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Filmfestival

Das sind die queeren Highlights der Berlinale

Unter den rund 400 Produktionen im Programm der Berliner Filmfestspiele befinden sich etliche Geschichten, die sich um LGBTI drehen – darunter der Eröffnungsfilm. Wir stellen die vielversprechendsten vor.


Szene aus "Shall I Compare You to a Summer's Day?: Die ägyptisch-libanesisch-deutsche Produktion versteht sich als "queere zeitgenössische Bearbeitung von Tausendundeine Nacht" (Bild: Aflam Wardeshan / Amerikafilm)

Traditionell ist die "Panorama"-Sektion die Heimat des queeren Kinos auf der Berlinale. Mit "Peter von Kant" findet sich in diesem Jahr jedoch auch ein Film mit einem schwulem Fokus unter den Titeln im Wettbewerb, die um die Hauptpreise – den Goldenen und die Silbernen Bären – ins Rennen gehen. Und der das Festival am Donnerstagabend sogar eröffnet.


Filmstill aus "Peter von Kant" von François Ozon (Bild: C. Bethuel / FOZ)

Der französische Regisseur und Drehbuchautor François Ozon ("Frantz") adaptiert in "Peter von Kant" Rainer Werner Fassbinders Film "Die bitteren Tränen der Petra von Kant", der vor genau 50 Jahren auf der Berlinale seine Premiere feierte. Damals als Melodram über die ungleiche Liebe einer erfolgreichen Modeschöpferin zu einem jungen Model angelegt, macht Ozon aus den weiblichen Protagonistinnen kurzerhand männliche Hauptrollen (Denis Ménochet und Khalil Gharbia), das Setting wechselt von der Mode- zur Filmwelt.

Auch "Concerned Citizen" erzählt von einer schwulen Liebe. Die hat jedoch weniger mit Showbiz, Glamour und Erfolgswillen als viel mehr mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung in einem alltäglichen Mittelschichtsdasein zu tun. Ben (Shlomi Bertonov) bezieht mit seinem Partner Raz (Ariel Wolf) eine neue Wohnung in einem aufstrebenden, migrantisch geprägten Viertel von Tel Aviv.


Filmstill aus "Concerned Citizen" (Bild: Idan Haguel / Guy Sahaf)

Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen, ein Kind soll das kleine Glück perfekt machen. Diesem Plan kommt allerdings die Realität in die Quere: Als Ben vor seiner Haustür einen Baum pflanzt, entbrennt ein Nachbarschaftsstreit. Es kommt zu ausschweifender Polizeigewalt gegen einen Eritreer, woraufhin Bens Selbstbild, und schließlich auch seine Zukunftspläne, ins Wanken geraten.

Queere Doku-Highlights

Jenseits des israelischen Spielfilms von Idan Haguel finden sich in der "Panorama"-Sektion in diesem Jahr zahlreiche vielversprechende Dokumentationen mit queerer Perspektive. Als besonderer Meilenstein in der Aufarbeitung lesbischer Geschichte im Kontext des Nationalsozialismus könnte sich "Nelly & Nadine" erweisen.

Darin erzählt Regisseur Magnus Gertten die Geschichten zweier Frauen, die sich im Konzentrationslager Ravensbrück kennen und lieben lernten: An Weihnachten 1944 soll Opernsängerin Nelly Mousset-Vos Lieder singen. Im Publikum ist auch Nadine Hwang, die sie darum bittet, etwas aus der Oper "Madama Butterfly" vorzutragen. Kurz darauf werden sie ein Paar, wenig später aber bereits wieder getrennt. Als sie sich nach der Befreiung wiederfinden, bleiben sie bis zu ihrem Lebensende zusammen. Der Dokumentarfilm begleitet Nellys Enkelin, die in Fotografien, Super-8- und Audioaufnahmen sowie Tagebucheinträgen der besonderen Biografie ihrer Großmutter nachspürt.

Direktlink | Offizieller Trailer zu "Nelly & Nadine"
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Einem, vor dem Hintergrund von #MeToo, gegenwärtig sehr relevanten Thema widmet sich wiederum "Brainwashed: Sex-Camera-Power". Ausgehend von ihrem Vortrag "Sex and Power: The Visual Language of Oppression" analysiert Nina Menke den "Male Gaze" und patriarchale Erzählstrukturen im Kino – und was die wiederum mit der Reproduktion misogyner Stereotype und realem Missbrauch von Frauen zu tun haben.


