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München

Kardinal Marx leitet Queer-Gottesdienst

Vor gut zehn Jahren kanzelte Kardinal Marx Schwule und Lesben noch pauschal als "gescheiterte Menschen" ab. Inzwischen geht der Erzbischof von München offener mit der einst verhassten Minderheit um.


Kardinal Reinhard Marx hat seine frühere homophobe Rhetorik inzwischen eingestellt – und unterstützt sogar offen queere Katholik*innen (Bild: StagiaireMGIMO / wikipedia)
  • 4. März 2022, 11:41h 22 2 Min.

Kardinal Reinhard Marx, der katholische Erzbischof von München und Freising, wird am 13. März um 18.30 Uhr die Jubläumsmesse des "queerGottesdienstes" in der Münchner Paulskirche leiten, bei der das 20-jährige Jubiläum dieser Veranstaltung für die LGBTI-Community gefeiert werden soll. Das teilte Sven Langenbuch von der Queer-Gemeinde München mit, die in der Landeshauptstadt seit 2002 einmal im Monat einen römisch-katholischen Gottesdienst abhält. Auf der Homepage queergd.de können Interessenten ein kostenloses Ticket für den im Anschluss stattfindenden Jubiläumsempfang im Beisein von Kardinal Marx buchen.

Die Organisator*­innen werten den hohen Besuch als Erfolg für die Akzeptanz von queeren Menschen innerhalb der Kirche: "Wenn jetzt der Münchner Erzbischof Reinhard Marx dem queerGottesdienst vorsteht, kommt nicht nur der Leiter einer bayrischen Ortskirche, sondern als Kardinal ein hoher Repräsentant der Weltkirche und Papstberater. Für viele geht jetzt ein Traum in Erfüllung", heißt es in einer Einschätzung der queeren Christ*­innen. "Es wird deutlich, dass sich Entscheidendes in der Kirche ändert. Annahme statt Ausgrenzung, Zuwendung statt Abwendung tun den Teilnehmenden unbeschreiblich gut."

Vom Saulus zum Paulus

Kardinal Marx ist bereits seit 2008 Erzbischof in der bayerischen Landeshauptstadt. Zunächst profilierte er sich mit teils extrem homophoben Aussagen – so warf er Schwulen und Lesben 2011 pauschal vor, "gescheiterte und zerbrochene Menschen" zu sein. Ein Jahr später erklärte er, dass die Bevorzugung der Hetero-Ehe vor dem "Tod der Gesellschaft" schütze – eine klare Anspielung auf die damalige Forderung nach der Ehe für alle. 2015 bezeichnete Marx die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren als "nicht akzeptabel". 2017 erklärte er, er unterstütze eine Verfassungsklage gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht.

Langsam änderte der Kardinal aber seinen Ton: 2018 sagte er etwa, er könne sich die Segnung von Homo-Paaren vorstellen, ein Jahr später erklärte er, diese Paare könnten "im Sinne einer seelsorglichen Begleitung" einen Segen erhalten. Anfang dieses Jahres stellte er sich offen gegen den Vatikan, als er postulierte, dass auch schwule Männer Priester werden könnten. (dk)

-w-

#1 Sven100Anonym
  • 04.03.2022, 13:36h
  • "Für viele geht jetzt ein Traum in Erfüllung", heißt es in einer Einschätzung der queeren Christ*innen."

    Dieser Traum kann ganz schnell vorbei sein.

    Im Augenblick hat die RKK eine halbwegs aufgeschlossenen Papst. Der ist aber auch nicht unsterblich, und wenn der Nachfolger so konservativ sein sollte wie einige deutsche Kirchenfürsten (Woelki, Gänswein, Voderhofer, Oster) müssen die Schwulen ganz schnell wieder in ihr Mauseloch zurück.
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#2 LothiAnonym
  • 04.03.2022, 14:17h
  • Antwort auf #1 von Sven100
  • Soweit gehe ich gar nicht erst. Bisher gab es nur einen Papst, nämlich der lachende Papst, der wirklich Reformen wollte zum Guten aller Gläubigen Christen und der wurde umgebracht, kaum das er im Amt war. Mit all den Missbrauchsvorwürfen laufen der RKK sehr, sehr viele Schafe weg. Dieses sich jetzt anbiedern an eine Minderheit ist genauso verlogen und heuchlerisch wie ihre gesamte Führungselite. Erst wenn sie endlich das Zölibat aufheben, Frauen auch ins Priesteramt zulassen, sind sie endlich in der heutigen Zeit angekommen. Doch wers glaubt wird selig.
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#3 TommAnonym
  • 04.03.2022, 14:25h
  • Wie war das vom "Saulus" zum "Paulus" !?
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