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"EBU ist besorgt über die aktuellen Ereignisse"

Russland vom ESC ausgeschlossen

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat weitere Konsequenzen: Das Land darf nicht am ESC teilnehmen.


Der ESC findet im Mai in Turin statt

Zu Update springen: Russische Sender verlassen EBU (26.2., 16:05h)

Russland wird aufgrund der Invasion in die Ukraine vom diesjährigen Eurovision Song Contest in Turin ausgeschlossen. Das teilte die zuständige Europäische Rundfunkunion (EBU) am Freitagabend in Genf mit. Der 66. ESC soll am 14. Mai mit seinem großen Finale über die Bühne gehen. Deutschland will seinen Song kommende Woche küren (queer.de berichtete).

Die Europäische Rundfunkunion als Veranstalterin des Eurovision Song Contest hatte noch am Donnerstag ausweichend verkündet, der ESC sei ein nicht-politisches, kulturelles Event, das Nationen vereine. "Die EBU ist jedoch besorgt über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine und wird die Situation weiterhin genau beobachten."

Am Freitag hieß es nun, die Reference Group der EBU, das aus mehrereren Sendervertretenden unter Führung von Frank-Dieter Freiling (ZDF) bestehende internationale Leitungsgremium, habe nach Gesprächen mit allen beteiligten Mitgliedern und Gremien die Entscheidung zum Ausschluss Russlands getroffen. Grundlage seien die Regeln des Events und die Werte der Rundfunkunion. Die Entscheidung spiegele "die Besorgnis wider, dass angesichts der beispiellosen Krise in der Ukraine die Aufnahme eines russischen Beitrags in den diesjährigen Contest den Wettbewerb in Verruf bringen" würde.

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Nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert war, hatte das Land gefordert, die EBU-Mitgliedssender sollten so früh wie möglich erwägen, Russland vom diesjährigen ESC in Italien auszuschließen. Auch die Senderanstalten nordischer Länder und der Niederlande hatten am Donnerstag und Freitag den Ausschluss gefordert und den Druck auf die EBU erhöht. Finnland drohte nach Angaben des zuständigen Rundfunksenders Yle gar damit, keinen Beitrag zum ESC zu schicken, sollte die EBU Russland nicht die Teilnahme verbieten. Der russische Angriff auf die Ukraine verstoße gegen alle Werte, für die man selbst ebenso stehe wie alle anderen europäischen Rundfunksender, erklärte Yle am Freitag.

Nach der EBU-Entscheidung begrüßten auch ARD und ZDF den Ausschluss: "Der ESC ist ein musikalisches Fest der Völker Europas. Er repräsentiert Werte wie Freiheit und Vielfalt und ist ein friedlicher Wettstreit kreativer Köpfe", so die ARD-Vorsitzende Patricia Schlesinger und ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut in einer gemeinsamen Mitteilung. "Wenn ein Teilnehmerland des ESC von einem anderen angegriffen wird, sind wir innerhalb der europäischen ESC-Familie solidarisch. Deshalb ist die Entscheidung gegen die Teilnahme Russlands an dieser Stelle richtig."

Mit Russland wollten eigentlich 41 Länder am ESC 2022 teilnehmen. Belarus ist nach der Suspendierung des Senders BTRC von der EBU-Mitgliedschaft im vergangenen Jahr auch weiterhin vom Wettbewerb ausgeschlossen, an dem es 2021 bereits vor der Suspendierung wegen eines eingereichten Propaganda-Liedes nicht teilnehmen durfte (queer.de berichtete). Die Mitgliedschaft in der Union betrifft vor allem internationalen Programm-, Material- und Erfahrungsaustausch; eine Entscheidung zur EBU-Mitgliedschaft der zwei russischen Sender, die sich beim ESC von Jahr zu Jahr abwechseln, ist offenbar noch nicht getroffen worden. Wegen eines Angriffskrieges war zuletzt Jugoslawien 1993 vom Songcontest ausgeschlossen worden.

