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Neuer Film von François Ozon

"Peter von Kant": Berlinale beginnt mit einem großen Fragezeichen

Die Hotelflure sind nahezu leer – und vor dem Festivalkino werden Coronatests gemacht. Die Bilder von der Berlinale wirken auch nach zwei Jahren Pandemie, als hätte jemand den falschen Film eingelegt. Leider gilt das auch für den schwulen Eröffnungsfilm.


Denis Ménochet und Isabelle Adjani spielen die Hauptrollen im neuen Ozon-Film (Bild: Berlinale)
  • Von Julia Kilian und Peter Claus, dpa
    10. Februar 2022, 20:40h, 2 Kommentare

Es ist eine heikle Sache. Wenn sich Regisseur*innen an der Neuauflage alter Klassiker versuchen, müssen sie sich daran messen lassen. So ist es auch beim Eröffnungsfilm der Berlinale "Peter von Kant" vom französischen Regisseur François Ozon. Die Filmfestspiele in Berlin sind trotz Pandemie zurück.

Am Donnerstag klackern also die Fotokameras. Das Drumherum beim Festival ist zu Beginn allerdings noch etwas trostlos. Die Hotelflure sind nahezu leer – und vor dem Kino werden Coronatests gemacht.

Der Auftaktfilm nimmt einen mit in eine Kölner Wohnung der 1970er: Der Regisseur Peter (Denis Ménochet) behandelt seinen Assistenten Karl ziemlich miserabel und verliebt sich in den jungen Amir. Der Film basiert auf einer Vorlage von niemand geringerem als Rainer Werner Fassbinder (1945-1982). "Er war für mich wie eine Art großer Bruder", sagt Ozon (54, "Swimming Pool"). Er habe alle seine Filme gesehen.

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Der Film zeigt viel Retrooptik. Flauschige Teppiche, barocke Bilder und koksende Leute, deren Beziehungen irgendwann eskalieren. "Ich glaub', der Mensch ist so gemacht, dass er den anderen Menschen braucht. Doch hat er nicht gelernt, wie man zusammen ist." Diese Passage aus dem Original taucht auch in der Neuauflage auf.

Schwul statt lesbisch

Ozon ändert aber einen entscheidenden Punkt: Während "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" von einer tyrannischen Modedesignerin erzählt, die sich in ein weibliches Model verliebt, besetzt Ozon die Geschichte mit Männern. Aber warum eigentlich?

Der Perspektivwechsel – von einer lesbischen auf eine schwule Story – bringt keinen Gewinn an erzählerischem Gewicht. Bei Fassbinder hat der Fokus auf eine lesbische Liebe auch zum Nachdenken über Geschlechterrollen geführt. Bei Ozon lässt sich nichts dergleichen entdecken. Dazu bleibt der Film zu sehr im Privaten.

Einige Szenen lassen die Lesart zu, dass der Film als Satire auf die Verlogenheit des menschlichen Miteinanders im Showgeschäft deutbar sein könnte. Doch wird das, wenn überhaupt angestrebt, zu kraftlos und weinerlich erzählt. Oder will sich Ozon von seinem großen Vorbild Fassbinder lossagen? Warum sonst macht er aus ihm eine lächerliche Figur?

Isabelle Adjani, einer der großen Stars des französischen Kinos, spielt eine der Hauptrollen. Sie ist aber nicht nach Berlin gekommen. Auch Schauspielerin Hanna Schygulla fehlt. Sie hat bereits in Fassbinders Film mitgespielt – 50 Jahre später ist sie nun in einer anderen Rolle in der Neuauflage zu sehen.

Der Festivalleiter habe ihr versichert, dass alles unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen stattfinde. "Aber auch wenn die Leute die Dreifachimpfung haben, können sie übertragen. Für jemanden wie mich ist das nichts", sagte Schygulla der "Berliner Zeitung". Sie sei durch Covid schon so lange nicht mehr in Berlin gewesen, sagte die 78-Jährige laut Zeitung bei einem Telefonat aus Paris. "Ich hab das jetzt sehr ernst genommen, denn ich habe einige Freunde und Bekannte durch die Krankheit verloren."

Zum Fassbinder-Film sagte Schygulla: "Ich hab mich damals auch nicht mit der Rolle identifiziert. Ich hab zum Fassbinder gesagt: Lass mich in Zukunft aus solchen Rollen heraus. Da war er so beleidigt. Ich fand die Rolle furchtbar. Als Charakterstudie sehr flach. Ich mochte mich in dem Film selber auch nicht. Ich mochte den ganzen Film nicht." Aber er sei sehr, sehr erfolgreich gewesen. Das habe ihr natürlich zu denken gegeben. Den Ozon-Film möge sie auch nicht lieber. "Aber er ist gut gemacht."

Direktlink | Pressekonferenz für "Peter von Kant" am Donnerstag
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#1 RomulusAnonym
  • 10.02.2022, 21:26h
  • Von wegen "falscher Film". Es ist gar nicht abwegig, Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant als schwule toxische Liebesgeschichte zu lesen und zu erzählen. Dass die Hauptcharaktere adlige Namen tragen, ist allein schon ein Hinweis darauf, dass RWF sein Theaterstück selbst(referentiell) so gemeint hat. Viele Schwule in seiner Umgebung hatten von ihm als spitzzüngigen Spitznamen weibliche Adelsnamen verpasst bekommen.
    Bereits Anfang der 1980er Jahre inszenierte Fassbinder-Stammschauspieler Volker Spengler im Frankfurter Theater am Turm, in den 1970ern Wirkungstätte von RWF, dieses Theaterstück wohlweislich mit männlicher Besetzung.
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#2 AtreusProfil
  • 11.02.2022, 10:26hSÜW
  • Ich kann mich nicht als Kenner all seiner Werke bezeichnen, aber "Frantz" und "Die Zeit die bleibt" haben mich doch nachhaltig beeindruckt und sind noch immer im Gedächtnis, weshalb ich den Namen Ozon mit Klasse verbinde. Deshalb freue ich mich auf auf diesen Film und "Sommer 85", von dem ich bisher nur den schwulen Jugendbuchklassiker kenne.
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