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Rheinland-Pfalz

CDU-Chefin ätzt gegen Queer-Wein

Eine Akzeptanzinitiative der rheinland-pfälzischen Landesregierung löst homophobe Reflexe aus. Julia Klöckner deutet etwa an, dass man ein halbes Jahr nach einer Umweltkatastrophe nicht für queere Akzeptanz werben solle.


Julia Klöckner ist seit 2010 CDU-Landesvorsitzende – von 2018 bis 2021 Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, seit kurzem ist sie CDU-Bundesschatzmeisterin (Bild: Deutscher Bundestag / Thomas Imo / photothek)

Die rheinland-pfälzische Akzeptanzkampagne für LGBTI um eines der wichtigsten Exportgüter des Landes – den Wein – stößt bei der Opposition und queerfeindlichen Kräften auf Ablehnung und Spott. Hintergrund ist das Angebot des Familienministeriums, bis zu 500 Flaschen (preisgünstige) Weine von Betrieben in Rheinland-Pfalz zu erwerben, "in denen queere Menschen in verantwortungsvoller Position tätig sind" (queer.de berichtete). Bislang hat sich noch niemand für die PR-Aktion beworben, die Frist läuft bis zum 28. Februar.

Die langjährige CDU-Landeschefin Julia Klöckner kritisierte in der "Bild"-Zeitung die Akzeptanzkampagne. Die Deutsche Weinkönigin 1995/96 argumentierte, dass die Aktion angesichts der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz vor sieben Monaten nicht in Ordnung sei: "Unsere Winzer an der Ahr treibt ganz Anderes um: Keller sind komplett weggespült worden von der Flut, ganze Ernten verloren gegangen. Da steht die sexuelle Identität nicht im Vordergrund", erklärte die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin. "Im Übrigen hat auch die Güte eines Weines damit nichts zu tun. Ich glaube, das durch solche Aktionen den berechtigten Anliegen der Queerszene eher ein Bärendienst erwiesen wird", so die CDU-Politikerin, die allerdings andere Aktionen rund um den Wein, die mit der Güte des Produktes wenig zu tun haben, stets verteidigte – beispielsweise die Existenz weiblicher Weinköniginnen.

Twitter / JuliaKloeckner | Ist es nach Klöckners Logik nicht auch falsch, nur wenige Monate nach der Flutkatastrophe die neue Weinkönigin zu feiern?
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Hohn am rechten Rand

In Rechtsaußen-Kreisen gibt es viel Hohn über die PR-Aktion des Landesfamilienministeriums. Die rechtsradikale Wochenzeitung "Junge Freiheit" machte sich etwa lustig, dass noch keine Anträge eingegangen sind: "Vielleicht suchen die Weinbauern noch ihre queeren Mitarbeiter in leitenden Positionen?"

Die queerfeindliche Aktivistin Birgit Kelle hat bereits vor den Berichten von "Bild" und "Junger Freiheit" auf ihrer Facebook-Seiten gehöhnt: "Es macht ja geschmacklich so einen krassen Unterschied, wenn sanfte Lesbenhände die Reben pflücken und sie in non-binären Fässern lagern. Wer will da weiter diese Plörre alter weißer Rheinland-Pfälzer trinken?" In der Zeitschrift "Die Weltwoche" des schweizerischen Abgeordneten Roger Köppel machte Kelle inzwischen weitere Witze auf Kosten von queeren Menschen und behauptete, Queerbeauftragte beweinten nur ihre "gefühlte Diskriminierung".

Wöchentliche Umfrage

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    Ergebnis der Umfrage vom 21.02.2022 bis 28.02.2022


#1 tchantchesProfil
  • 16.02.2022, 10:57hSonstwo
  • Will die jetzt die Lücke ausfüllen, die die Steinbach in der CDU nicht hinterlassen hat?
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#2 AtreusProfil
  • 16.02.2022, 11:31hSÜW
  • Da die Frau ja kürzlich ihren Job als Bundes-Chefprostituierte der Agrarlobby und Lebensmittelindustrie verloren hat und keine Werbefilme mehr für Nestle dreht und auch kein Gammelhackfleisch mehr in Bild-TV verkocht, ist es nur logisch, dass man sich irgendwie im Gespräch halten muss. Da hilft die gute alte, christlich-soziale Homophobie. Merke: Queere Projekte dürfen nur dann unterstützt werden, wenn der normale Bevölkerungsteil keinerlei Probleme mehr hat und dauerhafter Weltfrieden eingekehrt ist, sprich - gar nicht, niemals.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 16.02.2022, 11:39h
  • Und der Zusammenhang zwischen unsereinem und Umweltkatastrophen ist nochmal welcher? Macht die hier am Ende noch den Pat Robertson und will uns das in die Schuhe schieben?
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#4 SakanaAnonym
  • 16.02.2022, 11:40h
  • Nu ja, hatte in queerpolitischen Angelegenheiten auch nichts anderes von ihr erwartet bei ihrer Positionierung gegen die Ehe für Alle.

    www.queer.de/detail.php?article_id=19623

    Jede Initiative, die den Menschen im Ahrtal hilft, wieder wirtschaftlich auf die Beine zu kommen, ist mehr als unterstützens- und begrüßenswert. Queere Menschen sind auch Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen in vielen Berufsgruppen.
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#5 LothiAnonym
#6 AllesqueeroderwasAnonym
  • 16.02.2022, 13:13h
  • "Da steht die sexuelle Identität nicht im Vordergrund", erklärte die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin. "Im Übrigen hat auch die Güte eines Weines damit nichts zu tun. Ich glaube, das durch solche Aktionen den berechtigten Anliegen der Queerszene eher ein Bärendienst erwiesen wird."

