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Düsseldorf

Vergleichsgespräche nach Diskriminierung von trans Pflegeassistentin

Ein privates Seniorenheim stellte eine trans Frau wegen ihrer Geschlechtsidentität nicht ein. Jetzt wird um die Entschädigungszahlung gefeilscht.


Der Diskriminierungsfall von Moers war Thema im Düsseldorfer Amtsgericht (Bild: Hermann / pixabay)

  • 25. Februar 2022, 15:28h 22 2 Min.

Eine trans Frau kämpft am Düsseldorfer Arbeitsgericht um eine Entschädigung. Sie sieht sich durch die Leitung eines Seniorenheims diskriminiert. Am Freitag wurde der Fall vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Die 27-Jährige hatte im November in dem Heim in Moers (Kreis Wesel) zur Probe als Pflegeassistentin gearbeitet. Danach hatte sich der Heimleiter mit ihrer Arbeit sehr zufrieden gezeigt, ihr aber trotzdem eine Absage erteilt – offensichtlich wegen ihrer Geschlechts­identität (queer.de berichtete).

Arbeitsrichterin Christiane Schönbohm ermunterte beide Seiten, ihre Vergleichsgespräche fortzusetzen. "So sehr waren sie ja gar nicht mehr voneinander entfernt", sagte sie. Die Seniorenheimbetreiberin hatte der Mandantin 4.000 Euro Entschädigung geboten, was 2,5 Monatsgehältern entspricht.

Anwältin der Klägerin fordert 6.000 Euro

Die Anwältin der Klägerin, Johanna Kröber, fordert 6.000 Euro als Entschädigung für den Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Ihre Mandantin, die am Freitag nicht zur Verhandlung gekommen war, sei klar diskriminiert worden. "Ich glaube, dass wir gute Karten haben", sagte Kröber nach der Güte-Verhandlung. Zwei Wochen haben beide Seiten jetzt Zeit, sich zu einigen.

Der Hintergrund des Falles: Der Heimleiter hatte der Frau auf der Mailbox eine Mitteilung hinterlassen, in der er sie mal als Herr, mal als Frau angesprochen und ihre Abelhnung mit "ihrer Neigung" begründet hatte. Mehrere Heimbewohnende hätten Vorbehalte geäußert und sich nicht von ihr pflegen lassen wollen. Deshalb müsse er ihr leider absagen.

"Dass das unglücklich formuliert war, darüber sind wir uns alle einig", sagt der Anwalt der beklagten Betreiberin von Seniorenheimen, Klaus Thönißen, am Freitag. "Dafür hat sich meine Mandantin auch ausdrücklich entschuldigt." Insoweit sei die Sache auch unstreitig.

Das Heim sei aber in einer unglücklichen Situation, weil es gesetzlich verpflichtet sei, die Belange der Bewohner*innen zu berücksichtigen. Und um deren Vorurteile gehe es nun. Im Tagdienst könne man auf solche Befindlichkeiten der Kunden noch eingehen und eine andere Pflegekraft schicken, aber im Nachtdienst, wofür die Stelle ausgeschrieben sei, sei dies nicht möglich. (dpa/cw)

-w-

#1 kleine KatzeAnonym
  • 25.02.2022, 17:30h
  • Infame Unverfrorenheit, das pauschal der Bewohnerschaft des Seniorenheims in die Schuhe zu schieben und so die eigene trans Feindlichkeit ( siehe: 'Neigung') als 'unangenehme Notwenigkeit' hinzustellen!

    Wer die Zustände im Hilfesystem kennt, wird bei dieser Geschichte sofort stutzig.

    'Alte Menschen haben (alle) Vorurteile/sind rassistisch/ homo-/trans feindlich (weil sie alt sind)' ist ebenfalls eine Frechheit, und obendrein unwahr. Bei mir im Haus und in den Nachbarhäusern zB wohnen etliche Leute im Seniorenheim-Alter - und, seltsam, seltsam, für alle bin ich selbstverständlch eine Frau (mein cis passing ist nicht perfekt und ich bin offen trans), und diese Leute mögen mich gern.

    Der schreiende Gegensatz dazu ist übrigens Szene-Berlin, wo die Transmisogynie schier unbeschreiblich ist!

    Generell gilt: der Fisch stinkt vom Kopfe her. Leitungen sind verantwortlich, Punkt, auch und besonders dafür, wenn in ihren Organisationen diskriminiert wird.

    Da hat der Gesetzgeber noch zu tun. Aber nach der heutigen Aussage des Bundesjustizministers ( Artikel hier auf queer de) halte ich es sogar für möglich, daß der Gesetzgeber das auch anpackt.
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#2 ErrareHumanumEstAnonym
  • 25.02.2022, 17:44h
  • Antwort auf #1 von kleine Katze
  • Dem kann ich mich nur anschließen! Unsere lieben älteren Nachbarn waren teilweise wie Großeltern zu meiner Frau und mir (offen lesbisches Paar). Wir bekamen Blumensträuße und Glückwünsche zu unserer Hochzeit, wenn wir krank waren, haben sie uns Hühnerbrühe gemacht, zum Nikolaus hatten wir Geschenketüten vor der Tür! Wir hatten hier unglaublich liebe, ältere Menschen, die ich hier im Haus sehr vermisse!!
    Das ältere Menschen per se homo- oder transphob seien, ist ja wohl selbst eine Form von Diskriminierung!!
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#3 kleine KatzeAnonym
  • 25.02.2022, 18:22h
  • Antwort auf #2 von ErrareHumanumEst
  • Och wie süß! Ich gratuliere euch zu den schönen Erfahrungen!

    Ich hatte da eine Nachbarin, damals 87, jetzt im Pflegeheim, mit der ich lange schöne Gespräche bei den Briefkästen im Erdgeschoß hatte. Und die alte Dame brachte es fertig, sich mit mir: 'Sie wissen ja, wir Frauen ...' über typische Unzulänglichkeiten von Männern auszutauschen. Ich weiß nicht, ob sie das Wort kannte, aber natürlich hat sie gepeilt, daß ich trans bin. Es war ihr schlicht egal, 'das ist eine Frau', fertig.

    Ich erspare mir jetzt, auszuführen, wer sich an Frau P. mal ein Beispiel nehmen könnte!
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