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Heimkino
Wie gelingt ein Coming-out in konservativ-christlichen Kreisen?
Mit "Dramarama" hat Regisseur Jonathan Wysocki eine Hommage an die 90er Jahre geschaffen – eine Art filmischen Liebesbrief an Drama-Nerds, Spätzünder und die intensiven Freundschaften der Jugend.

Im Mittelpunkt von "Dramarama" steht ein braves Grüppchen gläubiger Teenager – einer von ihnen ist schwul (Bild: Pro-Fun Media)
26. Februar 2022, 05:28h 3 Min. Von
"Ich wollte Dir sagen, dass…", so übt Gene, ein leicht schüchterner Teenager, vor dem Spiegel für sein Coming-out. Wir schreiben das Jahr 1994 im kalifornischen Kleinstadt-Ort Escondido, irgendwo zwischen Los Angeles und San Diego. Hier geht es weniger liberal zu als in anderen Städten Kaliforniens, hier findet man auch schon mal Autos mit "Bush"-Aufklebern.
Genes Freunde sind ein braves Grüppchen gläubiger Teenager, die sich die Zeit schon mal mit Krimi-Kostümpartys vertreiben. Die Mädchen feiern in Kostümen des 19. Jahrhunderts, etwa als Miss Havisham aus dem Charles-Dickens-Roman "Great Expectations", die Jungs gehen als Sherlock Holmes oder Dr. Jeckyll.
Die letzte Party dieser Art feiert die Clique, bevor einige von ihnen aufs College gehen. Doch am Horizont stehen Veränderungen: Jede Person hat ihr kleines oder größeres Geheimnis, im Fall von Gene ist es sein Schwulsein.
Eine Jugend ohne Sex ohne Drogen

Pro-Fun hat "Dramarama" mit deutschen Untertiteln digital und auf DVD veröffentlicht
Regisseur Jonathan Wysockis hat mit seinem Spielfilmdebüt "Dramarama" (Amazon-Affiliate-Link ), auf das er lange hingearbeitet hat, eine Hommage an die 90er Jahre geschaffen, eine Art filmischen Liebesbrief an Drama-Nerds, Spätzünder und die intensiven Freundschaften, die die Jugend prägen. In einem Interview sagte Wysocki, dass er sehr viel seiner eigenen Jugend im Film verarbeitet hat, die nicht, wie so oft in anderen Filmen, von viel Sex und Drogen geprägt war. Sondern: von der Liebe zum Theater und zum Film. Was dazu führte, dass es viel um Verwandlung, Spielen, das Schlüpfen in andere Figuren geht. "Das Leben ist eine einzige Bühne", meint eines der Mädchen im Film.
Die Teenager haben eher Angst vor Veränderung, als dass sie aktiv suchen. "Wir haben keinen Sex vor der Ehe", sagt eine der Freundinnen von Gene. Really, möchte man als Zuschauer da fragen? Andererseits bildet der Film sicher die Lebensrealität vieler Teenager ab, die aus konservativ-christlichen Kreisen kommen. Gene zweifelt zunehmend seinen Glauben an: "Wie kann man an etwas glauben, wenn sich die Regeln dauernd verändern?"
Der Film leidet etwas darunter, dass die Kids ein so arg konservatives Leben führen, so dass hier und da etwas die dramatischen Plot-Points fehlen. Es geht eher um eine behutsame, vorsichtige Entwicklung der Figuren. Am Ende ist die Gruppe eine arg veränderte – das Teenager-Leben wird nicht mehr wie früher sein. Ein liebevolles Porträt einer Kleinstadtjugend ist "Dramarama" dennoch geworden, trotz aller gesellschaftlichen Konventionen.
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Dramarama. Komödie. USA 2020. Regie: Jonathan Wysocki. Darsteller*innen: Megan Suri, Nico Greetham, Zak Henri, Anna Grace Barlow, Nick Pugliese, Danielle Kay. Laufzeit: 91 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Spanisch, Niederländisch, Hebräisch (alle optional). FSK 6. Pro-Fun Media.

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» auf sissymag.de
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