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  • 04. Januar 2006, noch kein Kommentar

Schon in den 20er Jahren lockte Thailand schwule Touristen an. Ebbe Kornerups homoerotische Reiseberichte "Paradies Siam" gibt es nun als Nachdruck.

Von Carsten Weidemann

Als Thailand vor acht Jahrzehnten noch Siam hieß, waren die berühmt-berüchtigten Thai-Boys bereits ein Renner in Europa - und das ganz ohne Werbekampagne des siamesischen Fremdenverkehrsamts: Der dänische Reisende Ebbe Kornerup brachte in den späten zwanziger Jahren einen bebilderten Reiseführer heraus, der die Vorzüge des exotischen Landes anschaulich machte. Die deutsche Ausgabe des Buches ist jetzt in einem Nachdruck beim Portal gay-thailand.de erhältlich.

Kornerup hat Guides über Ceylon (heute Sri Lanka), Japan und Südamerika geschrieben. Auch in "Paradies Siam" berichtet er über seine Abenteuer bei Reisen durch das Land mit Zug, Boot, Flugzeug und sogar zu Pferde. Er zeigt eine unstillbare Neugierde allem Thailändischen gegenüber und beschreibt anschaulich seine Begegnungen mit den Einwohnern, die "das Gemüt eines freien Vogels" hätten: "Bogenstriche, Triller eines Glockenspiels, frohe Menschen lachen - man ist in Siam."

Doch vor allem berichtet der dänische Reise-Profi in blumiger Sprache von "netten Jungs", egal ob gut aussehende Gefangene, Fischer, Arbeiter oder Fußballer. Natürlich sind Kornerups Objekte der Begierde auch in Bildern festgehalten, in denen sie sich (fast) so zeigen, wie Gott sie schuf. Die homoerotischen Szenen sind mehr als angedeutet: Im Dschungel hat er ein Moskito-Netz mit seinem "Freund" Tim geteilt, einem atemberaubenden Hausdiener. In Zentralthailand hat ihn ein prämierter Kickboxer begleitet, sein "bester Reisekumpan aller Zeiten", wie er schreibt.

Es gibt kaum einen Ort in Thailand, den Ebbe Kornerup nicht besucht hat. Er war am Mekong-Fluss im Norden, natürlich in Bangkok und auf Phuket, wo es damals statt Gogobars nur Zinnminen gab. Anderen Touristen begegnet er selten. "Wie friedlich ist es hier, die Menschen lächeln uns so freundlich an, hierher kommen gewiss selten Fremde", schreibt er über die heutige Ferieninsel Ko Samui.

Die typischen Touristen-Bilder von Tempeln, Elefanten und vollen Städten werden in "Paradies Siam" auch abgehandelt, aber Kornerups Talent liegt ohne Zweifel darin, männliche thailändische Schönheiten zu beschreiben. "Er ist so groß und mächtig", schwärmt er vom Schiffer Titpan. Er habe "formschöne Lippen, geschwungen wie bei einem jungen griechischen Gott". Junge Mönche haben "wohl-geformte Körper, die sich nicht dazu eignen, in gelbe Gewändern versteckt zu werden." Und über eine Gruppe von Studenten sagt er, sie hätten "delikate Haut so fein wie Seide". Diese hätten ihn "verhext".

Solche warmen und offenherzigen Beschreibungen waren vor achtzig Jahren alles andere als üblich. Vielen Schwulen, die damals in ihrer Heimat versteckt leben mussten, erschien das ferne Siam schon damals als das Paradies.

Ebbe Kornerup: Paradies Siam. Thailand in den 20er Jahren, Nachdruck der Originalausgabe des Safari Verlags Berlin, White Lotus Press, Bangkok 1999, zu beziehen für 16,90 € (inklusive Versandkosten) über gay-thailand.de