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Serientipp
"Sort Of" gehört zu den schönsten queeren TV-Entdeckungen
Die kanadische Comedy-Serie über die Selbstfindung von Sabi – Kind pakistanisch-muslimischer Einwanderer, das die Pronomen they/them bevorzugt – läuft jetzt als Deutschlandpremiere auf Sky. Unbedingt anschauen!

Die Hauptfigur von "Sort Of": Sabi Mehboob (Bilal Baig) versucht in dem zutiefst empathischen Mix aus Comedy- und Coming-of-Age-Serie, unterschiedliche Identitäten unter einen Hut zu bekommen (Bild: Sky Deutschland)
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23. Februar 2022, 04:40h - 3 Min.
Immer wenn wir kurz davor sind, uns zu beschweren über zu viel Content, zu viele Streaminganbieter und viel zu wenig Zeit, um auch nur annährend den Überblick über all die Filme und Serien zu behalten, kommt wieder eine kleine, wunderbare Perle daher, die jegliches Gejammer sofort verstummen lässt. So wie die kanadische Comedy-Serie "Sort Of", die eine der schönsten Entdeckungen des vergangenen Jahres war und nun endlich auch bei uns zu sehen ist. Bei Sky, um genau zu sein.
Im Zentrum steht dabei eine Hauptfigur, wie es sie viel zu selten zu sehen gibt. Sabi Mehboob (Bilal Baig) ist Kind pakistanisch-muslimischer Einwanderer in Kanada, lebt in Toronto und verwendet seit einiger Zeit – zumindest auf Nachfrage – die Pronomen they/them. Nichtbinär? Genderfluid? Trans? Wer bist du wirklich? Wohin führt dein Weg noch? Und ist die Sache mit dem Ex (Gregory Ambrose Calderone) wirklich vorbei? So wirklich kann Sabi all diese Fragen selbst noch nicht klar beantworten.
Die Mutter hat Sabis wahres Ich noch nie gesehen

Poster zur Serie: Sky zeigt die acht Episoden der ersten Staffel von "Sort Of" im englischen Original und in synchronisierter Version
Um Komplikationen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen, hält Sabi die verschiedenen Alltagsrealitäten möglichst voneinander getrennt. Der Job als Betreuungsperson für die beiden Schulkinder des berufstätigen Ehepaars Bessy (Grace Lynn Kung) und Paul (Gray Powell) ist das eine, der in einem queeren Buchladen und Café mit 7ven (Amanda Cordner, eine wunderbare Entdeckung) als wichtigster Vertrauensperson das andere. Und die eigene Mutter (Ellora Patnaik) hat Sabis wahres Ich, anders als Schwester und Mitbewohnerin Aqsa (Supinder Wraich), noch nie gesehen. Doch als Bessy nach einem Unfall im Koma liegt, vermischen sich plötzlich die Sphären, und Sabi kann gewisse Fragen und Themen nicht länger verdrängen.
Dass "Sort Of", von Bilal Baig gemeinsam mit Regisseur Fab Filippo entwickelt, eine Person ins Zentrum rückt, die in vergleichbaren Geschichten über die Selbstfindung von Millennials vollkommen unterrepräsentiert ist, ist großartig. Aber natürlich nur die halbe Miete. Denn zu einem außergewöhnlichen Serien-Erlebnis werden die acht Folgen, die gut in eine Reihe mit ähnlich gelagerten Produktionen wie "Work in Progress" oder "Ramy" passen, vor allem durch Baigs ganz besonderen Blick. Nicht nur Sabis Sorgen, Nöten und Freuden bringt die Serie wunderbar sensible Anteilnahme und Verständnis entgegen, sondern auch allen anderen Figuren, ganz unabhängig von Alter, Hautfarbe oder Erfahrungshorizont.
"Jeder Mensch verändert sich doch ständig und ist somit in Transition", sagt eine neue Bekanntschaft von Sabi irgendwann und spricht damit einen Leitsatz dieser zutiefst empathischen Serie (die aktuell übrigens in zehn Kategorien für den Canadian Screen Award nominiert ist) aus. Wobei natürlich nicht unerwähnt bleiben darf, dass Baig und die Mitstreiter*innen obendrein auch ein exzellentes Gespür für trocken-lakonischen Humor haben – und genau wissen, wie viel Melancholie und Tragik so eine Comedy-Serie verträgt. Aber genug geschwärmt. Jetzt heißt es: Unbedingt ansehen!
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