Filmstill aus "Brainwashed: Sex-Camera-Power" (Bild: Hugo Wong)

Gender-Fragen im Fokus

Nicht weniger ambitioniert und ganz auf der Höhe der Zeit mutet "Into My Name" von Nicolò Bassetti an, der vier trans Menschen im italienischen Bologna porträtiert. Nic, Leo, Andrea und Raff erzählen die Geschichten ihrer Transition, wobei es sowohl um individuelle Erfahrungen als auch allgemeine gesellschaftliche Hürden geht. Mit Elliot Page befindet sich außerdem ein besonders prominenter Name unter den Produzent*innen des Dokumentarfilms.

Um Geschlechtsidentitäten und den mit ihnen verbundenen Rollenvorstellungen kreisen auch die beiden "Panorama"-Spielfilme "Beautiful Beings" und "Swing Ride". Während sich das isländische Filmdrama um junge Männer dreht, die in einer gewaltvollen Umgebung heranwachsen und an den durch Gendernormen bestimmten Verhaltensregeln ihrer Altersgenossen zu scheitern drohen, begleitet Chiara Bellosi in ihrem Coming-of-Age-Film die 15-jährige Benedetta, die auf einem Jahrmarkt die selbstbewusste Schausteller*in Amanda kennenlernt und bald eine wohltuende Freundschaft mit ihr entwickelt.


Filmstill aus "Swing Ride" (Bild: Simona Pampallona / tempesta)

Überraschungen in allen Sektionen

Dass das Berlinale-Programm auch in diesem Jahr überaus queer ist, zeigt sich allein durch die Tatsache, dass sich in nahezu jeder Sektion vielversprechende Filme mit LGBTI-Aspekten finden lassen. Die ägyptisch-libanesisch-deutsche Produktion "Shall I Compare You to a Summer's Day?" etwa versteht sich als "queere zeitgenössische Bearbeitung von Tausendundeine Nacht" – herausgekommen ist ein experimenteller Essayfilm, der sich an den mannigfaltigen Erscheinungsformen der Liebe abarbeitet und in der Sektion "Forum" zu sehen ist.


Filmstill aus "Shall I Compare You to a Summer's Day?" (Bild: Aflam Wardeshan / Amerikafilm)

Der Film "Girl Picture" der finnischen Regisseurin Alli Haapasalo wiederum nimmt die jugendlichen Freundinnen Rönkkö und Mimmi in den Blick, die der winterlichen Tristesse mit schierer Lebenslust begegnen, sich offen über Beziehungen und sexuelle Erfahrungen austauschen. Doch gerade Mimmi hat mit angestauter Wut zu kämpfen – bis sie sich in Eiskunstläuferin Emma verliebt. Nachdem der Film auf dem Sundance Film Festival bereits mit einem Publikumspreis geehrt wurde, ist er nun in der Sektion "Generation" auf der Berlinale zu sehen.

Direktlink | Offizieller Trailer zu "Girl Picture"
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Alle genannten Filme können sich Hoffnung auf einen Teddy Award machen. Wegen der Corona-Pandemie gibt es allerdings in diesem Jahr keine große öffentliche Gala. Die Verleihung der queeren Filmpreise wird am 18. Februar live aus der Volksbühne gestreamt – ab 21 Uhr auf teddyaward.tv sowie auf Youtube, Vimeo und Facebook. Im Publikum sind nur wenige geladene Gäste zugelassen (queer.de berichtete).



#1 DreddAnonym
#2 LothiAnonym
#3 Happy DükeAnonym
#4 StaffelbergblickAnonym
  • 10.02.2022, 14:18h
  • "das Setting wechselt von der Mode- zur Filmwelt." deshalb ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als würde auf dem entsprechenden Foto Faßbinder gerade Cleopatra mit Liz Tayler neu produzieren.

    Und dann dieser isländische Beitrag "Beautiful Beings" mit Problemen Jugendlicher und ihrer Umwelt. Warum erinnert mich das spontan an diesen vollkommen unbekannten Film "Beautiful Things" ;-)
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#5 StaffelbergblickAnonym
#6 RomulusAnonym
  • 10.02.2022, 21:26h
  • Von wegen "kurzerhand". Es ist gar nicht abwegig, Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant als schwule toxische Liebesgeschichte zu lesen und zu erzählen. Dass die Hauptcharaktere adlige Namen tragen, ist allein schon ein Hinweis darauf, dass RWF sein Theaterstück selbst(referentiell) so gemeint hat. Viele Schwule in seiner Umgebung hatten von ihm als spitzzüngigen Spitznamen weibliche Adelsnamen verpasst bekommen.
    Bereits Anfang der 1980er Jahre inszenierte Fassbinder-Stammschauspieler Volker Spengler im Frankfurter Theater am Turm, in den 1970ern Wirkungstätte von RWF, dieses Theaterstück wohlweislich mit männlicher Besetzung.
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