Derzeit läuft die Vorentscheid- und Nominierungsphase des ESC. Am 16. Februar trat Alina Pash, die den ukrainischen Vorentscheid gewonnen hatte, als Vertreterin der Landes zurück. Hintergrund waren offene Fragen zu einer Reise der Sängerin auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim im Jahr 2015. Nach dem Rücktritt von Pash schickt die Ukraine nun die Band Kalush Orchestra mit dem Titel "Stefania" nach Turin. Er muss sich erst noch in einem der Halbfinals (10. und 12. Mai) qualifizieren. Der russische Beitrag war noch gar nicht gekürt bzw. benannt worden. Mehrere frühere ESC-Stars des Landes, etwa Manizha (2021) oder Sergei Lasarew (2019/16), haben sich in sozialen Netzwerken gegen den Angriffskrieg gestellt.

Direktlink | Hoffentlich in Turin dabei: der ukrainische ESC-Beitrag 2022
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Auch im Sport hat der Krieg bereits Konsequenzen. So beschloss die Formel 1, den Großen Preis von Russland in dieser Saison abzusagen, die UEFA verlegte das Champions-League-Finale von Sankt Petersburg nach Paris. (dpa/cw)


 Update  26.2., 16.05h: Russische Sender verlassen EBU

Nach Angaben der russischen Agentur TASS vom Samstag haben die staatliche Senderkette WGTRK (u.a. Rossija 1) und der halbstaatliche Sender Erster Kanal (Pervyy kanal), die sich in den letzten Jahren beim ESC abwechselten, zusammen mit Radio Dom Ostankino den Senderverbund der Europäischen Rundfunkunion verlassen.

Der Ausschluss Russlands vom Song Contest sei ein "unangemessenes politisches Opfer bei einem Musikforum, das immer seinen unpolitischen Status betont" habe. Bereits mit dem Contest-Ausschluss von Belarus im letzten Jahr und dem Nicht-Ausschluss des Liedes "1944" der ukrainischen Sängerin Jamala 2016 habe die EBU "voreingenommen und selektiv" gehandelt und den Willen der EU erfüllt, so die Stellungnahme der Sender zu dem von der EU unabhängigen Verbund. "Leider ist die EBU zu einem Verein geworden, dessen Mitglieder in ungleichen Verhältnissen leben. Und wir halten es für uns unmöglich, weiter darin zu bleiben."

In den letzten Tagen hatten einige EBU-Sender nicht nur einen Contest-Ausschluss Russlands gefordert, sondern auch eine Suspendierung der Mitgliedschaft der Sender, die als Propagandakanäle arbeiteten. Am Samstag wurde bekannt, dass das Leitungsgremium der EBU dazu am Montag eine Entscheidung treffen wollte. Derweil schränkte Russland am Samstag den Zugang der Bürger zu Facebook und Twitter ein und drohte den letzten verbliebenen unabhängigen Medien wie dem Sender "TV Rain" und der Zeitung "Nowaja Gaseta" mit inländischer Sperre.

Ohne EBU-Mitgliedschaft bleibt Russland künftig auch vom ESC ausgeschlossen, an dem es seit dem Debüt 1994 23 mal teilgenommen hatte. Nach dem einzigen Sieg 2008 mit Dima Bilan wurde der Contest ein Jahr später aus Moskau ausgtragen – am Tag des Finales wurde ein CSD-Protest in der Innenstadt mit Festnahmen unterdrückt (queer.de berichtete). (nb)



#1 MarcAnonym
  • 25.02.2022, 18:12h
  • Absolut richtig. Auch wenn das den Diktator in Moskau vermutlich herzlich wenig jucken wird: Es ist ein alternativloses Signal. Der ESC kann dem Barbaren nicht schon wieder eine Bühne zur Selbstdarstellung bieten, nachdem er gerade erst ein Nachbarland überfallen hat.
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#2 EcloAnonym
  • 25.02.2022, 23:01h
  • Ach, plötzlich ist der ESC doch politisch. Sonst hat es sich bei Regenbogenflaggen immer so gern unter dem Deckmantel der politischen Neutralität versteckt. Naja, richtige Entscheidung. Bin gespannt, ob die Ukraine auch noch teilnehmen können wird.
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#3 RebeleAnonym
  • 26.02.2022, 09:10h
  • Ich fände es überhaupt unter diesen Umständen richtiger den ESC komplett abzusagen.
    Während Bomben fliegen und Menschen sterben soll ein Liederwettbewerb stattfinden?
    Das Geld was da ausgegeben wird sollte den Menschen in der Ukraine die alles verlieren zugute kommen.
    Meine Meinung!
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#4 NeinAnonym
  • 26.02.2022, 09:26h
  • Antwort auf #3 von Rebele
  • Das sehe ich anders:

    1. Wir dürfen uns von solchen Staaten nicht das Leben diktieren lassen. Man kann mit so einem Event ja auch ein Zeichen für die freiheitlich-demokratische Grundordnung setzen und zeigen, dass Liebe, Frieden, Freiheit und Vielfalt immer stärker sind als Hass, Unterdrückung und Gewalt.

