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Erzbistum Köln

Homophober Kardinal Woelki kehrt auf Chefsessel zurück

Als einer der wenigen führenden Geistlichen verteidigte Kardinal Woelki das Segnungsverbot. Jetzt kehrt er trotz heftigen Widerstands der Kölner Katholik*innen von seiner Suspendierung zurück.


Ausgerechnet in der als tolerant geltenden Domstadt herrscht mit Kardinal Woelki ein Erzbischof, der die Gleichbehandlung von Homosexuellen kategorisch ablehnt (Bild: Erzbistum Köln / Reiner Diart)

Kardinal Rainer Maria Woelki wird mit Sicherheit als Kölner Erzbischof zurückkehren. Das geht laut der "Rheinischen Post" aus einem Brief hervor, den der päpstliche Kölner Verwaltungschef Markus Hofmann an alle Mitarbeiter*innen des Erzbistums verschickt hatte.

Darin heißt es, dass "am Aschermittwoch Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki nach seiner geistlichen Auszeit wieder die Leitung des Erzbistums Köln übernehmen" werde. Die Zuständigkeit seines Vertreters Rolf Steinhäuser ende "mit Ablauf des 1. März 2022". Hofmann, der als Anhänger des umstrittenen Erzbischofs gilt, erklärte demnach weiter, er sei "zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit der oben skizzierten Arbeitsgruppe ein Format finden, das uns in einen guten Dialog führt, aus dem neues Vertrauen wachsen kann". Zuletzt hatte die Zukunft von Woelki in Köln als unsicher gegolten, da er vor seiner angekündigten Rückkehr die Teilnahme an mehreren Terminen Anfang März abgesagt hatte.

Nachsichtig gegenüber Kinderschändern, kompromisslos bei queeren Menschen

Woelki war zuletzt im Erzbistum hoch umstritten wegen seiner fragwürdigen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. Deshalb ordnete der Vatikan im September an, dass der 65-Jährige ein "geistliche Auszeit" nehmen müsse. Wiederholt kritisiert worden war auch, dass Woelki zwar mit harter Rhetorik gegen Homosexuelle polemisierte, gleichzeitig aber innerkirchlich bei sexuellem Missbrauch von Kindern große Nachsicht für Täter gezeigt haben soll (queer.de berichtete).

Unter Kölner Katholik*innen ist Woelki höchst unbeliebt: Einer am 21. Februar veröffentlichten Umfrage des "Kölner Stadtanzeigers" (Bezahlartikel) zufolge erklärte 92 Prozent von ihnen, dass Woelki hätte zurücktreten sollen; 82 Prozent waren der Ansicht, dass der Papst den Erzbischof feuern sollte. Vergangenes Jahr hatten die Kirchenaustritte in Köln – mutmaßlich wegen Woelki – ein Rekordniveau erreicht.

Woelki weckte zunächst Hoffnungen – und enttäuschte diese später

Woelki war vom damaligen Papst Benedikt XVI. 2011 zum Erzbischof von Berlin ernannt worden. In der Hauptstadt protestierten LGBTI-Gruppen zunächst gegen die Ernennung, weil er der fundamentalistischen und extrem homophoben Laienorganisation Opus Dei nahe stand. Woelki ging jedoch zunächst offen auf den Lesben- und Schwulenverband zu und traf sich mit dem Vorstand zu einem offiziellen Treffen (queer.de berichtete). Die Aktivist*innen lobten daraufhin dessen Dialogbereitschaft. 2012 wurde Woelki sogar vom "Bündnis gegen Homophobie" für den "Respektpreis" nominiert. Er lehnte jedoch die Nominierung ab und erklärte, er habe nur eine Selbstverständlichkeit geäußert (queer.de berichtete).

In Interviews gab sich Woelki bei LGBTI-Themen zwar zunächst offen, beharrte aber stets darauf, dass gleichgeschlechtliche Liebe "nicht gebilligt" werden könne. Vor der Bundestagswahl 2013 sagte er, dass der Ausschluss von homosexuellen Paaren von der Ehe für die Kirche genauso wichtig sei wie das Thema soziale Gerechtigkeit.

