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Recht neu interpretiert

Texas ahndet Behandlung von trans Jugendlichen jetzt als "Kindesmisshandlung"

Mit dem Parlament hatte es nicht geklappt, also interpretiert die texanische Regierung geltendes Recht einfach um. Das Ergebnis ist transfeindlich und eine ungeheuerliche Nivellierung von Gewalt gegen Kinder.


Texas-Gouverneur Greg Abbott braucht kein Parlament mehr, um transfeindliche Vorhaben umzusetzen (Bild: Gage Skidmore / wikipedia)

Der US-Bundesstaat Texas wird geschlechtsangleichende Maßnahmen bei Jugendlichen künftig als "Kindesmisshandlung" ("child abuse") einstufen und entsprechend juristisch gegen die Beteiligten vorgehen.

Das ordnete der republikanische Gouverneur des Staates, Greg Abbott, am Dienstag in einer per Brief versandten Direktive an das Texas Department of Family and Protective Services an. Das Amt habe, heißt es da, der Rechtsauffassung des texanischen Justizministers zum Thema "Kindesmisshandlung" Folge zu leisten.

Tags zuvor war bekannt geworden, dass Justizminister Ken Paxton die geltende Rechtslage im Staat entsprechend neu interpretiert. Ein öffentlich gewordenes, 13-seitiges Schreiben, datiert auf den 18. Februar, enthält die Argumentation dafür.

Das Texas Department of Family and Protective Services erfüllt unter anderem Aufgaben, die in Deutschland von kommunalen Jugendämtern übernommen werden.

Nicht einmal Pubertätsblocker erlaubt

Der englischsprachige Ausdruck "child abuse" wird als Oberbegriff für Kindesmisshandlungen benutzt. Eine Übersetzung ins Deutsche als "Kindesmissbrauch" würde daher den Wortsinn verzerren. Sehr wohl gehören zum "child abuse" jedoch sowohl die physische und psychische als auch die sexuelle Misshandlung von Kindern.

In Deutschland haben die AfD und weitere, queerfeindliche Gruppen sogar LGBTI-inklusive Sexualaufklärung immer wieder auch als "Kindesmissbrauch" bezeichnet und so bewusst die Assoziation zu sexueller Gewalt gegen Kinder aufgerufen (queer.de berichtete).

Zu den jetzt in Texas verbotenen medizinischen Maßnahmen gehören die Gabe von Hormonen sowie geschlechtsangleichende Operationen.

Extra aufgeführt sind zudem hormonelle Pubertätsblocker, die es transgeschlechtlichen Jugendlichen ermöglichen, nicht die vom Körper ausgelöste Pubertät zu durchlaufen und mehr Zeit zur Evaluierung einer Transition zu bekommen. Der Grund: Diese Maßnahmen würden "mentale oder emotionale Verletzungen" verursachen.

So steht es jedenfalls in der fragwürdigen Argumentation des texanischen Justizministers. Die Operationen werden im Text durchgehend als "Geschlechtswechsel"-Operationen bezeichnet. "Geschlechtswechsel" ist dabei stets in Anführungszeichen gesetzt. Das entspricht ebenfalls der politischen Interpretation nicht nur der US-amerikanischen Rechten.

Der Begriff weicht von der medizinischen Terminologie, die in den USA "geschlechtsneuzuordnende Operation" ("gender reassignment surgery") lautet, deutlich ab. Eine weitere Kernbehauptung des Republikaners: Das "fundamentale Recht auf Fortpflanzung" der Jugendlichen und Kinder würde durch die Maßnahmen verletzt.

Zwangs-OPs an Inter weiter erlaubt

In Operationen an intergeschlechtlichen Kindern will Paxton jedoch keine "Kindesmisshandlung" erkennen. Diese seien schließlich "aus medizinischer Notwendigkeit geboren" und überdies nur "unter seltenen Umständen" nötig. Als Beispiel nennt der Minister die operative Entfernung der Hoden "bei Hodenkrebs".

Dabei sind in Wahrheit operative Geschlechtsangleichungen bei Kindern und Jugendlichen extrem selten. Rein kosmetische, die Fortpflanzungsfunktionen beeinträchtigende Eingriffe bei intergeschlechtlichen Kindern werden hingegen, trotz international immer lauter werdender Kritik an der menschenrechtswidrigen Praxis, wesentlich häufiger vorgenommen.

Die Eingriffe sollen dazu dienen, Kinder teilweise schon im Säuglingsalter der geschlechtlichen Norm anzupassen. Die Folgen bestehen nicht selten aus lebenslangen Komplikationen und Leiden für die betroffenen Menschen.