    2. Für viele Menschen sind solche Veranstaltungen die letzte Freude, die sie noch haben im Leben. Soll man ihnen das nehmen? Und Ablenkung tut uns allen in diesen Zeiten gut.

    3. Dann müsstest Du genauso gut generell das Hören von Musik, das Anschauen von Filmen, etc. verbieten. Denn dann müsstest Du auch sagen "Wie kann man Musik hören oder sich an einem Film erfreuen, während anderswo Menschen sterben."

    4. Seit Jahrzehnten sterben jeden Tag auf der Welt Menschen an Hunger oder wegen mangelnder medizinischer Versorgung an eigentlich heilbaren Krankheiten. Dann müsste man da genauso agieren.

    Diese Geschehnisse sind tragisch und schlimm. Und für uns alle und unser Leben eine große Gefahr. Aber man kann jetzt nicht sein Leben aufgeben und nur noch ängstlich im stillen Kämmerlein sitzen. Gerade jetzt brauchen wir Ablenkung. Und gerade jetzt müssen wir auch zeigen, dass Freiheit und Demokratie stärker sind.

    Würde man mit der Absage den Krieg beenden können oder auch nur ein Leben retten können, wäre ich sofort dafür. Aber das ist ja leider nicht der Fall.
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#5 RebeleAnonym
  • 26.02.2022, 11:04h
  • Sicher ändert es nichts an der schlimmen Tatsache dass in Kiew Raketen einschlagen und Zivilbevölkerung zum Opfer fallen aber so unmittelbar währenddessen Party feiern finde ich schwierig.
    Natürlich darf man den Menschen die Freude an schönen positiven Dingen nicht nehmen, vielleicht ist es auch gut so dass trotzdem ein Evrnt wie der ESC stattfindet aber es ist wie gesagt schwierig für mich.
    Der Kölner Karneval wurde aus den gleichen Bedenken auch abgesagt.
    64t86
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#6 StaffelbergblickAnonym
  • 26.02.2022, 12:24h
  • ESC ja oder nein ... das kann aus verschiedenen Richtungen betrachtet werden:
    Absage: das würde vermutlich sogar Putin freuen, denn damit würde diese westliche dekantente Sendung indirekt in die Knie gezwungen.
    ESC ja: im Rahmen von Völkerverständigung, gemeinesamen Auftreten usw. sicherlich sinnvoll.
    Aus Sicht von kriegerisch betroffenen Regionen: ob die sich darüber freuen können ... ich weiß es nicht. Es wird pompös Energie verschwendet, welche woanders nötiger wäre.
    Delikat ist dabei auch folgende Überlegung. Der ESC wird in Turin ausgetragen. Es ist bekannt, dass hierbei extreme Energieleistungen vonnöten sind. Und Italien ist gegenwärtig das Land in Europa, welches am meisten von russischem Erdgas abhängig ist ... wohl um die 70 %. Einfach ausgedrückt ... der ESC spült noch Geld in die Kriegskassen von Putin.
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#7 PeerAnonym
  • 26.02.2022, 15:19h
  • Antwort auf #6 von Staffelbergblick
  • Bei Deinen ersten Punkten stimme ich Dir absolut zu:

    Würde man das absagen, würden sich diejenigen, die den Westen und den freiheitlichen Lebensstil hassen, ins Fäustchen lachen, dass ihnen das gelungen ist.

    Und da der ESC ja auch ein Fest der Vielfalt, der Freude und des friedlichen Miteinanders verschiedener Länder und Kulturen ist, kann man davon nicht genug bekommen.

