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Münchner Philharmoniker
OB feuert homophoben Chefdirigenten
Dieter Reiter zieht die Reißleine und entlässt Waleri Gergijew, weil er sich nicht vom Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine distanzierte. Gergijew outete sich auch als Unterstützer des "Homo-Propaganda"-Gesetzes.

Die Homophobie von Waleri Gergijew spielte jahrelang bei den Münchner Philharmonikern keine Rolle – jetzt wird er wegen des Ukraine-Kriegs entlassen (Bild: David Shankbone / flickr)
- 1. März 2022, 09:30h 2 Min.
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat den Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker wegen dessen Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin entlassen. Waleri Gergijew habe sich "trotz meiner Aufforderung, 'sich eindeutig und unmissverständlich von dem brutalen Angriffskrieg zu distanzieren, den Putin gegen die Ukraine und nun insbesondere auch gegen unsere Partnerstadt Kiew führt', nicht geäußert", teilte Reiter am Dienstag in einer Pressemitteilung der Stadt München mit.
"Ich hätte mir erwartet, dass er seine sehr positive Einschätzung des russischen Machthabers überdenkt und revidiert. Das hat er nicht getan", so der Sozialdemokrat. "In der aktuellen Situation wäre aber ein klares Signal für das Orchester, sein Publikum, die Öffentlichkeit und die Stadtpolitik unabdingbar gewesen, um weiter zusammenarbeiten zu können." Da Gergijew nicht auf Reiters Frage reagiert habe, "bleibt nur eine sofortige Trennung".
/ StadtMuenchenMünchen trennt sich von Valery #Gergiev.
Stadt München (@StadtMuenchen) March 1, 2022
Der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker hat auf das Schreiben von Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht geantwortet.
Zum Statement von OB Reiter:https://t.co/zvVjAWJnyV
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Auch international haben sich mehrere Orchester nach dem Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine vom viel beschäftigten und musikalisch hoch geachteten Dirigenten distanziert. Konzerthäuser in New York und Wien hatten etwa geplante Auftritte von Gergijew abgesagt.
Gergijew gilt als Unterstützer des russischen Machthabers Wladimir Putins und begrüßte auch dessen homosexuellenfeindliche Politik. 2013 hatte er seine Unterstützung für das "Homo-Propaganda"-Gesetz kundgetan und dabei Homosexualität in die Nähe von sexuellem Missbrauch von Kindern gerückt. Konkret hatte er in der niederländischen Zeitung "De Volkskrant" das Gesetz mit den Worten verteidigt: "In Russland tun wir alles, um Kinder vor Pädophilen zu schützen." Trotz dieser Äußerung erhielt Gergijew den Chefposten in München, was zu Protesten führte (queer.de berichtete).
Seine homophobe Äußerung versuchte Gergijew damals nach einem Shitstorm zu relativieren. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte er etwa: "Es ist falsch zu suggerieren, dass ich jemals anti-homosexuelle Gesetze unterstützt habe. In meiner Arbeit habe ich mich immer für die gleichen Rechte für alle Menschen eingesetzt." Außerdem behauptete er, dass er mit vielen "Menschen aus allen Gesellschaftsschichten" gearbeitet habe und "viele von ihnen meine Freunde sind". (cw)















