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Rheinland-Pfalz
CDU-Kritik an "QueerWein": QueerNet beklagt "homophobe Hass-Reflexe"
QueerNet Rheinland-Pfalz stellt sich hinter die Akzeptanzkampagne der Landesregierung und fordert queere Winzer*innen zur Teilnahme auf. Die Attacken von Julia Klöckner und Birgit Kelle zeigten ihre Notwendigkeit.

Symbolbild: Mit einem neuen Etikett wird auch der Rosé von Aldi ganz schnell zu einem "QueerWein"
- 21. Februar 2022, 04:31h 3 Min.
In einer Pressemitteilung mit der Überschrift "Homophobe Hass-Reflexe gegen Akzeptanzkampagne" (PDF) wirft der Verein QueerNet Rheinland-Pfalz e.V. CDU-Landeschefin Julia Klöckner "rechten Populismus" vor. Hintergrund ist die scharfe Kritik der ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministerin und deutschen Weinkönigin an der Akzeptanzkampagne "QueerWein" der rheinland-pfälzischen Landesregierung. "Unsere Winzer an der Ahr treibt ganz Anderes um: Keller sind komplett weggespült worden von der Flut, ganze Ernten verloren gegangen. Da steht die sexuelle Identität nicht im Vordergrund", empörte sich Klöckner in der vergangenen Woche in der "Bild"-Zeitung über die Aktion (queer.de berichtete).
,,Ganz Rheinland-Pfalz hat solidarisch die Menschen im Ahrtal unterstützt – so auch Mitgliedsorganisationen von QueerNet RLP", kritisierte QueerNet-Sprecher Joachim Schulte die Vermischung der beiden Themen durch die CDU-Vorsitzende. "Hat Frau Klöckner ihre Wahlniederlage im Land und im Bund so wenig verschmerzt, dass sie jetzt den rechten Populismus bedient?"
500 Flaschen als "Vielfaltsbotschafter"
Die Akzeptanzkampagne zeige, "wie notwendig die Sichtbarkeit queerer Menschen in allen Berufen ist", ergänzte Co-Sprecherin Diana Gläßer, "ob im Weinbau oder im Männer-Fußball". QueerNet rief alle queeren Winzer*innen dazu auf, sich an der Kampagne zu beteiligen. "Die Vielfalt des Landes zeigt sich (gerade auch) beim Wein und denen, die seine Herstellung verantworten."
Gestartet wurde die Initiative "QueerWein" von Staatssekretär David Profit (Grüne), dem Landesbeauftragten für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechteridentität. Noch bis 28. Februar 2022 können sich Weingüter in Rheinland-Pfalz, "in denen queere Menschen in verantwortungsvoller Position tätig sind", bewerben. In einer Verkostung werden anschließend zwei Weine ausgewählt, von denen die Regierung insgesamt 500 Flaschen als "rheinland-pfälzische Vielfaltsbotschafter" ankaufen will – zum Maximalpreis von 10 Euro pro Flasche. Die ausgewählten Weine sollen am 18. März 2022, dem Verfassungstag des Landes, vorgestellt und dann bundesweit an Multiplikator*innen in Politik und Gesellschaft versendet werden (queer.de berichtete).
"Offene Feindseligkeit gegenüber queeren Lebensweisen"
In Rechtsaußen-Kreisen gab es viel Hohn über die PR-Aktion des Landesfamilienministeriums. "Es macht ja geschmacklich so einen krassen Unterschied, wenn sanfte Lesbenhände die Reben pflücken und sie in non-binären Fässern lagern", spottete etwa die queerfeindliche Publizistin Birgit Kelle auf Facebook. "Wer will da weiter diese Plörre alter weißer Rheinland-Pfälzer trinken?" Der Post des CDU-Mitglieds Kelle zeige "offene Feindseligkeit gegenüber queeren Lebensweisen", kritisierte QueerNet-Sprecherin Diana Gläßer. ,,Menschen, die das posten, bedienen gezielt homophobe Einstellungen, sie spalten unser Land."
In allen Berufen gebe es queere Menschen, stellte Co-Sprecher Joachim Schulte klar. "Sie sind allerdings oft unsichtbar, wodurch Diskriminierung begünstigt wird." QueerNet unterstütze deshalb die "QueerWein"-Ausschreibung: "Diese Verbindung zum Land Rheinland-Pfalz als Weinanbauland und queeren Winzer*innen als Produzent*innen ist eine gute Aktion für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit." (cw)
Links zum Thema:
» Detaillierte Infos zur "QueerWein"-Ausschreibung als PDF