    Was den Stromverbrauch angeht:
    Dann müsste man aber als Erstes Netflix und andere Streamingdienste sowie Kryptowährungen verbieten. Denn das sind die größten Stromfresser - konstant 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Dagegen ist der Energieverbrauch des ESC lächerlich klein.

    Natürlich ist es ein Skandal, dass so viele Staaten (inkl. Deutschland) sich bei der Energieversorgung so sehr von anderen Staaten, deren Rohstoffen und deren Energieproduktion abhängig gemacht haben. Aber vielleicht lernt man daraus, dass man endlich den Ausbau erneuerbarer Energien und entsprechender Speichertechniken massiv vorantreiben muss.
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#8 PeerAnonym
  • 26.02.2022, 15:26h
  • Antwort auf #5 von Rebele
  • >>>>> Natürlich darf man den Menschen die Freude an schönen positiven Dingen nicht nehmen, vielleicht ist es auch gut so dass trotzdem ein Evrnt wie der ESC stattfindet aber es ist wie gesagt schwierig für mich. <<<<<

    Ja, da habe ich auch vollstes Verständnis dafür. Und wenn man dabei ein schlechtes Gefühl hat, soll man das nicht anschauen. Aber genauso sollte man seine eigene Meinung nicht für andere zum Maßstab erklären (was Du nicht getan hast, sondern nur allgemein gesagt), denn das wäre der Verlust der Freiheit; also genau das, was die Feinde der Freiheit wollen.

    >>>>> Der Kölner Karneval wurde aus den gleichen Bedenken auch abgesagt. <<<<<

    Wobei man natürlich sagen muss, dass Karneval auch nochmal was anderes ist als der ESC. Man kann sicher auch beim Karneval diskutieren, ob es richtig ist, den abzusagen. Denn auch das bedeutet, dass man sich von solchen Leuten das Leben diktieren lässt und seine Freiheit aufgibt. Und gerade Freude kann man im Moment nicht genug haben, damit wir nicht alle bei Corona und Weltpolitik uns gleich einen Strick nehmen.

    Aber beim Karneval kann ich eine Absage noch eher verstehen als beim ESC.

    Das ist vermutlich eine dieser moralischen Zwickmühlen, wo es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern egal wie man es macht, ist es suboptimal.

    Aber ich persönlich hoffe darauf, dass der ESC stattfindet. Als starkes Zeichen für Liebe, Freiheit, Vielfalt und friedliches Miteinander. Aber wenn jemand das nicht sehen möchte, kann ich das genauso verstehen und dann guckt man es halt nicht.
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#9 Tobi CologneAnonym
  • 26.02.2022, 16:19h
  • Zum Thema Karneval:
    Dazu gibt es einen interessanten Kommentar der Welt, wo das Feiern von Karneval geradezu gefordert wird.

    Dort wird an die Tradition des Karnevals erinnert, der immer schon als Verhöhnung und Verspottung von Obrigkeiten gedacht war und ein Fest, wo man nicht zwischen arm und reich, nicht zwischen Nationalitäten, Hautfarben, etc. unterscheidet.

    Karneval ist mit seiner Verspottung von Uniformen, militärischen Grüßen, Waffen, etc. urpazifistisch.

    Und auch Leute wie Charlie Chaplin und Ernst Lubitsch haben zu Zeiten der Nazu-Diktatur die urkomischsten Filme gegen Hitler gedreht.

    Wie steht so schön im Kommentar:
    "Lachen gegen die Macht, Feiern für Freundschaft, Singen statt Schießen das ist eine Lebenshaltung, die auch und gerade in bierernsten Zeiten funktionieren kann."

    Hier der Link zum Kommentar:

    www.welt.de/debatte/kommentare/article237149717/Protest-Darf
    -man-trotz-Krieg-noch-Karneval-feiern.html


    Das alles gilt ähnlich auch für den ESC.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Lys AsAnonym
  • 26.02.2022, 16:49h
  • Gute Entscheidung der EBU.
    Für die Ukraine ist es in diesem Jahr vermutlich egal, mit wem sie beim ESC antreten: sie gewinnen in jedem Fall. Bereits Jamala hat damals ja wohl nicht aus muskalischen Gründen gewonnen. Das ist eben die andere Seite dieses selbstverständlich auch politschen Musikkarnevals.
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