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München

Kardinal Marx leitet Queer-Gottesdienst

Vor gut zehn Jahren kanzelte Kardinal Marx Schwule und Lesben noch pauschal als "gescheiterte Menschen" ab. Inzwischen geht der Erzbischof von München offener mit der einst verhassten Minderheit um.


Kardinal Reinhard Marx hat seine frühere homophobe Rhetorik inzwischen eingestellt – und unterstützt sogar offen queere Katholik*innen (Bild: StagiaireMGIMO / wikipedia)

Kardinal Reinhard Marx, der katholische Erzbischof von München und Freising, wird am 13. März um 18.30 Uhr die Jubläumsmesse des "queerGottesdienstes" in der Münchner Paulskirche leiten, bei der das 20-jährige Jubiläum dieser Veranstaltung für die LGBTI-Community gefeiert werden soll. Das teilte Sven Langenbuch von der Queer-Gemeinde München mit, die in der Landeshauptstadt seit 2002 einmal im Monat einen römisch-katholischen Gottesdienst abhält. Auf der Homepage queergd.de können Interessenten ein kostenloses Ticket für den im Anschluss stattfindenden Jubiläumsempfang im Beisein von Kardinal Marx buchen.

Die Organisator*innen werten den hohen Besuch als Erfolg für die Akzeptanz von queeren Menschen innerhalb der Kirche: "Wenn jetzt der Münchner Erzbischof Reinhard Marx dem queerGottesdienst vorsteht, kommt nicht nur der Leiter einer bayrischen Ortskirche, sondern als Kardinal ein hoher Repräsentant der Weltkirche und Papstberater. Für viele geht jetzt ein Traum in Erfüllung", heißt es in einer Einschätzung der queeren Christ*innen. "Es wird deutlich, dass sich Entscheidendes in der Kirche ändert. Annahme statt Ausgrenzung, Zuwendung statt Abwendung tun den Teilnehmenden unbeschreiblich gut."

Vom Saulus zum Paulus

Kardinal Marx ist bereits seit 2008 Erzbischof in der bayerischen Landeshauptstadt. Zunächst profilierte er sich mit teils extrem homophoben Aussagen – so warf er Schwulen und Lesben 2011 pauschal vor, "gescheiterte und zerbrochene Menschen" zu sein. Ein Jahr später erklärte er, dass die Bevorzugung der Hetero-Ehe vor dem "Tod der Gesellschaft" schütze – eine klare Anspielung auf die damalige Forderung nach der Ehe für alle. 2015 bezeichnete Marx die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren als "nicht akzeptabel". 2017 erklärte er, er unterstütze eine Verfassungsklage gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht.

Langsam änderte der Kardinal aber seinen Ton: 2018 sagte er etwa, er könne sich die Segnung von Homo-Paaren vorstellen, ein Jahr später erklärte er, diese Paare könnten "im Sinne einer seelsorglichen Begleitung" einen Segen erhalten. Anfang dieses Jahres stellte er sich offen gegen den Vatikan, als er postulierte, dass auch schwule Männer Priester werden könnten. (dk)



#1 Sven100Anonym
  • 04.03.2022, 13:36h
  • "Für viele geht jetzt ein Traum in Erfüllung", heißt es in einer Einschätzung der queeren Christ*innen."

    Dieser Traum kann ganz schnell vorbei sein.

