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Interview
Holt "Sublime" den Teddy Award, Señor Biasin?
Auf der Berlinale präsentierte Mariano Biasin am Samstag mit "Sublime" eine berührende Coming-of-Age-Geschichte, bei der sich der junge Held in seinen besten Kumpel verliebt. Im Gespräch mit queer.de verrät der Argentinier mehr über seinen Film.

Szene aus "Sublime": Teenager Manu hat sich in seinen besten Kumpel Felipe verknallt (Bild: Salzgeber)
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13. Februar 2022, 05:34h - 5 Min.
Mariano Biasin wurde 1980 in Buenos Aires geboren. Nach seinem Filmstudium war er als Regieassistent an über 30 argentinischen und internationalen Langspielfilmen beteiligt. Er realisierte eine Reihe von Musikvideos und Dokumentarfilmen, unter anderem einen über die finnische Metal-Band Stratovarius.
Auf der Berlinale 2016 wurde Biasin für seinen Kurzfilm "El inicio de Fabrizio" mit einem Gläsernen Bären in der Sektion "Generation" ausgezeichnet. Nun präsentierte er am Samstag bei den Berliner Filmfestspielen mit "Sublime" sein Kinodebüt. Die berührende Coming-of-Age-Geschichte, bei der sich der junge Held in seinen besten Kumpel verliebt, gilt als einer der Favoriten für den Teddy Award. Salzgeber bringt "Sublime" voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte ins Kino, ein genauer Termin steht noch nicht fest.
Wir hatten vor der Premiere Gelegenheit, dem Regisseur einige Fragen zu stellen.

Regisseur Mariano Biasin wurde 1980 in Buenos Aires geboren (Bild: Verónica Biasin)
Herr Biasin, wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Coming-of-Age-Drama?
Vor sechs Jahren hatte ich in meinem Kurzfilm "El inicio de Fabrizio" bereits eine Geschichte vom Erwachsenwerden erzählt. Die wunderbaren Reaktionen darauf hatten mich sehr bewegt, unter anderem gab es auf Berlinale den "Gläsernen Bären". Durch diese Erfahrungen fühlte ich mich relativ sicher, dieses Thema auch für mein Spielfilm-Debüt umzusetzen. Die ursprüngliche Idee, den Kurzfilm einfach auszubauen, verwarf ich allerdings schnell. Die Story ist ähnlich, bietet jedoch mehr Dramatik.
Was hat es mit dem Titel auf sich?
Mir fällt es meist schwer, einen passenden Titel für Filme oder Songs zu finden. Für "Sublime" kam der Einfall ziemlich spontan, und ich war mir sofort sicher, der ist es. Er passt perfekt für diese Geschichte. Die Träume des jungen Helden sind erhaben und großartig. Ob und wie er sie umsetzen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.
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Wie haben Sie Ihre jungen Hauptdarsteller gefunden?
Es gab ein umfangreiches Casting, weil ich frische und unbekannte Gesichter für die Rollen haben wollte. Allerdings machte uns die Pandemie einen Strich durch die Rechnung: Wir hatten eine Verzögerung von einem Jahr, in dieser Zeit verändern sich Teenager stark. Für Martín Miller und Teo Inama Chiabrando erwies sich das als Glück, denn die hatte ich ursprünglich gar nicht auf dem Zettel, weil sie zu jung gewesen wären. Die großartige Chemie zwischen den beiden Jungs war für mich ein Wunder.

