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Häufig negative Erfahrungen
Studie: Trans und inter Menschen werden bei Schwangerschaft diskriminiert
In der ersten quantitativen Befragung zu queeren Schwangeren wird deutlich, dass im deutschen Gesundheitssystem noch viel zu tun ist.

Auf queere Schwangerschaften sind viele deutsche Krankenhäuser bis heute nicht vorbereitet (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung)
- 25. Februar 2022, 10:35h - 2 Min.
Queere schwangere Menschen erfahren im Gesundheitssystem Diskriminierung. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung von knapp 1.500 Personen zu ihren Erfahrungen mit Schwangerschaft, Geburt und Kinderwunschbehandlung (PDF). Institutionen der Gesundheitsversorgung und medizinisches Personal sind demnach häufig nicht darauf vorbereitet, dass auch lesbische, bisexuelle, nichtbinäre, trans* und intergeschlechtliche Personen Kinder bekommen wollen, schwanger sind und gebären. Folglich kann den allgemeinen und spezifischen Bedürfnissen queerer Personen häufig nicht angemessen begegnet werden.
An der Befragung beteiligten sich 554 queere und 873 nicht-queere Personen, die zwischen 2016 und 2021 schwanger waren oder werden wollten. Damit handelt es sich um die erste quantitative Befragung in Deutschland zum Themenkomplex queere Schwangerschaft. Das Papier wurde im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts für Feminismus und Geschlechterdemokratie (GWI) durchgeführt, einer von der grünennahmen Heinrich-Böll-Stiftung 2007 gegründeten Einrichtung. Beteiligt waren auch das Netzwerk Queere Schwangerschaften und die Sigmund-Freud-Privat-Universität Berlin.
Die Ergebnisse zeigen, dass queere Personen häufig Angst vor Diskriminierung haben und tatsächlich auch häufiger negative Erfahrungen in der Gesundheitsversorgung machen. So berichtete etwa mehr als die Hälfte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen von Gewalt und/oder Diskriminierungen bei einer Klinikgeburt, aber "nur" ein Fünftel der anderen Personen.

Trans- und intergeschlechtliche Personen haben es zudem schwerer, an für sie relevante Informationen zu gelangen. In der Studie wird auch angemerkt, dass queere Menschen außerdem auch rechtlich diskriminiert werden würden, z. B. wenn sie bei der Finanzierung von assistierter Reproduktion gegenüber nichtqueeren Menschen benachteiligt werden oder sich spezifische juristische Schwierigkeiten, etwa in Bezug auf rechtliche Elternschaft, ergeben.
"Die Studie zeigt, dass eine ökonomisierte Geburtshilfe keine adäquate Versorgung von Schwangeren gewährleisten kann – und das gilt natürlich besonders für vulnerable Gruppen wie queere Personen", erklärte Barbara Unmüßig, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung.
Die von Ska Salden und dem Netzwerk Queere Schwangerschaften verfasste Studie formuliert mehrere Forderungen an die Politik: So sollten die Versorgungsqualität für alle Schwangeren in der klinischen Geburtshilfe verbessert, medizinisches Personal zu diskriminierungssensiblem Handeln weitergebildet, Informationen zum Thema Schwangerschaft und Geburt inklusiv gestaltet sowie Abstammungsrecht und Regelungen zur Finanzierung von assistierter Reproduktion reformiert werden. Auf einer Veranstaltung am 3. März wird die Studie und ihre Konsequenzen u.a. mit der grünen Bundestagsabgeordneten Tessa Ganserer diskutiert. (pm/cw)
Links zum Thema:
» Die Studie lesen (PDF)














