Mädchen- und Frauensport zugeordnet gewesen. Die Gewichtheberin Laurel Hubbard, die vor ihrer Transition mit Männern konkurriert hatte, verpasste bei der selben Olympiade den Weg aufs Treppchen deutlich (queer.de berichtete).

-w-

#1 HexeAnonym
  • 08.02.2022, 11:33h
  • Diese Amerikanischen Nazis bedenken lustigerweise nie das es auch Transjungs gibt.
    Wenn da Leute Angst haben gegen Transmädchen anzutreten, na dann viel Spaß mit den kleinen Testersteronbomben, haha!
    Man erntet was man säht.
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#2 SakanaAnonym
  • 08.02.2022, 11:52h
  • In der amerikanischen Politik nennt man solche Angelegenheiten auch "wedge issues", weil man auf die Art und Weise die eigenen Reihen schließen und mobilisieren kann, um sie an die Wahlurnen zu bekommen. Das hat der jetzige Gouverneur von Virginia, Glenn Youngkin (R), auch damit geschafft, indem er die konservativen Eltern mit der Warnung vor der "Critical Race Theory" aufgeputscht hat und ihnen die Furcht einredete, "weiße" amerikanische Geschichte dürfte nicht mehr im Unterricht gelehrt werden. Mittlerweile hat er eine Petzhotline eingerichtet, auf der Eltern unliebsame Lehrer:innen verpetzen können.

    Kristi Noem steht zur Wiederwahl an und weil Trans*Rechte zur Zeit die dominierende wedge issue sind für viele Recht(sextrem)e, werden da eben fleißig Gesetze verabschiedet und Bücher aus Büchereien verbannt, weil sie "unamerikanisch" seien und "die Kinder verwirrten". Wenn man sich zurückerinnert, hat Bush 2004 was ähnliches gemacht, indem er Referenden in republikanisch regierten Bundesstaaten zur gleichgeschlechtlichen Ehe angeregt hat, die in großer Zahl durchgingen. Hat ihm die Wiederwahl damals gesichert.
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#3 HexeAnonym
  • 08.02.2022, 12:07h
  • Antwort auf #2 von Sakana
  • Stimmt. Nicht zu vergessen die Islamiphobie die seit dem stark gepusht wurde.
    Und Trump hat halt seine Mexikaner und Transmenschen.
    Schade das Menschen ihr Potential nicht ausschöpfen können und wollen.
    Hinter all diesem Othering steckt immer die Angst als Motor.
    Und Angst ist so ein primitives Gefühl..
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