Poster zum Film: Salzgeber bringt "Sublime" voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte ins Kino
Bisweilen hat man das Gefühl, sie filmten zwei Wildkatzen. Die machen, was sie möchten. Die Kamera scheint ihnen dabei völlig egal…
Wir haben viel getan, um diesen Eindruck zu erwecken! (lacht) Es gab sehr viele Proben, weil die beiden Darsteller ganz unterschiedlich arbeiten. Martin, der Manu spielt, ist ein Darsteller, der sich sehr viel mit Schauspielerei befasst und bei jeder Szene genau wissen möchte, was er spielen soll. Teo, unser Felipe, agiert hingegen viel unmittelbarer und natürlicher. Man spürt sofort, was er fühlt. Diese beiden Mentalitäten muss man dann unter einen Hut bekommen. Vom Ergebnis bin ich absolut begeistert – wenngleich ich sonst sehr kritisch mit meiner Arbeit bin.
Wie oft haben Sie die überraschende Kuss-Szene am Strand gedreht?
Im Drehbuch stand dieser Kuss gar nicht. Unser Kameramann hatte spontan die Idee, als wir nach dem passenden Strand für die Szene Ausschau hielten. Sein Vorschlag war, dass Manu auf Felipe zugeht und ihn küsst. Die Idee gefiel mir sehr gut, allerdings hätte das überhaupt nicht zum Verhalten von Manu gepasst. Deswegen musste Felipe diesen Schritt machen. Die beiden Jungs waren selbst überrascht von dieser Idee, fanden den Kuss aber beide ein wunderbares Ende für den Film.
Der Kuss der Jungs scheint deren Kumpels kaum zu interessieren. Wie tolerant geht es in Argentinien zu?
Queerness ist nichts Neues für Argentinien, das ist im Fernsehen und Filmen oft zu sehen. Mir war beim Schreiben wichtig, dass es überhaupt kein Problem darstellt, wenn es diese Freundschaft zwischen demselben Geschlecht gibt. Das ist für alle völlig normal, egal ob für die Familie, die Freundinnen oder eben die Kumpels von Manu und Felipe. Deswegen wird dieser Kuss auch gar nicht groß wahrgenommen, die Freunde konzentrieren sich lieber auf ihr Fußballspiel am Strand.

Szene aus "Sublime": manu und Felipe am Strand (Bild: Berlinale)
Sie haben Musikvideos gedreht. Welche Rolle spielt der Soundtrack für "Sublime"?
Ich bin selbst Musiker, deswegen war von Anfang an klar, dass Musik eine zentrale Rolle spielen sollte, um Gefühle auszudrücken. Manu und Felipe verbindet die gemeinsame Band und das Komponieren eigener Songs. Für die Darsteller keine so leichte Aufgabe, denn sie hatten überhaupt keine Erfahrung mit Musik und mussten das alles erst lernen. Auch für mich war es eine Herausforderung, die richtigen Grenzen zu finden und keine Kitschnummer daraus zu machen.
Es gibt die Diskussion, wonach queere Figuren nur von queeren Darstellern gespielt werden sollen. Was sagen Sie dazu?
Ich verstehe diese Forderung. Allerdings trifft sie für "Sublime" nicht ganz zu, schließlich geht es darum, Schubladen zu vermeiden. Manuel fühlt sich aktuell zu Jungs hingezogen und trifft seine Entscheidungen entsprechend. Aber wer weiß, was in zwei Jahren sein wird. Diese Haltung entsprach der meiner Schauspieler. Sie stehen selbst vor denselben Fragen wir ihre Figuren und wirken dadurch glaubwürdig. Heute schwul und morgen hetero – alles kein Problem für sie!
Sie gewannen auf der Berlinale bereits den "Gläsernen Bären". Was würde der queere Teddy Award für Sie bedeuten?
Ich habe da überhaupt keine Erwartungen. Wie beim vorigen Mal bin ich sehr glücklich, auf diesem schönen Festival dabei zu sein und meine Arbeit einem Publikum zeigen zu können. Sollte es einen Preis geben, fehlen mir vermutlich die Worte.
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Sublime. Drama. Argentinien 2022. Regie: Mariano Biasin. Darsteller*innen: Martín Miller, Inama Chiabrando, Azul Mazzeo, Joaquín Arana, Facundo Trotonda, Javier Drolas. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Salzgeber. Kinostart: voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022
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