    Mal abgesehen davon, dass es keine "sexuelle Identität" ist, der Vergleich mit der Naturkatastrophe unverschämt ist und Frau Klöckner generell gar nicht geht, muss ich zugeben, dass ich ihr in der Sache zustimme.
    Schon als ich von der Aktion gelesen hatte, dachte ich: "Was ist der Unterschied zwischen hetero Wein und queerem Wein? Wieso muss herausgestellt werden, dass dieser Wein von einem queeren Winzer hergestellt wurde?"
    Es gibt eine Menge queere Modedesigner, aber ich gehe trotzdem nicht los und kaufe ausschließlich Klamotten, die von einem queeren Designer entworfen wurden - weil das dann "queere Mode" ist - und lehne alles ab, was von jemandem kommt, der cis und hetero ist.
    Ich kann mir auch nicht vorstellen, in einen Käseladen zu gehen und statt mich nach Herstellung und Geschmack zu erkundigen, zu fragen, ob irgendeiner davon queer ist.

    Und ja, mit solchen Aktionen schadet man den tatsächlichen Anliegen eher als ihnen zu nutzen. Nicht nur, dass es lächerlich wirkt, man zeigt auch so richtig mit dem Finger darauf und - am aller schlimmsten - man öffnet Leuten wie Frau Klöckner und Frau Kelle Tür und Tor für blödsinnige Bemerkungen.
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#7 NevermindAnonym
  • 16.02.2022, 13:58h
  • Diese Akzeptanz-Kampagne halte ich auch für überflüssig und etwas zu viel des Guten. Man lädt ein zum Spott. Allerdings finde ich nicht, dass man wegen der Probleme der Winzer auf Grund der Flut auf eine Akzeptanz-Kampagne verzichten müsste, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Aber auch, dass man Frau Klöckner im Artikel vorhält, sie sei ja auch nicht gegen Weinköniginnen, halte ich für daneben. Deshalb muss sie noch nicht jede andere Aktion um den Wein gutheißen.
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#8 Julian 80Anonym
  • 16.02.2022, 14:12h
  • 1. Was hat eine Naturkatastrophe (die übrigens dem Klimawandel geschuldet ist, gegen den auch die Union nichts unternommen hat) mit Grundrechten zu tun?

    Grundrechte gelten immer: vor, während und nach Katastrophen genauso wie ohne Katastrophen. Und Werben für Akzeptanz ist immer wichtig. Oder schadet das irgendwie dem Wiederaufbau?

    2. Wer so sehr bis zur Halskrause in dubiosen Lobby-Machenschaften hängt (sie die Videos von Rezo), sollte sich vielleicht mit Ätzen gegen andere etwas mehr zurückhalten.

    Die Union hat offenbar immer noch nicht ihr Wahldebakel verstanden und meint, sie könnten weiterhin punkten, indem sie LGBTI zu Sündenböcken machen. Aber die Zeit ist endgültig vorbei.
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#9 MichaKHProfil
  • 16.02.2022, 21:07hBad Kreuznach
  • Frau Klöckner wieder Als Rheinland-Pfälzer, der in ihrem (ehemaligen) Wahlkreis lebt, habe ich schon so viel von ihr mitbekommen, dass es mir sehr schwer fällt, sie noch ernst zu nehmen.

    Und dass der LGBTIQ*-Beauftragte des Landes den Queer-Wein als Vielfaltsbotschafter kürt und sein Ministerium 500 Flaschen des Siegerweins kauft, ist in meinen Augen völlig in Ordnung. Ich habe keine Sorge, dass das der einzige Wein ist, den die Landesregierung kauft, und sehe somit andere Winzer nicht benachteiligt.

    Und auch den Wiederaufbau im Ahrtal halte ich deshalb nicht für gefährdet. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun, das sollte selbst Frau Klöckner verstehen können (oder wollen?)
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#10 Dont_talk_aboutProfil
  • 17.02.2022, 01:31hFrankfurt
  • Ich kämpfe seit Jahrzehnten gegen Diskriminierung. Mir muss da niemand etwas vormachen.

    Dass der Staat Produkte von Unternehmen aufkauft, die queere Führungskräfte haben, halte ich aber für ziemlichen Quatsch. Und wenn ich etwas für Quatsch halte, dann sage ich das auch.
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