Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?41156

Medizin

HIV-Entdecker Luc Montagnier gestorben

Der Franzose hatte für die wichtige Forschungsarbeit zum Aids-Virus den Nobelpreis erhalten.


Montagnier auf einer Pressekonferenz im Jahr 2008 (Bild: Prolineserver / wikipedia)

  • 10. Februar 2022, 21:29h, noch kein Kommentar

Der Nobelpreisträger und französische Entdecker des Aidserregers HIV, Luc Montagnier, ist tot. Der Mediziner starb am Dienstag in Neuilly-sur-Seine im Alter von 89 Jahren, wie das Wissenschaftsministerium in Paris am Donnerstag mitteilte. Der auf Retroviren spezialiserte Montagnier erhielt den Nobelpreis 2008 zusammen mit seiner Kollegin Françoise Barré-Sinoussi.

Beide hatten am Institut Pasteur in Paris das Immunschwächevirus Anfang der 1980er Jahre in Proben von schwer kranken Patient*innen isoliert und ihre Ergebnisse publiziert – damals benannten sie die Entdeckung zunächst als "Lymphadenopathie-assoziiertes Virus" (LAV). Die Forschung schuf auch die Voraussetzungen für HIV-Tests – für Betroffene und Prävention ebenso relevant wie für Blutbanken – und moderne Medikamente gegen das Virus.

Montagnier hatte sich lange mit dem US-Virologen Robert Gallo um die HIV-Entdeckung und Patente gestritten. Das Nobelkomitee ging aber davon aus, dass es als klar erwiesen angesehen werden könne, dass die Entdeckung in Frankreich gemacht worden ist.

Montagnier hatte das Patent für den ersten Aidstest ein halbes Jahr vor Gallo beantragt, der es jedoch eher vom US-Patentamt bewilligt bekam. Erst 1994 wurde der Streit beigelegt. Er spielt auch eine große Rolle in dem Buch "Und das Leben geht weiter" des Journalisten Randy Shilts, das die ersten Jahre der Aids-Krise in Form eines Recherche-Romans beschreibt, und der gleichnamigen starbesetzen TV-Verfilmung aus dem Jahr 1993. Montagnier wird darin von dem belgischen Schauspieler Patrick Bauchau dargestellt.

In den letzten Jahren machte Montagnier mit in der Wissenschaft umstrittenen Thesen von sich reden, die seinen früheren Ruf schwinden liessen. So behaupete er, dass HIV mit einer Mischung aus gesunder Ernährung, Antioxidantien und Hygiene ohne Medikamente besiegt werden könne oder dass Autismus mit Antibiotika geheilt werden könnte. Zudem stellte er sich wie auch zuletzt bei Covid-19 gegen Impfungen, wobei er behauptete, das Virus müsse von Menschen in einem Labor erstellt worden sein.

Montagnier, der vor dem Jahrhundertwechsel rund 20 renommierte Medizinpreise gewinnen konnte und nach Paris in Universitäten in New York und Shanghai arbeitete, hinterlässt eine Frau und drei Kinder. (dpa/cw)