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Heimkino

Wie gelingt ein Coming-out in konservativ-christlichen Kreisen?

Mit "Dramarama" hat Regisseur Jonathan Wysocki eine Hommage an die 90er Jahre geschaffen – eine Art filmischen Liebesbrief an Drama-Nerds, Spätzünder und die intensiven Freundschaften der Jugend.


Im Mittelpunkt von "Dramarama" steht ein braves Grüppchen gläubiger Teenager – einer von ihnen ist schwul (Bild: Pro-Fun Media)

"Ich wollte Dir sagen, dass…", so übt Gene, ein leicht schüchterner Teenager, vor dem Spiegel für sein Coming-out. Wir schreiben das Jahr 1994 im kalifornischen Kleinstadt-Ort Escondido, irgendwo zwischen Los Angeles und San Diego. Hier geht es weniger liberal zu als in anderen Städten Kaliforniens, hier findet man auch schon mal Autos mit "Bush"-Aufklebern.

Genes Freunde sind ein braves Grüppchen gläubiger Teenager, die sich die Zeit schon mal mit Krimi-Kostümpartys vertreiben. Die Mädchen feiern in Kostümen des 19. Jahrhunderts, etwa als Miss Havisham aus dem Charles-Dickens-Roman "Great Expectations", die Jungs gehen als Sherlock Holmes oder Dr. Jeckyll.

Die letzte Party dieser Art feiert die Clique, bevor einige von ihnen aufs College gehen. Doch am Horizont stehen Veränderungen: Jede Person hat ihr kleines oder größeres Geheimnis, im Fall von Gene ist es sein Schwulsein.

Eine Jugend ohne Sex ohne Drogen


Pro-Fun hat "Dramarama" mit deutschen Untertiteln digital und auf DVD veröffentlicht

Regisseur Jonathan Wysockis hat mit seinem Spielfilmdebüt "Dramarama" (Amazon-Affiliate-Link ), auf das er lange hingearbeitet hat, eine Hommage an die 90er Jahre geschaffen, eine Art filmischen Liebesbrief an Drama-Nerds, Spätzünder und die intensiven Freundschaften, die die Jugend prägen. In einem Interview sagte Wysocki, dass er sehr viel seiner eigenen Jugend im Film verarbeitet hat, die nicht, wie so oft in anderen Filmen, von viel Sex und Drogen geprägt war. Sondern: von der Liebe zum Theater und zum Film. Was dazu führte, dass es viel um Verwandlung, Spielen, das Schlüpfen in andere Figuren geht. "Das Leben ist eine einzige Bühne", meint eines der Mädchen im Film.

Die Teenager haben eher Angst vor Veränderung, als dass sie aktiv suchen. "Wir haben keinen Sex vor der Ehe", sagt eine der Freundinnen von Gene. Really, möchte man als Zuschauer da fragen? Andererseits bildet der Film sicher die Lebensrealität vieler Teenager ab, die aus konservativ-christlichen Kreisen kommen. Gene zweifelt zunehmend seinen Glauben an: "Wie kann man an etwas glauben, wenn sich die Regeln dauernd verändern?"

Der Film leidet etwas darunter, dass die Kids ein so arg konservatives Leben führen, so dass hier und da etwas die dramatischen Plot-Points fehlen. Es geht eher um eine behutsame, vorsichtige Entwicklung der Figuren. Am Ende ist die Gruppe eine arg veränderte – das Teenager-Leben wird nicht mehr wie früher sein. Ein liebevolles Porträt einer Kleinstadtjugend ist "Dramarama" dennoch geworden, trotz aller gesellschaftlichen Konventionen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film
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Infos zum Film

Dramarama. Komödie. USA 2020. Regie: Jonathan Wysocki. Darsteller*innen: Megan Suri, Nico Greetham, Zak Henri, Anna Grace Barlow, Nick Pugliese, Danielle Kay. Laufzeit: 91 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Spanisch, Niederländisch, Hebräisch (alle optional). FSK 6. Pro-Fun Media.

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Galerie:
Dramarama
10 Bilder


#1 Lucas3898Anonym
#2 AtreusProfil
#3 ZielführungAnonym
  • 26.02.2022, 17:02h
  • Ich fände es zielführender, mit einem Film den Betroffenen Wege aus ihren religiösen Gefängnissen aufzuzeigen, anstatt einmal mehr im religiösen Milieu zu versumpfen.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 26.02.2022, 21:23h
  • Antwort auf #3 von Zielführung
  • Es kommt halt immer drauf an, ob man mit "konservativ" wirklich nur konservativ meint oder fundamentalistisch. Bei letzteren ist meist nur ein völliger Bruch der einzig gangbare Weg, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, bei ersteren sind manchmal auch positive Überraschungen drin.

    Auf die darf man sich natürlich aber auch nicht verlassen.
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#5 Carsten ACAnonym
  • 27.02.2022, 10:53h
  • Antwort auf #4 von Alexander_F
  • Wird denn in dem Film eher ein konservatives oder eher ein fundamentalistisches Bild gezeichnet?

    Und mit der Bitte um einen Spoiler:
    akzeptieren seine Freunde den schwulen Teenager oder nicht oder nur mit Einschränkungen?
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#6 LegatEhemaliges Profil
  • 27.02.2022, 11:35h
  • Antwort auf #5 von Carsten AC
  • "akzeptieren seine Freunde den schwulen Teenager oder nicht oder nur mit Einschränkungen?"

    Liebe den Sünder, nicht die Sünde, das heißt "sündig" ist sowohl die "Neigung" als auch das Ausleben dieser, allerdings wird die "Neigung" als solche akzeptiert nur jegliches Ausleben dieser "Neigungen" absolut verteufelt. Das heißt, die Teenager mit homosexuellen "Neigungen" dürfen weiter in der Gemeinschaft der "Gläubigen" leben, müssen dies aber enthaltsam tun oder sich für eine "normale" Ehe "entscheiden". Letzteres ist meistens der erwünschte Ausgang, idealerweise mit eigenhändig gezeugten Kindern bitte.

    Es ist also keinerlei Akzeptanz vorhanden, lediglich Toleranz mit massiven, menschenverachtenden Auflagen.
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#7 KopfschüttelAnonym
  • 27.02.2022, 12:11h
  • Antwort auf #6 von Legat
  • Und das perfide bei der Sichtweise ist ja, dass die Prediger dieser Sichtweise sich ja so menschlich vorkommen, den Betroffenen aber schwere Schuldgefühle und Selbsthass einpflanzen, wenn man mal doch nachgibt.
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#8 Lucas3898Anonym
#9 LegatEhemaliges Profil
#10 Carsten ACAnonym