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Österreich
"Anti-Homo-Haus": Forderung nach Diskriminierungsschutz für queere Menschen wird lauter
In Österreich ist die Aufregung über eine Pension groß, die offen Menschen wegen ihres Queerseins für unerwünscht erklärt. Kritik gibt es daran, dass dieses Verhalten – anders als etwa in Deutschland – in der Alpenrepublik völlig legal ist.

In Österreich dürfen Hotels Schwule und Lesben nach Gutdünken diskriminieren
- 10. Februar 2022, 15:26h 3 Min.
Politiker*innen und Aktivst*innen in Österreich fordern nach Bekanntwerden eines Diskriminierungsfalles in Niederösterreich eine Ergänzung des Gleichbehandlungsrechts. Hintergrund ist die Hausordnung der Pension "M-Quartier", die eine Tirade gegen queere Menschen enthält und Homosexuelle zu unerwünschten Personen erklärt (queer.de berichtete).
"Juden*Jüdinnen oder Schwarzen die Beherbergung verweigern? Das wäre zurecht verboten", erklärte etwa die LGBTI-Organisation HOSI Wien auf Twitter. "Das gleiche Prinzip wird legal, wenn es gegen Lesben, Schwule oder Bisexuelle geht. Das ist absurd. Wir brauchen endlich vollen Diskriminierungsschutz."
/ HOSIWienJuden*Jüdinnen oder Schwarzen die Berherbergung verweigern? Das wäre zurecht verboten.
HOSI Wien (@HOSIWien) February 9, 2022
Das gleiche Prinzip wird legal, wenn es gegen Lesben, Schwule oder Bisexuelle geht. Das ist absurd. Wir brauchen endlich vollen Diskriminierungsschutz.https://t.co/fTjlnWid3b
Der queerpolitische Sprecher der größten Oppositionspartei im Nationalrat zeigte sich empört – und forderte eine Reaktion von Schwarz-Grün: "Dieser grausliche Fall zeigt einmal mehr, dass die Bundesregierung handeln und den Diskriminierungsschutz endlich gesetzlich verankern muss", so der Sozialdemokrat Mario Lindner. "Wir können und dürfen nicht akzeptieren, dass mitten in Österreich ein Hotel als 'Anti-Homo-Haus' wirbt und sexuelle Orientierung mit HIV gleichsetzt – das ist absolut inakzeptabel!"
Bislang gibt es in Österreich nur einen halbherzigen Diskriminierungsschutz für queere Menschen: Zwar sind sie gegen Ungleichbehandlung im Arbeitsrecht geschützt, nicht aber gegen Diskriminierung im Zivilrecht wie etwa beim Zugang zu Dienstleistungen. Hier dürfen nur Menschen wegen ihrer Hautfarbe, nationalen oder ethnischen Herkunft, des religiösen Bekenntnisses oder einer Behinderung nicht diskriminiert werden, queere Menschen sind aber ausgenommen.
FDP wollte auch in Deutschland Diskriminierung von Schwulen und Lesben erlauben
In Deutschland ist dieser Schutz etwa 2006 im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verankert worden, das damals mit den Stimmen von Union, SPD und Grünen beschlossen worden war (queer.de berichtete). Nur die FDP wollte eine 1:1-Umsetzung nach Europarecht erreichen, was auch in Deutschland zu einer Situation geführt hätte, wie sie jetzt in Österreich existiert.
Eine Reform des Diskriminierungsrechts ist dort bislang vor allem am Widerstand der seit 1987 fast ununterbrochen mitregierenden christsozialen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) gescheitert. Der gegenwärtige grüne Koalitionspartner würde jedoch gerne auch queere Menschen vor Diskriminierung schützen. So erklärte die seit 2019 mit einer Frau verheiratete grüne Nationalratsabgeordnete Ewa Ernst-Dziedzic, dass das augenblickliche Recht "untragbar" sei. "Ratet mal, wer das blockiert?", so Ernst-Dziedzic.
/ dziedzic_ewaGenau dafür bräuchte es das levelling up – Ausweitung d Diskriminierungsschutzes für #LGBTIQ in Ö. Ist untragbar, dass Menschen aufgrund sex.Orientierung od Identität wie Aussätzige behandelt werden, sich nicht wehren dürfen. Ratet mal,wer das blockiert? https://t.co/23uXgFSwwh
Ewa Ernst-Dziedzic (@dziedzic_ewa) February 10, 2022
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In punkto Queerpolitik konnten die Grünen aber bislang gegen die ÖVP nichts durchsetzen (queer.de berichtete). Ganz im Gegenteil: Der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober verteidigte aktiv sogar das Blutspendeverbot aufgrund der sexuellen Orientierung und behauptete, dies sei keine Diskriminierung (queer.de berichtete). Vor einem Jahr stimmte die grüne Fraktion im Parlament gegen einen Antrag auf Gleichstellung bei der Blutspende (queer.de berichtete).
Die augenblicklich Situation stärkt den Betreiber des "Anti-Homo-Hauses", der in der Presse seine queerfeindliche Haltung verteidigt. Gegenüber dem ORF bekräftigte er etwa, dass Homosexualität etwas Unnatürliches und nicht gottgewollt sei. Als Christ könne er die gleichgeschlechtliche Liebe nicht mit seinem Glauben vereinbaren. Zudem zeigte er sich sauer darüber, dass er wegen der "Lobby der Homosexuellen" von allen Buchungsplattformen gestrichen worden sei. (dk)















Wenn ich unbewusst bei diesem selbstherrlichen Phasisäer gebucht hätte und hinterher von seiner Gesinnung erfahren hätte - mir wäre schlecht geworden.