Im vergangenen Jahr war noch versucht worden, die transfeindliche Regelung durch ein eigenes Gesetz einzuführen. Der Entwurf mit der Nummer SB 1646 wurde zunächst vom Senat angenommen, schaffte es im Mai dann jedoch nicht, auch den zuständigen Ausschuss zu überzeugen. Die Regierungsmannschaft will das Votum des texanischen Parlaments nun augenscheinlich umgehen.

Sogar Ärzt*innen zur Denunziation verpflichtet

In Gouverneur Abbotts Schreiben heißt es zu diesem Zweck: "Weil das Texas Department of Family and Protective Services dafür zuständig ist, Kinder vor Misshandlung ("abuse") zu beschützen, weise ich hiermit Ihr Amt an, eine sofortige und gründliche Untersuchung jedes gemeldeten Falles dieser misshandelnder Prozeduren im Staate Texas einzuleiten."

Und weiter: "Um texanische Kinder vor Misshandlung zu bewahren, müssen die DFPS sowie sämtliche weitere Ämter dem Gesetz folgen, wie es in der Rechtsauffassung KP-0401 des Büros des Justizministers erklärt ist." Gemeint ist das tags zuvor öffentlich gewordene Schreiben.

Die weiteren Stellen, die sich der neuen, speziellen Definition von Kindesmisshandlung nun fügen sollen: Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen und Lehrer*innen. Sollte ihnen nachgewiesen werden, dass sie einen Verdacht auf "Kindesmisshandlung" nicht gemeldet haben, droht ihnen Bestrafung.

Außerdem ist das Department of Family and Protective Services verpflichtet, Untersuchungen gegen Eltern von Kindern und Jugendlichen einzuleiten, die "geschlechtstransitionierenden Prozeduren unterworfen sind". Damit dürften sich vermutlich bereits Eltern verdächtig machen, die einen offen transgeschlechtlich lebenden Teenager haben beziehungsweise ihr Kind nicht via Zwang davon abhalten, es selbst zu sein.

Im Oktober vergangenen Jahres unterzeichnete Abbott bereits ein Gesetz, das es trans Schüler*innen verbietet, am Schulsport ihres Geschlechts teilzunehmen. Stattdessen muss seit Inkrafttreten des Gesetzes im Januar das bei der Geburt in die Geburtsurkunde eingetragene Geschlecht zur Bestimmung der Sportgruppe verwendet werden (queer.de berichtete).



#1 AtreusProfil
  • 24.02.2022, 09:54hSÜW
  • Hatte es heute Nacht schon gesehen und an anderer Stelle kommentiert. Mir fehlen aktuell die Worte, um meine Gefühle hierbei zu beschreiben. In Kombination mit der seit heute Nacht offiziell angekündigten Eroberung der Ukraine, ist es gerade doch alles etwas zu viel.

    Ich möchte aber zum Thema USA das Buch "Amerikas Gotteskrieger" empfehlen, das viele Fragezeichen im Nu auflöst.
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#2 kleine KatzeAnonym
  • 24.02.2022, 10:01h
  • Wie gut, daß Jeja Klein hier schreibt! Dankeschön Jeja und queer de!

    Auf die offensichtlichen Übereinstimmumgen zwischen diesen Praktiken auf der einen Seite und Positionen und Forderungen von AfD-Terfs (Rechten und Rechten) in Deutschland muß ja nicht hingewiesen werden.

    Aber vielleicht lohnt es sich, kurz auf den zur Anhörung zum niedergestimmten Selbstbestimmungsgesetz geladenen 'Experten' zu zeigen. Der große Teile der deutschen Psychomedizin repräsentiert.
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#3 KopfschüttelAnonym
  • 24.02.2022, 10:09h
  • Religiöse Indoktrination und Bevormundung von klein an und psychischer Terror, der bis hin zum Suizid führen kann, sind natürlich keine "Kindesmisshandlung"... *Augenroll
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#4 kleine KatzeAnonym
  • 24.02.2022, 10:43h
  • Antwort auf #3 von Kopfschüttel
  • Dann schau mal bei der 'Demo für alle', schau dir die trans feindlichen Positionspapiere von Terre des Femmes Deutschland und die TERF-Stellungnahmen zum niedergestimmten Selbstbestimmungsgesetz an.

    Jeja weist zurecht auf die abweichende texanische Wortwahl für Transition hin. In Deutschland lese ich immer noch ständig 'Geschlechtsumwandlung' (das wäre die Texas-Variante). Das muß man hier gar nicht erst zurück- und umdrehen.

    Was religiöse Indoktrinatiom angeht - da sind es 'Demo für alle', AfD, und nicht nur diese, deren Auffassung von Chrustentum auf die texanische 1:1 paßt. Wozu dann meist die Hetze gegen 'den Islam' kommt, die beim antimuslimischen Rassismus der TERFs andockt.