2014 wurde Woelki von Papst Franziskus als Nachfolger von Kardinal Meisner zum Erzbischof von Köln ernannt. Dort sorgte er immer wieder mit gegen Homosexuelle gerichteten Äußerungen oder Taten für Aufregung. 2019 hielt er etwa an einem Priesterausbilder fest, der für "Homo-Heilung" warb (queer.de berichtete). Letztes Jahr stellte er sich gegen die meisten anderen deutschen Bischöfe, indem er das vom Vatikan ausgesprochene Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich lobte. In der gegen Schwule und Lesben gerichteten Haltung des Vatikans sehe er "eine Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses" (queer.de berichtete). (dk)



#1 FliegenAnonym
#2 LorenProfil
  • 01.03.2022, 17:01hGreifswald
  • Zur Zeit tut Selbstbeherrschung wahrlich Not. Daher kurz: Woelki, nein danke!
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#3 PetterAnonym
  • 01.03.2022, 17:06h
  • Nicht nur seine Homophobie, sondern auch seine Haltung in den diversen Kinderschänder-Skandalen ist untragbar.

    Dass so jemand nach einem kurzen Urlaub wieder zurückkehrt, als sei nichts gewesen, zeigt nur wieder mal, dass die Kirche GAR NICHTS gelernt hat und auch GAR NICHTS wirklich ändern will.

    Die machen einfach weiter business as usual.

    Da hilft nur eines:
    Kirchenaustritt.
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#4 axsmaAnonym
  • 01.03.2022, 17:17h
  • Ich wundere mich immer wieder darüber, wie viele Menschen sich an der Institution Kirche reiben. Die kath. Kirche ist doch wie die klassische, deutsche Eiche, die es nicht juckt, wenn sich die Wildsau an ihr reibt.

    Diese Institution wird sich in Ihren Grundfesten nicht ändern. Nicht heute, nicht in 100 Jahren. Es ist ein Apparat mit ausgeprägtem Machtinstinkt, der sich schon immer über Interessen der Menschen stellte. Alles getarnt mit dem Hinweis auf eine göttliche Mission?

    Das einzige was jeder einzelne tun kann ist, aus der Kirche auszutreten. Das geht einfach. Man kann sehr viel gutes tun, auch ohne in der Kirche zu sein.

    Und ansonsten muss es endlich Initiativen geben, die es nicht mehr durchgehen lassen, dass eine Kirche sich über Recht und Gesetz stellt Damit meine ich das Recht unseres Landes, nicht das Kirchenrecht aus uralten Zeiten, auf das sich die Kirche wohl immer noch beruft.

    Menschen wie Woelki, van Elst und andere werden sich nicht ändern. Selbst der Bischof von Trier, hat beim Thema Missbrauch nichts bewirkt. Und seine "Heiligkeit" in Rom wird nie zulassen, dass sich die Kirche in Ihren Grundfesten ändert. Wer das denkt ist ein Träumer.
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#5 pariah girlAnonym
  • 01.03.2022, 17:54h
  • Na ja, meines Wissens ist das Reichskonkordat in Deutschland noch in Kraft. Wäre aufzukündigen. Öffentliche Fianzierung an Bedingungen zu knüpfen oder zu streichen, weltanschauliche Organisation auf Verfassungskonformität zu prüfen, zu prüfen, wo immer noch Entschädigungen für die Konfiskation von Kirchengütern im 19. Jh. (!) gezahlt werden, Verbindungen der Vatikanbank nach Deutschland unter die Lupe nehmen, Organisationen wie den Ordo Iuris, das Opus Dei, die Grabesritter und so weiter beobachten ...

