Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?41249

Berlin

Menschenrechtsverein: Humboldt-Universität diskriminiert queere Studierende

Anders als andere Hauptstadt-Unis werden trans, inter und nicht-binäre Studierende in der HU oft gezwungen, ihren Deadnamen zu benutzen. Das verstoße gegen das Landesantidiskriminierungsgesetz.


Die Humboldt-Universität wurde 1809 von König Friedrich Wilhelm III. gegründet (Bild: Ischias08 / wikipedia)

Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat am Dienstag bei der Humboldt-Universität Berlin ihre erste Beanstandung nach dem Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) eingereicht. Der Menschenrechtsverein rügt, dass die Hochschule trans, inter und nicht-binären Studierenden gegenwärtig nicht das Recht einräumt, den ihrem Geschlecht entsprechenden Vornamen auf Dokumenten wie dem Studierendenausweis zu führen, wenn noch keine amtliche Namensänderung stattgefunden hat.

Trans, inter und nichtbinäre Studierende haben ein Recht auf #Selbstbestimmung! ? Ob #Studierendenausweis,...

Posted by Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. – GFF on Tuesday, February 22, 2022
Facebook / Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. – GFF
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

"Die Humboldt-Universität verstößt klar gegen das Diskriminierungsverbot", erklärte GFF-Juristin Soraia Da Costa Batista in einer Presseerklärung. "Denn trans, inter und nicht-binäre Studierende haben das Recht, ihren Identitätsnamen zu führen – auch schon vor einer amtlichen Namensänderung." Andernfalls führten alltägliche Anlässe wie eine Ticketkontrolle mit Studierendenausweis in der U-Bahn zu diskriminierenden Situationen. "Die Betroffenen müssen sich zu wahrgenommenen Unterschieden zwischen ihrer dokumentierten und ihrer tatsächlichen geschlechtlichen Identität erklären. Diese Zwangsoutings sind belastend und diskriminierend", so Da Costa Batista.

Andere Berliner Unis sind weiter

Laut "Tagesspiegel" verstehe die Juristin ohnehin nicht, warum die HU noch zögere; schließlich ermöglichten die anderen beiden großen Hochschulen der Bundeshauptstadt, die Freie Universität und die Technische Universität, die Änderung des Vornamens.

Die Situation werde dadurch verschärft, dass die Namensänderungen nach dem völlig überholten in großen Teilen verfassungswidrigen Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1981 durchgeführt werden müssten. "An den langwierigen Prozessen für Namensänderungen zeigt sich, dass trans, inter und nicht-binäre Personen in unserer Gesellschaft noch lange nicht gleichgestellt sind", erklärte Bo Günther, studentische*r Mitarbeiter*in der GFF sowie Mitglied von Unitin*, der Berliner Selbstorganisation von trans, inter und nicht-binären Hochschulangehörigen. "Umso wichtiger ist, dass öffentliche Einrichtungen beim Abbau von Diskriminierung Vorreiter sind. Wir erwarten, dass die Humboldt-Universität schnell handelt."

Der Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung sieht die Abschaffung des Transsexuellengesetzes und die Einführung eines Selbsbestimmungsgesetzes vor (queer.de berichtete). In der vorhergehenden Legislaturperiode war eine angekündigte Reform gescheitert (queer.de berichtete).

Berlin war das erste Bundesland, das 2020 ein umfassendes Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) beschlossen hatte – damals mit den Stimmen der rot-rot-grünen Regierung und gegen den erbitterten Widerstand von CDU, AfD und FDP. Der damalige Oppositionsführer Burkard Dregger (CDU) warnte etwa in einer rassistischen Rede im Abgeordnetenhaus davor, dass sich auch kriminelle Menschen "erkennbar afrikanischen Ursprungs" auf das Gesetz berufen könnten (queer.de berichtete). (dk)



#1 Lucas3898Anonym
  • 22.02.2022, 12:56h
  • Von einer Uni, die nach dem großen Humanisten Alexander von Humboldt benannt ist, hätte ich da mehr Menschlichkeit erwartet.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AtreusProfil
#3 KludgeProfil
  • 22.02.2022, 13:41hAachen
  • Die Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V. bedenkt die Berliner Humboldt-Universität aus einem 3,3 Milliarden Euro (Steuergelder) umfassenden Förderetat jährlich mit beträchtlichen Förderleistungen. 2/3 der Finanzleistung trägt der Bund, 1/3 die Mitglieder des Fördervereins.

    Um das Übel an der Wurzel zu packen, sollte man nicht die Nehmenden kritisieren, sondern die Gebenden informieren. Und man kann auch ruhig die Frage aufwerfen, ob Excellenz-Strategien überhaupt angemessen sind, wenn lediglich Eliten "nach eigener Facon" ausgebildet werden sollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 canSarahAnonym
#5 FaunusEhemaliges Profil
  • 22.02.2022, 22:02h
  • Mal schön den Ball flachhalten. Augerechnet die Humboldt UNI ist gewiss nicht unser Feind!

    Im Übrigen: "Die HU teilte am Dienstag mit, sie unterstütze das Anliegen der Studierenden zur Führung des selbstgewählten Namens. Die Schaffung der organisatorischen und technischen Voraussetzungen werde aller Voraussicht nach Ende März abgeschlossen sein, so dass mit Beginn des Sommersemesters die hochschulinterne Verwendung des selbstgewählten Namens möglich sein wird, erklärte HU-Sprecher Hans-Christoph Keller." Aus dem Tagesspiegel.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 evelinProfil
  • 23.02.2022, 11:22hBerlin
  • Antwort auf #5 von Faunus
  • Wenn's nur so wäre. Tatsächlich hat die HU sich aber jahrelang gegen jedwede Konzession vehement aufgrund "rechtlicher Bedenken" gewehrt. Und das obwohl es schon seit 2016(!) ein Gutachten der Antidisriminierungsstelle des Bundes gibt, das all diese "Bedenken" untersucht hat und zu dem Schluss gekommen ist, dass diese nicht stichhaltig sind.

    Und auch die nun endlich geplanten Änderung sind einerseits durch das neue Hochschulgesetz sogar erzwungen und anderseits werden Ausweise und Zeugnisse weiterhin unter dem Deadname ausgestellt.

    Das heißt es gibt weiterhin Zwangsoutings in öffentlichen Verkehrsmitteln - was bekannterweise alles andere als sicher ist - sowie bei jeder Bewerbung. Weitere Diskriminierung ist da programmiert.

    Eine "Verbündete" wie die HU, die uns nur soweit unterstützt, wie es das Gesetz eindeutig fordert, hat diese Bezeichnung nicht verdient.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SolanaceaeAnonym
  • 23.02.2022, 11:31h
  • Antwort auf #3 von Kludge
  • Als wenn das die Geldgebenden stört. Transphobie ist doch salon- und gesellschaftsfähig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Schau dir die gesellschaft doch an. Schau dir die Beiträge und das Kopfschütteln zu diesen und anderen Artikeln in der nicht queeren Presse an. Wir Transidenten Menschen sind psychisch Kranke Männer (mal davon abgesehen, dass es auch Trans Männer gibt, aber in der Öffentlichkeit stehen ja nur die Trans Frauen)
  • Antworten » | Direktlink »
#8 so issesAnonym