    Ja - alles zum 'Schutz von Kindern'.
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#5 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 24.02.2022, 10:46h
  • Antwort auf #2 von kleine Katze
  • Falls du Korte meinst, der vertritt nur eine Minderheitenmeinung.
    Nicht nur, dass er im kleinsten Fachverband Deutschlands ist, sondern selbst dort ist er mit seiner Meinung ziemlich alleine.
    Fachliche Kompetenz ist da nicht vorhanden.
    Das ist einfach ein klassisches Element der Wissenschaftsleugnung der Öffentlichkeit einen Pseudoexperten zu präsentieren, der die Meinung vertritt.
    Und die Öffentlichkeit und die Medien fallen natürlich drauf rein.
    Ein trauriges Beispiel für die Verbreitung von Wissenschaftsfeindlichkeit.

    Aber wie schon gesagt, Transfeindlichkeit hat eine Scharnier Funktion. Damit kannst du so ziemlich alle Menschen zur Zusammenarbeit bringen. Islamisten machen gemeinsame Sache mit radikalen Christen, oder Demokraten und Faschisten, oder Rassisten und Schwarze, oder Katholiken und Frauenrechtler, oder Konservative und Homosexuelle, oder, oder, oder.
    Zynisch gesagt, wir spalten nicht die Gesellschaft, wir vereinen sie. Egal wie sehr sich diese Menschen gegenseitig hassen, ihr Hass auf uns führt sie alle zusammen. Das schafft sonst niemand, dass ist eine einmalige Leistung.
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#6 DQ24Anonym
  • 24.02.2022, 10:55h
  • Das ist typische republikanisch-texanische-fundamentalistische Heuchelei und Doppelmoral: Intersexuelle Kinder dürfen weiter gegen ihren Willen operiert werden, weil fundamentalistische Eltern und Mediziner das so wollen, aber das Selbstbestimmungsrecht einzelner Menschen (Kinder und Jugendliche) wird mit Füßen getreten. Nicht einmal Pubertätsblocker sind erlaubt.
    Wissen diese Menschen überhaupt, was Kindesmisshandlung ist? Wenn Priester Kinder vergewaltigen, sehen sie weg, wenn ein Kind sich als LGBTIQ+ outet, wollen sie diese "behandeln"! DAS IST KINDESMISSHANDLUNG!!!!
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#7 kleine KatzeAnonym
  • 24.02.2022, 10:57h
  • Antwort auf #5 von PhoebeEulenbaer
  • Wenn Korte so isoliert ist - wieso hat er dann seinen Posten und seine Approbation noch? Man muß doch dsvon ausgehen, daß er praktiziert, wss er verkündet, als Kinder- und Jugendpsychiater. Und wieso widersprechen ihm andere 'Fachleute' nicht öffentlich?

    Wer schweigt, stimmt zu.

    Mit der Scharnierfunktion des trans Hasses hast du aber unbedingt recht!
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#8 KopfschüttelAnonym
#9 kleine KatzeAnonym
  • 24.02.2022, 11:15h
  • Antwort auf #8 von Kopfschüttel
  • Find' ich gut! Wenn du das selbst durchmachen mußtest, weißt du, um was es geht, und warum man diesen Predigern und Scharlatanen entgegen treten muß! Und das tust du. Ein paar mehr wie du, dann sähe das hier anders aus!
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#10 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 24.02.2022, 12:01h
  • Antwort auf #7 von kleine Katze
  • Da fragst du die falsche, aber wenn ich spekulieren sollte, dann würde ich sagen den Posten hat er noch, weil man sich schwer tut solche Leute zu entfernen. Guck dir andere Fälle an, AfD Richter und Professoren will auch niemand rauswerfen, aus Angst vor Kritik.
    Und die Approbation? Oh bitte, eher wird die Hölle zufrieren als wenn einem deutschen Arzt die entzogen wird.
    Wenn ich mich richtig erinnere gab es letzte Woche eine Doku von Panorama 3 über Impfgegner Ärzt*innen, die verschreiben lieber Chlorbleiche und Entwurmungsmittel als ihre Patient*innen zu zu impfen. Nicht mal da passiert was. Also ist Korte nur ein ganz kleiner Fisch. Wer nicht mal die dicken Fische sieht, wird die kleinen erst recht nicht sehen.

    Warum widerspricht niemand öffentlich? Typisches Problem der Wissenschaft, die wissen bis heute nicht, dass sie mit der breiten Öffentlichkeit kommunizieren müssen.
    Corona, Klimawandel und all das, überall die selben Fehler. Warum haben es Wissenschaftsleugner so leicht? Weil es ihnen eben so leicht gemacht wird.
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