    Kann man viel machen.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 01.03.2022, 18:03h
  • Mit welcher Selbstverständlichkeit der zurückkommt, obwohl die überwältigende Mehrheit der Kölner ihn nach seinen Vertuschungsversuchen weg haben will, beweist die ganze Arroganz, Ignoranz und Egomanie dieses Vereins.
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#7 Carsten ACAnonym
  • 01.03.2022, 18:09h
  • Antwort auf #4 von axsma
  • Ich stimme Dir absolut zu:
    Dieser Verein ist unreformierbar. Und will das auch gar nicht. Wer fest davon überzeugt ist, die letztgültigen Wahrheiten zu wissen, lässt sich seine jahrhundertealte Tradition des Hasses, der Ausbeutung und der Diskriminierung nicht nehmen.

    Aber umso wichtiger, ist es, dass so viele Menschen wie möglich da austreten. Und dass die Politik unter Druck gesetzt wird, die Finanzierung dieses Vereins zu beenden und eine echte Trennung von Staat und Kirche umzusetzen.

    Dazu zählt, dass der Staat nicht mehr deren Mitgliedsbeiträge zur Steuer erhebt und für die eintreibt. Die sollen ihre Mitgliedergebühren selbst erheben und eintreiben, wie jeder andere Verein auch.

    Dazu zählt aber auch, dass die Staatsleistungen endlich eingestellt werden. (Das fordert sogar das Grundgesetz.) Die bekommen die Kirchen noch zusätzlich zu den Kirchensteuern und auch aus den allgemeinen Steuern von Leuten, die dort nicht mal Mitglied sind.

    Wenn das beides ein Ende hat, wäre schon viel gewonnen.

    Und wenn dann auch noch die ganzen Ausnahmen für Kirchen (z.B. im AGG, im Arbeitsrecht, etc.) abgeschafft würden, hätten wir fast eine Trennung von Staat und Kirche. So wie es in einem demokratischen Rechtsstaat eigentlich selbstverständlich sein sollte.
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#8 pariah girlAnonym
  • 01.03.2022, 18:13h
  • Antwort auf #6 von Carsten AC
  • Es gab da mal einen Erzbischof von Köln, der es für richtig hielt, gegen die im Königreich Preußen gerade staatlich legitimierten 'gemischten Ehen' anzustänkern - das waren Ehen zwischen Katholiken und Protestanten, nur jeweils cis Männer mit cis Frauen versteht sich. Das war damals progressive Politik.

    Da erschienen dann ein paar Herren aus Berlin, verhafteten den Erzbischof und sperrten ihn ein.

    Scheint gewirkt zu haben.
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#9 KölnfischAnonym
  • 01.03.2022, 19:47h
  • Antwort auf #3 von Petter
  • Kein Urlaub für Wölki, sondern eine vom Vatikan angeordnete geistliche Auszeit.
    Dieser Laden weiß, wovon er spricht. Ist er doch selbst seit ca. 2000 Jahren in geistlicher Auszeit.
    Die mitmenschlichen Maximen des Jesus sind dort bekannt, werden aber nur als "nice to have" betrachtet, also nix wirklich Wichtiges.
    Wölki also war monatelang in einer geistlichen Auszeit, vermutlich nicht in seiner Kölner Bischofswohnung. In Wölkis Abwesenheit ist seine Wohnung hoffentlich von obdachlosen Mitmenschen bewohnt worden und stand doch wohl hoffentlich nicht leer...
    Ich selbst habe mir im August 2021 für den Rest meines Lebens auf diesem eigentümlichen Planeten mitgliedschaftliche Auszeit genommen von der römisch-katholischen Kirche.
    Mehrere Tage war ich beim Amtsgericht Köln immer wieder auf Terminsuche, bis es plötzlich von heute auf morgen klappte, obwohl bis Ende 9/2021
    alle Termine gebucht waren. Also stur dranbleiben an der täglichen Terminsuche, weil immer mal jemand unerwartet seinen Termin absagen kann.
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#10 LothiAnonym
  • 01.03.2022, 19:49h
  • Antwort auf #4 von axsma
  • Volle Zustimmung. Die verstehen nur eine Sprache. Kirchenaustritt und zwar unverzüglich. Ich lese gerade einen Historienroman von der Autorin Alexandra Cavelius mit dem Titel: Die Assassinin. Sehr gut recherchiert und zeigt u.a. auch das damalige Christentum mit seinen Auswüchsen.
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