Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?41242

Hasskampagne

"Der Spiegel" hofiert Trans-Hasserin

In einem unkritischen "Spiegel"-Interview verteidigt die britische Philosophin Kathleen Stock ihre kalte und ablehnende Haltung gegenüber trans Menschen.


Kathleen Stock in einem Interview mit einem britischen Radiosender (Bild: Screenshot LBC)

"Es handelt sich trotzdem um Männer, denen der Penis entfernt wurde." Mit dieser herabwürdigenden Aussage über trans Frauen macht Kathleen Stock, ehemals Philosophieprofessorin an der University of Sussex, in einem im "Spiegel"-Onlinemagazin veröffentlichten Interview Stimmung gegen geschlechtliche Minderheiten (Bezahlartikel). Kritikwürdig ist, dass der "Spiegel" ihre Aussagen kaum einordnet, in denen sie trans Frauen als Gefahr für andere Frauen darstellt und sich selbst als Opfer von LGBTI-Aktivist*innen geriert. Auch Stocks seit Jahren wiederholte Verharmlosung der Diskriminierung von trans Menschen wird nicht ausreichend hinterfragt.


(Bild: spiegel.de)

In dem Interview gibt es etwa die Frage an die lesbische Wissenschaftlerin, ob trans Menschen nicht besser geschützt werden sollten – schließlich würden diese viel öfter angegriffen als andere Menschen. Doch Stock wischt dies einfach zur Seite:

In Großbritannien ist in den vergangenen zwei Jahren glücklicherweise keine Transperson ermordet worden, in den zehn Jahren davor gab es einen Mord pro Jahr. Demgegenüber werden hier im Schnitt bis zu drei Frauen pro Woche ermordet. Die Idee, Transpersonen seien derart gefährdet, dass wir unser gesamtes gesellschaftliches Gefüge auf den Kopf stellen müssen, um sie zu schützen, ist Propaganda. Es sind Stonewall und andere Organisationen, die verlangen, dass Frauen ihre Rechte aufgeben, um Transfrauen vor Gewalt zu schützen.

Der Propaganda-Vorwurf wird ebenso wie die genannten Zahlen nicht weiter thematisiert, obgleich diese etwa in mehrerer Hinsicht irreführend sind – so müsste etwa die relative Zahl von trans Menschen zu cis Menschen berücksichtigt werden. Der wichtigste Punkt ist aber: Studien aus vielen Ländern zeigen schon seit Jahren, wie belastend eine transfeindliche Atmosphäre für trans Menschen ist; diese führt zu Depressionen und Suizidgedanken. Eine vergangenes Jahr veröffentlichte niederländische Studie kommt etwa zu dem Ergebnis, dass das Sterberisiko bei trans Menschen doppelt so hoch ist wie bei cisgeschlechtlichen Menschen (queer.de berichtete). Unter Nennung von bizarren Einzelfällen trans Menschen zu einer Gefahr abzustempeln, ist angesichts dieser Zahlen absurd. Sie können auch nicht Diskriminierung und Ausgrenzung legitimieren. Im "Spiegel"-Interview werden diese Fakten aber unterschlagen.

In Großbritannien läuft schon länger eine kampagnenartige Stimmungsmache gegen trans Menschen und ihre Rechte, die von Personen wie dem Atheisten-Papst Richard Dawkins oder der "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling angeheizt wird. Auch in Deutschland ist diese Stimmungsmache bereits angekommen und vereinigt Feministinnen und Rechtspopulist*innen, wie Artikel des Frauenmagazins "Emma" und Hassattacken der AfD zeigen.


Derzeit treiben LGBTI-feindliche AfD-Abgeordnete wie Nicole Höchst die von der "Emma" entfachte transphobe Kampagne voran

-w-

#1 KratzbürsteAnonym
  • 21.02.2022, 11:41h
  • Ist beim Spiegel leider nichts Neues, da wurden auch schon Detransitionierende porträtiert, die sich als Opfer inszenieren konnten und auch sonst regelmäßig in der Regel cis Männer, die ihre "Bedenken" zu einem Selbstbestimmungsgesetz fröhlich verbreiten durften. In der Hinsicht ist der Spiegel einfach inzwischen auf einem Level mit Emma und Bild und scheidet für mich jetzt auch als Nachrichtenquelle aus.
  • Direktlink »
#2 kleine KatzeAnonym
  • 21.02.2022, 13:37h
  • Das bedeutet wohl, daß die gesamte bürgerliche Presse jetzt in Sachen trans Feindlichkeit Plattform der AfD wird. Inhaltlich waren FAZ, NZZ und, warum nicht, das Linksmacker-Blatt 'Jungle Word' seit Jahren auf diesem Kurs, Stichworte: 'trans lobby', J K Rowling.

    Der Unterschied zu jetzt ist, daß man trotz inhaltlicher Übereinstimmung so tun konnte, als hätte das mit der Agenda der AfD - Deutschland - aber normal' - nichts zu tun. Nach von Storchs Rede im Bundestag zum 8. März geht das nicht mehr. Es wird trotzdem weitergemacht.

    Auch konnte man, und das sehr erfolgreich, im gesamten deutschen Feminismus die TERFs verharmlosen und damit de facto strukturell unterstützen. Wobei die stärkste, sicherste und aggressivste Bastion der TERFs in Deutschland die Lesbenszenen und -organisationen waren und sind: sehr gute Berichte zum Lesbischen Frühlingstreffen 2021 (LFT) hier auf queer de; in diesem Bereich 'distanzierte (man) sich von Teilen des Programms', nachdem die Hirschfeld-Stiftung interveniert und das Zudrehen des Geldhahns angekündigt hatte. Und dann stolzierte Julia Beck, sehr bekannte US-TERF und Moderatorin des LFT, auf dem Berliner Dyke March, dessen Route mit Tausenden von TERF-Aufklebern geschmückt war.

    Wird sich jetzt irgend etwas ändern, nachdem eindeutig von Storch im Bundestag die Position der EMMA aufgegriffen und selbst vertreten hat?

    Wieso denn?

    Die TERFs waren schon immer rechts, und zwar genau so rechts, wie sie sich jetzt zeigen. Im Schulterschluß mit der AfD, wie sie auch in den USA im Schulterschluß mit der extremen und religiösen Rechten waren und sind. Das konnte man schon lange wissen.

    Auf den 8. März darf man sich freuen:

    'Im Märzen die TERFen verhetzen das Land', unterstützt von der deutschen Presse. Alle Jahre wieder. Antimuslimischer Rassismus, antisemitische Verschwörungserzählungen - das hat doch vorher auch niemanden interessiert!

    Ja, man konnte das wissen. Hier ein Artikel von Sibel Schick von 2020:

    www.nd-aktuell.de/artikel/1142498.terre-des-femmes-in-die-re
    chte-ecke.html


    Jetzt - jetzt kann man es auch wissen. Kein Unterschied.
  • Direktlink »
#3 MinuschAnonym
  • 21.02.2022, 13:40h
  • Eine favorisierende Darstellung in einem Beitrag des "Deutschlandfunk Kultur" letztes Jahr, jetzt ein unkritisches Interview im "Spiegel" - das muss wohl diese Cancel Culture sein, von der immer geredet wird.

    Oder fällt das jetzt unter "ausgewogene Berichterstatung" (alternativ: "Freie Meinung" und "wird man ja wohl noch sagen dürfen"), wenn menschenfeindliche Aussagen unkritisch und ohne notwendigen Kontext präsentiert werden?

    Enttäuschend.
  • Direktlink »