    Im Augenblick hat die RKK eine halbwegs aufgeschlossenen Papst. Der ist aber auch nicht unsterblich, und wenn der Nachfolger so konservativ sein sollte wie einige deutsche Kirchenfürsten (Woelki, Gänswein, Voderhofer, Oster) müssen die Schwulen ganz schnell wieder in ihr Mauseloch zurück.
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#2 LothiAnonym
  • 04.03.2022, 14:17h
  • Antwort auf #1 von Sven100
  • Soweit gehe ich gar nicht erst. Bisher gab es nur einen Papst, nämlich der lachende Papst, der wirklich Reformen wollte zum Guten aller Gläubigen Christen und der wurde umgebracht, kaum das er im Amt war. Mit all den Missbrauchsvorwürfen laufen der RKK sehr, sehr viele Schafe weg. Dieses sich jetzt anbiedern an eine Minderheit ist genauso verlogen und heuchlerisch wie ihre gesamte Führungselite. Erst wenn sie endlich das Zölibat aufheben, Frauen auch ins Priesteramt zulassen, sind sie endlich in der heutigen Zeit angekommen. Doch wers glaubt wird selig.
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#3 TommAnonym
#4 LegatEhemaliges Profil
  • 04.03.2022, 14:28h
  • Nein, es muss heißen: Vom (bigotten) Paulus zurück zum ("sündhaften") Saulus! Oder ist etwa homosexuelles Verhalten plötzlich keine verhasste "Sünde" mehr? Als im das letzte mal in die Scharia der katholischen Kirche (nennt sich auch Katechismus) geschaut habe, war das noch klar geregelt:

    2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind (CDF, Erkl. Persona humana 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.

    2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tief sitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfasstheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

    2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft , durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.
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#5 DankeAnonym
#6 IfreumiAnonym
  • 04.03.2022, 15:30h
  • Also, ich freu mich, und es ist ein bemerkenswertes, unerwartetes Ereignis. Was kümmern mich jetzt die zu erwartenden Querschüsse und vielleicht auch Rückschläge. Es ist die Kirche von München, wo ich seit mehr als einem halben Jahrhundert lebe, gern lebe.- Ich wiedrhols: Ich freu mich, vorbehaltslos.
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#7 0815Anonym
  • 04.03.2022, 15:33h
  • Antwort auf #4 von Legat
  • Ist in 2359 ist das letzte Wort entscheidend? "annähern" würde bedeuten, dass homosexuelle Christ:innen sich der geforderten "christlichen Vollkommenheit" immer nur annähern können, sie jedoch nie erreichen werden, weil sie homosexuell sind.

    Wenn das so gemeint ist, kann die christliche Ausgrenzung und Deklassierung nicht viel klarer verkündet werden.

    Und die Christenschafe blöken willfährig dazu.

    www.kirchenaustritt.de
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#8 SakanaAnonym
  • 04.03.2022, 16:19h
  • Antwort auf #4 von Legat
  • Wie heißt's so schön: Papier ist geduldig und Gottes Wege sind weit...der Katechismus ist kein weltliches Gesetz und allenfalls nur mit sehr viel Mühe in der Kirche selbst durchzusetzen. Zudem kann man den Katechismus unter dem Eindruck neuer theologischer Forschung und Interpretation biblischer Verse immer noch zu einer Revision derselben kommen.

    Aber die Diskussion haben wir schon häufiger hier geführt und unsere Ansichten sind da leider komplett konträr.
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#9 LothiAnonym
  • 04.03.2022, 16:37h
  • Antwort auf #4 von Legat
  • In meiner Schulzeit war der Kateschismus allgegenwärtig im Religionsunterricht. Ebenso die Bibel. Beides wurde uns regelrecht eingebläut mitunter durch Prügelstrafe. Wenn man nicht aufpasste im Unterricht wurde wir dazu verdonnert Seitenweise die Bibel auswendig zu lernen.
    Der IS wendet die gleiche Methodik an bei der Verbreitung des Koran.
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#10 LegatEhemaliges Profil
  • 04.03.2022, 16:57h
  • Antwort auf #7 von 0815
  • Ne, ist tatsächlich mal ausnahmsweise nicht homophob gemeint. 100% Christ ist nur Christus selbst. Das heißt jeder noch so "tolle" Christ kann sich dem Ideal von Christus - als angeblich perfektes Vorbild - immer nur annähern aber nie erreichen.
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