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Aserbaidschan

Baku: Queerer Journalist und Aktivist durch Vetter getötet

Berichten aus der Community zufolge wurde der 24-Jährige enthauptet.


Avaz Hafizli wurde 24 Jahre alt (Bild: Privat / FB)

Im Sabunçu-Bezirk der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ist am Dienstagnachmittag der 24-jährige Journalist Avaz Hafizli ermordet worden. Laut der Polizei habe ihn sein gleichaltriger Cousin mit einem Messer getötet.

Den Behörden zufolge habe dieser unter Alkoholeinfluss gestanden und bei einem Verhör angegeben, Hafizli in einem Streit um persönliche Dinge getötet zu haben. Der Vetter sei festgenommen worden und weitere Ermittlungen liefen, so die Polizei laut Medienberichten.

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Freund*innen und Kolleg*innen des Getöteten sowie Angehörige der queeren Community sprechen in sozialen Netzwerken von einem antiqueeren Hassverbrechen. Demzufolge sei Hafizli enthauptet worden, auch seien ihm Geschlechtsteile entfernt worden. Bekannte hätten Hafizli zum Leichenschauhaus gebracht, nachdem sich Polizei und Sanitäter geweigert hätten, den Körper anzufassen und zu transportieren. Am Mittwochmorgen wurde er beigesetzt.

Der Getötete war unter anderem als Blogger und als Journalist aktiv. Bei einer Reportage für den Online-Sender Kanal 13 wurde er einst zusammengeschlagen, als er von der Eröffnung eines Restaurants in Zusammenhang mit vermuteter Korruption berichtete.

In den letzten Jahren hatte sich Hafizli auch für queere Themen eingesetzt und in sozialen Netzwerken als Angehöriger der Community zu erkennen gegeben. Im letzten Jahr hatte er sich an das Gitter am Eingang der Staatsanwaltschaft angekettet, um auf deren Untätigkeit gegenüber anti-queerer Gewalt und Hetze aufmerksam zu machen.

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Speziell ging es um eine einflussreiche Instagram-Bloggerin, die immer wieder zu Gewalt gegen queere Menschen und speziell trans Frauen aufrief – darunter gegen eine 27-jährige trans Frau, die dann im letzten August brutal getötet wurde: Mit verbundenen Armen und Beinen wurde sie in einem Wald verbrannt. Die Bloggerin hatte auch Hafizli in einem Video attackiert und bedroht, der daraufhin im letzten September einen Suizidversuch unternahm.

Laut Berichten von ILGA Europe und dem regionalen queeren Magazin "Minority" kam es in den letzten Jahren verstärkt zu vielen Hassverbrechen gegen die queere Community, die von den Behörden des autoritären Regimes von Präsident Ilham Alijew nicht als solche thematisiert und aufgeklärt werden. 2019 und 2017 kam es hingegen zu Massenfestnahmen queerer Menschen durch die Polizei.

Aserbaidschan wurde Europäer*innen vor allem durch den Eurovision Song Contest 2012 näher bekannt, für das das an Öl und Gas reiche Land seine Hauptstadt Baku herausputzte. Danach verschlechterte sich die Lage für Menschenrechtsaktivist*innen wieder, und auch für LGBTI wurde es nicht besser. 2014 erhängte sich in Baku ein 20-jähriger LGBTI-Aktivist an einer Regenbogenflagge (queer.de berichtete). (nb)



#1 SakanaAnonym
  • 23.02.2022, 10:42h
  • puuuuh...für alle queeren Nachrichten aus dem postsowjetischen Raum braucht man zur Zeit n sehr starken Magen und n dickes Fell, sonst könnte man das kaum noch ertragen...

    Zuerst die russischen Todeslisten, dann die ungerechte Verurteilung der beiden queeren Menschen in Tschetschenien, jetzt dieser grausame Fall aus Aserbaidschan....

    Ich bewundere die queeren Communities dort echt, die nach wie vor kämpfen bis zum Äußersten trotz des queerphoben Hasses, der ihnen in unglaublicher Gewalt aus der Gesellschaft entgegenschlägt. Hoffentlich wird es eines Tages besser dort...

    Ruhe in Frieden und Kraft, Avaz!
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#2 LothiAnonym
  • 23.02.2022, 12:27h
  • Und wieder ein soo sinnloses Hassverbrechen. Ich bin zutiefst erschüttert und nur noch traurig.
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