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Politik-Dragqueen
Trauer um Uschi Unsinn
Der Nürnberger Stadtrat Uwe Scherzer starb am Sonntag plötzlich im Alter von 54 Jahren. Zum Gedenken an die beliebte Dragqueen gibt es eine Trauerbeflaggung am Rathaus.
- 14. Februar 2022, 15:42h 3 Min.
Die Nürnberger Community, Politik und Stadtgesellschaft trauert um Uschi Unsinn: Die queere Aktivistin ist am Sonntag im Alter von 54 Jahren gestorben. Medienberichten zufolge war die bekannte und beliebte Dragqueen plötzlich zusammengebrochen.
Uwe Scherzer, wie der Mann hinter der Drag Queen hieß, hatte sich jahrzehntelang in der Nürnberger Szene engagiert, war etwa erst kürzlich bei der Einweihung des von ihm mitinitierten Mahnmals für homosexuelle NS-Opfer im ehemaligen Konzentrationslager Flossenbürg zu sehen (queer.de berichtete). Seit 2020 saß der gebürtige Bad Windsheimer für die Grünen im Stadtrat und war unter anderem queerpolitischer Sprecher der Fraktion.
/ KarlFreller | Auch Landtagsvizepräsident Karl Freller (CSU), der Präsident der Stiftung Bayerische Gedenkstätten ist, reagierte bestürzt auf den TodVor 3 Wochen legten wir mit Landtagspräsidentin Aigner in Flossenbürg Kränze für die homosexuellen Opfer nieder.Soeben kam die Nachricht:Uschi Unsinn ist tot!Ich bin traurig.Ihr Einsatz für Minderheiten war mitunter schrill – aber ehrlich, intensiv und überzeugend! DANKE! R.I.P pic.twitter.com/RUMuyPUe4M
Karl Freller (@KarlFreller) February 14, 2022
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"Der plötzliche Tod von Uwe Scherzer bestürzt mich als Oberbürgermeister, aber auch ganz persönlich sehr", schrieb Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) am Montag in einer Mitteilung der Stadt. "Die Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit, mit der Uwe Scherzer sich für Gleichstellung und gegen Diskriminierung eingesetzt hat, wird uns im Stadtrat und in der Stadtgesellschaft fehlen."
"Mach's gut im Politdraghimmel"
"Uschi hat uns am Sonntag, 13. Februar 2022 für immer verlassen", schrieb das queere Zentrum Fliederlich. "Die letzten Jahre hat sie sich engagiert für die queere Szene eingesetzt und durch ihr Stadtratsmandat in Nürnberg ordentlich Wirbel gemacht." Die Dragqueen habe vieles erreicht. "Ihr Credo war immer: Sichtbarkeit schafft Sicherheit. Und sichtbar war Uschi. Nicht nur sichtbar, auch hörbar. Mit Uschis Tod verlieren wir unsere Politdrag-Queen. Sie hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen ist."
Ihr Wunsch sei es gewesen, "die Eröffnung der Unterkunft für queere Obdachlose zu erleben, ein queeres Jugendzentrum anzuschieben und am besten das große Regenbogenzentrum in Nürnberg mit zu gestalten", so das Fliederlich. "Viele Wünsche und Pläne die nun leider mit Uschi nicht mehr in Erfüllung gehen." Man werde aber in ihrem Sinne weitermachen. "Wir bleiben dran an den Plänen. Mach's gut dort in Politdraghimmel. Wir werden dich nicht vergessen."
Wir trauern um Uschi Unsinn. Uschi hat uns am Sonntag, 13. Februar 2022 für immer verlassen. Die letzten Jahre hat sie...
Posted by Fliederlich e.V. – queeres Zentrum Nürnberg on Monday, February 14, 2022
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In sozialen Netzwerken reagierten viele Nürberger*innen und Politiker*innen aus allen Fraktionen und Ebenen erschüttert auf die Nachricht des Todes der Aktivistin, erinnerten an ihren Einsatz für den CSD, die Aids-Hilfe oder gegen Rechtsextreme – Unsinn war auf vielen Demonstrationen präsent.
"Uwe war erst seit zwei Jahren Mitglied unserer Stadtratsfraktion und trotzdem eine der prägendsten Figuren der letzten Jahrzehnte", sagte Achim Mletzko, Chef der Rathaus-Grünen, gegenüber nordbayern.de: "Unsere Fraktion ist geschockt. Er war über die Parteigrenzen hinaus ein geschätzter Kollege."
"Die Nachricht über den plötzlichen Tod von Uwe Scherzer alias Uschi Unsinn macht mich gerade sehr betroffen und hinterlässt eine Leere in mir", schrieb die grüne Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer, die aus Nürnberg stammt, bei Facebook. "Mit Uschi hat ein sehr engagiertes Mitglied der queeren Community ihre letzte Reise über den Regenbogen angetreten und hinterlässt eine Lücke. Lasst uns nach dem Innehalten und einen Asbach auf Uschi ihr einen Platz in unserem Herzen bewahren und ihre Arbeit für Akzeptanz und Vielfalt gemeinsam fortsetzen."
Trauerbeflaggung und Kondolenzbuch
Die Stadt Nürnberg wird ab Mittwoch, 11.30 Uhr, bis Freitag ein Kondolenzbuch in der Ehrenhalle im Rathaus für die Öffentlichkeit auslegen (Öffnungszeiten 8 bis 18 Uhr). Oberbürgermeister König wird sich am Mittwoch als Erster in das Kondolenzbuch eintragen. Die Stadt Nürnberg hat von Mittwoch bis Freitag auch eine Trauerbeflaggung am Rathaus veranlasst. (nb)

















Umso wichtiger, dass viele sich weiter engagieren und die begonnene Arbeit fortsetzen.