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Mark Waschke

"Ich will das, was scheinbar als so normal gilt, in Frage stellen"

Kurz vor seinem 50. Geburtstag spricht Schauspieler Mark Waschke über seine Teilnahme an #ActOut, die Queerness seiner Rolle als "Tatort"-Kommissar Robert Karow und über seine Liebe zu Berlin.


Die Zigarette danach: Mark Waschke als "Tatort"-Kommissar Robert Karow, der zuvor einen anderen Mann aus einer Cruisingbar abgeschleppt hat (Bild: rbb / Volker Roloff)

Wenn Schauspieler Mark Waschke sich durch Berlin bewegt, dann meistens auf zwei Rädern. So kommt er mit seinem Faltrad um die Ecke. "Es ist eigentlich so ein bisschen wie die Verlängerung meiner Jugend, wo ich nie ein richtiges BMX-Rad hatte und jetzt mit dem gefederten Klapprad fahre", sagt Waschke. Sein Tipp fürs Radfahren in Berlin? "Richtig gute Bremsen und eine gute Lichtausrüstung."

Der Wahl-Berliner, der am Donnerstag, dem 10. März 2022, 50 wird, wurde im Ruhrgebiet geboren. Später zogen seine Eltern mit ihm ins Saarland, dort spielte er am Kindertheater. Anfang der 90er Jahre ging es für ihn dann nach Berlin – er studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gemeinsam mit anderen heutigen Schauspielgrößen wie Lars Eidinger oder Fritzi Haberlandt.

Herrscht in so einem Umfeld eine große Konkurrenz? Waschke überlegt kurz. "Natürlich mag man sich und versucht, gut miteinander klarzukommen, und man tut so, als würden auch alle an einem Strang ziehen. Aber letzten Endes will doch jeder die Hauptrolle haben und das ist auch oft sehr anstrengend und langweilig."

Seit 2015 ist er "Tatort"-Ermittler in Berlin

Seit 2015 ist eine von Waschkes Hauptrollen die Figur des Robert Karow im Berliner "Tatort". Vor einer Weile wurde bekannt, dass Kollegin Meret Becker aussteigt, stattdessen kommt Corinna Harfouch. Zunächst dreht Waschke jedoch noch eine Folge allein. "Es ist eine gute Transition nach der sehr schönen Zeit mit Meret Becker, jetzt kurz alles alleine zu machen und dann zu schauen, wie es weitergeht", sagt der Schauspieler. Corinna Harfouch kenne er, doch bislang hätten sie noch nie miteinander gedreht.

Bei der Figur des Robert Karow sei ihm von Anfang an sehr wichtig gewesen, nicht zu erklären, warum er so sei, sondern einfach zu zeigen, dass er so sei. Waschke spielt damit auf eine "Tatort"-Episode an, in der der Kommissar in einer Bar einen Mann kennenlernt und mit nach Hause nimmt (queer.de berichtete). In der nächsten Folge war Karow sogar als Bottom beim Analverkehr mit einem Mann zu sehen (queer.de berichtete). Die Frage nach der genauen sexuellen Orientierung des Ermittlers wurde jedoch nie geklärt.


Schwule Sex-Premiere 2016 im "Tatort". Kommissar Robert Karow wird gefickt (Bild: rbb)

"Da haben dann auch alle ganz aufgeregt gesagt: Da müssen wir die Interviewanfragen beantworten. Ist er denn nun schwul?", sagt Waschke. "Warum soll man das erklären? Wer fragt denn da?" Es sei das Jahr 2022, da gehe es nicht mehr darum zu erklären, warum jemand nicht heteronormativ lebe. Er wolle neue Geschichten und andere Selbstverständlichkeiten erzählen. "Ich finde grundsätzlich in meiner Arbeit wichtig, das, was alle so mitmachen, das, was scheinbar so als normal gilt, in Frage zu stellen", so der Schauspieler.

Überhaupt ist Identität ein wichtiges Thema für Waschke. Im vergangenen Jahr war er Teil der Kampagne #ActOut. Im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" hatten sich 185 queere Vertreter*innen der Schauspielbranche geoutet und in einem Manifest u.a. die Forderung aufgestellt, sich nicht mehr verstecken zu müssen. Zu den Unterzeichner*innen gehörten etwa Maren Kroymann, Ulrike Folkerts, Ulrich Matthes oder eben Mark Waschke.

Dieser lässt ähnlich wie sein Serienermittler die Frage nach seiner Sexualität offen. "Das mag ich an dem Robert Karow spielen. Das ist wie sich gegen die Wand werfen und wie ein Flummi zurückkommen. Und insofern hat das was mit mir zu tun und immer wieder nichts zu tun", sagt Waschke.

Das Wort queer sei für ihn sehr befreiend gewesen. "Das ist nur queere Sexualität, ein Überbegriff, unter dem ganz viel möglich ist und sein kann, und man muss es nicht genau benennen. In der idealen Welt, von der ich träume, braucht es die Begriffe 'Mann' und 'Frau' noch nicht mal mehr", sagt der Schauspieler, der beim Reden immer in Bewegung ist. Die Hände gestikulieren, die Augen wandern im Raum umher.

"Zum Glück ist Berlin nicht Deutschland"

"Die Schwierigkeit bei diesem ganzen Identitätswahnsinn ist, dass man den eigentlich nicht braucht, und dass man natürlich aber doch die Begrifflichkeiten braucht in dem Befreiungsprozess", führt er weiter aus. "Diese Diskussion über das Gendern ist komplett nötig, auch wenn man hinterher vielleicht ganz woanders ankommt."

Waschke, der Vater einer Tochter ist, wohnt inzwischen schon lange in Berlin. Er lebt gerne hier, auch weil die Hauptstadt immer internationaler werde. Manche regten sich darüber auf, dass man im Café in Mitte auf Englisch bestellen müsse. "Ja, und? Dann bestellst du halt auf Englisch", sagt Waschke. "Zum Glück ist Berlin nicht Deutschland. Sagen wir so, ich lebe gerne in Berlin. So gerne, weil es nicht ganz so deutsch ist wie der Rest des Landes."



#1 lindener1966Profil
  • 04.03.2022, 17:54hHannover
  • Also den Deutschland Kommentar hätte er sich sparen können. Klingt ziemlich arrogant. In diesen Zeiten sollte man sich glücklich schätzen, wo man herkommt. Ausserdem ist D heute insgesamt viel internationaler als noch vor 20/30 Jahen. Toller Mann trotzdem :-)
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#2 linearAnonym
  • 04.03.2022, 20:39h
  • Eines der besten Beispiele dafür, dass das deutsche lineare Unterhaltungs TV auf sein berechtigtes Ende zu steuert. Voller Lippenbekenntnisse und Selbstüberschätzungen. Queere Authentizität gibt es beim Tatort schon lange und besser - Lena Odenthal.
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#3 Uhu0Anonym
  • 06.04.2022, 17:16h
  • Antwort auf #2 von linear
  • Lena Odenthal wirkt auf mich eher wie eine Figur, die als "hetero, aber mit ihrem Job verheiratet, daher keine Zeit für einen Freund oder Ehemann" verstanden werden soll... (Betonung auf SOLL. Klappt mal mehr, mal weniger gut.)
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