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Polizeibericht

Neukölln: Todesdrohung gegen trans Frau

Ein Unbekannter hat in Berlin eine trans Frau attackiert, da sie Frauenkleider und ein Kopftuch trug.


Immer wieder gibt es Berichte über queerfeindliche Übergriffe aus Berlin (Bild: mbaumi / unsplash)

Die Berliner Polizei meldet erneut eine transphobe Attacke: Demnach habe eine 42-jährige trans Frau am Donnerstagnachmittag Anzeige gegen einen unbekannten Mann erstattet, der sie gegen 16 Uhr in Neukölln beleidigt, bedroht und verletzt haben soll. Sie gab an, an einem Bistro in der Hermannstraße gerade eine Essenbestellung aufgegeben zu haben, als sie der Tatverdächtige darauf angesprochen habe, dass sie Frauenkleider und ein Kopftuch trage. Nach einem kurzen Wortwechsel soll der Unbekannte versucht haben, ihr das Kopftuch herunterzuziehen, sie mehrfach beleidigt und in ihre Richtung gespuckt haben. Daraufhin habe ein Mitarbeiter des Bistros den Mann aufgefordert, den Gehweg vor dem Verkaufstresen zu verlassen, auf dem sich die Situation abgespielt hatte.

Als die trans Frau nach Erhalten der Bestellung ihren Weg fortsetzte, soll sie der inzwischen einige Meter entfernt stehende Mann grob an einem Handgelenk gepackt und sie wiederholt beleidigt haben. Außerdem habe er ihr gedroht, sie zu töten, und ihr gegenüber Schläge mit einem erhobenen Arm angedeutet. Mithilfe einer ihr fremden Frau gelang es der 42-Jährigen schließlich, davonzulaufen und sich an die Polizei zu wenden.

Weiterer Vorfall vom Januar

Sie meldete bei ihrer Anzeige noch einen anderen Vorfall, der sich bereits am 20. Januar dieses Jahres in der U-Bahn-Linie 8 auf der Fahrt zwischen den Bahnhöfen Hermannstraße und Boddinstraße ereignet haben soll. In dem Zug sei sie gegen 18 Uhr von zwei unbekannten Männern wegen ihrer Transidentität beleidigt worden. Einer der beiden Tatverdächtigen habe ihr seine gestreckte Hand ins Gesicht gestoßen, wodurch sie aufgrund einer ausweichenden Bewegung mit dem Kopf an eine Glasscheibe hinter ihr gestoßen sei. Nur weil ihr andere Mitfahrende zur Hilfe geeilt seien, habe sie die Bahn ohne weitere Angriffe verlassen können.

In beiden Fällen ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung, im ersten Fall auch wegen Bedrohung. Der Staatsschutz übernimmt Fälle, in denen als Motiv für eine Straftat Hasskriminalität vermutet wird.

Immer wieder gibt es Berichte über transphobe Übergriffe aus Berlin, da die Berliner Polizei mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt publik macht und diese daher vergleichsweise häufig der Öffentlichkeit meldet. Erst vor knapp einem Monat soll etwa ein Mann ein 16-jähriges trans Mädchen aus Hass ins Gesicht geschlagen haben (queer.de berichtete).

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt haben eigene Ansprechpartner*innen für LGBTI. (pm/cw)



#1 UrberlinerAnonym
#2 Lucas3898Anonym
  • 26.02.2022, 17:47h
  • Antwort auf #1 von Urberliner
  • Das Problem ist nur, dass es ohne Videoaufnahmen oft keine Spur zu den Tätern gibt und die Ermittlungen nach einem Jahr eingestellt werden.

    Bei Straftaten wie Volksverhetzung im Internet sieht es leider oft genauso schlecht aus, "Ermittlungen eingestellt, weil kein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte".
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#3 LothiAnonym
  • 26.02.2022, 18:33h
  • Antwort auf #2 von Lucas3898
  • Also ich schließe mich da @urberliner vollends an. Es ist ja nicht der erste und einzige Vorfall in der Hauptstadt. Das der Staatsschutz ermittelt, deutet zumindest darauf hin, das überhaupt ermittelt wird.
    Andererseits könnte man es ja auch tun wie z.B. in London. Überall Überwachungskameras anbringen. Aber soweit brauchen wir gar nicht zu schauen, denn in Berlin läuft längst eine Untersuchung dergleichen am Berliner S-Bahnhof Südkreuz. Dort werden alle die den Bahnsteig anstreben erkennungsdienstlich erfasst. Wohlgemerkt unter lauten Protest von Datenschützern.
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#4 Lucas3898Anonym
  • 26.02.2022, 19:24h
  • Antwort auf #3 von Lothi
  • Es gilt das Legalitätsprinzip, es muss also bei einer Strafanzeige immer ein Verfahren eingeleitet werden.
    Wie viel dann in der Praxis wirklich passiert, steht auf einem anderen Blatt.
    Manchmal werden nur die Akten hin und her gereicht.

    Wird die Tat bei der Anzeigenaufnahme als politisch motiviert eingestuft, übernimmt immer der Staatsschutz.
    Daher ist ggf. auch wichtig explizit zu betonen, dass es sich um queerfeindliche hassmotivierte PMK handelt. Denn leider haben da manche Beamte noch Schwierigkeiten bei der Einordnung oder sind auf dem rechten Auge blind.
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#5 Lucas3898Anonym
  • 26.02.2022, 19:32h
  • Antwort auf #3 von Lothi
  • Bei Straftaten im Internet, wie z.B. Volksverhetzung in Internetforen, scheitert es zum Teil schon daran, die IP Adresse des Täters beim Webseitenbetreiber anzufragen.

    Das muss innerhalb einer Woche passieren, da Internetprovider wie die Telekom die Zuordnung der vergebenen IP-Adressen derzeit nur 7 Tage lang speichern.
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#6 LothiAnonym
  • 26.02.2022, 20:25h
  • Antwort auf #4 von Lucas3898
  • Ich möchte dir hier keineswegs widersprechen.
    Zudem weiß ich gut, wie es ist eine Anzeige bei der Polizei wegen Körperverletzung aufzugeben. Mein Fall spielte sich zwar in den 80er Jahren ab, macht aber deutlich das es besonders bei der Berliner Polizei zu einer wesentlichen Veränderung gekommen ist bezüglich der Sichtweise von Übergriffen auf Lesben, Schwule und Transfrauen. Daher ermittelt grundsätzlich der Staatsschutz. Da politisch motiviert. Das ist neu in Berlin.
    In meinem Fall war es damals sogar so, dass der protokollierende Beamte unverblümt zu mir sagte: wir haben anderes zu tun. Nun, da ich aber strickt darauf bestand er möge gefälligst die Anzeige aufgeben oder ich müßte mich an anderer Stelle über sein Verhalten beschweren, nahm die Anzeige ihren Lauf. Es kam sogar zu einer Gerichtsverhandlung mit einem Urteil. Soviel dazu. Wer sich nicht traut eine Anzeige aufzugeben, macht es den oder die Täter allzu leicht. Oft finden sich sogar Zeugen des Vorfalls.
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#7 Lucas3898Anonym
  • 26.02.2022, 21:08h
  • Antwort auf #6 von Lothi
  • Natürlich ist eine Anzeige wichtig, damit die Polizei überhaupt von der Straftat erfährt und diese nicht im großen Dunkelfeld verbleibt.

    Leider schauen in der Öffentlichkeit viele Leute weg anstatt zumindest die Polizei zu rufen.
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